Vordenker: „Bürokratische Schranken“

HWWI-Chef fordert Innovationssysteme für Deutschlands Digital-Zukunft

Henning Vöpel, Chef des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) spricht im DUB UNTERNEHMER-Interview über Zukunftsfähigkeit und Umsetzungswillen in Deutschland.

Professor Henning Vöpel ist Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI). Seine Forschungs- und Themenschwerpunkte sind Konjunkturanalyse, Geld- und Währungspolitik, Finanzmärkte und Digitalökonomie

Professor Henning Vöpel ist Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI). Seine Forschungs- und Themenschwerpunkte sind Konjunkturanalyse, Geld- und Währungspolitik, Finanzmärkte und Digitalökonomie (Foto: PR)

DUB-UNTERNEMER-Magazin: In der Technologie-Forschung nimmt Deutschland einen weltweiten Spitzenplatz ein – nicht aber bei der flächendeckenden Umsetzung von Zukunftstechnologien. Würden Sie diese Sichtweise unterstützen?

Henning Vöpel: Ja, wir haben in Deutschland zunehmend ein Transfer- und Umsetzungsproblem. Im Wesentlichen sind hierfür hohe regulatorische und bürokratische Schranken verantwortlich. Die Erfinder- und Gründermentalität in der Wissenschaft hat daneben ebenfalls abgenommen.

Befürchten Sie, dass wir angesichts privater und staatlicher Milliardenspritzen für die Weiterentwicklung der Künstlichen Intelligenz in den USA und China aus Forschungssicht irgendwann den Anschluss verlieren?

Vöpel: Mit der jüngst verkündeten KI-Strategie ist ein wichtiger Schritt getan. Jedoch sind die drei Milliarden im Vergleich zu den USA und China zu gering. Ein weiterer Aspekt dürfte der restriktive Umgang mit Daten sein, der Deutschland behindern könnte, den Rückstand aufzuholen.

Wie kann „Made in Germany“ auch bei digitalen Fragen zu einem Gütesiegel werden? Haben das B2B-Geschäft und Industrie-4.0-Plattformen das Zeug, zu Paradedisziplinen deutscher Unternehmen zu werden?

Vöpel: Digitale Gütesiegel made in Germany könnten zum Biespiel Data Protection, Cyber-Security und Ethik sein. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat unlängst von einem „Dritten Weg der Digitalisierung“ für Europa gesprochen. Das könnte auch für Deutschland ein guter Weg sein.

Wie muss sich der Diskurs zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik verändern, um uns in Sachen Innovation, Infrastruktur und Ideenfindung auf Zukunftskurs zu halten?

Vöpel: Es sind Innovationssysteme notwendig. Diese müssen viel stärker experimentell, interdisziplinär und kollabora­tiv als früher sein, weil es in Zukunft darum geht, das Silo­wissen aufzubrechen und neue Geschäftsmodelle miteinander zu teilen. Es muss ein regelrechtes Ökosystem entstehen.

Teil 1: 30 Impulsgeber gestalten Deutschlands Digital-Zukunft

Teil 2: HWWI-Chef fordert Innovationssysteme für Deutschlands Digital-Zukunft

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