Work-Work-Balance

Die japanische Arbeitskultur

Fabian Hoshino: Der Duisburger Ostasienwissenschaftler ist Instructor Experience Director bei Les Mills in Tokio.

Fabian Hoshino: Der Duisburger Ostasienwissenschaftler ist Instructor Experience Director bei Les Mills in Tokio (Foto: PR)

Das ist in der globalisierten Welt ein Problem.

Hoshino: Für international agierende Unternehmen ist das vor allem ein Problem beim Recruitment. Denn entweder Japaner konzentrieren sich auf ihre sprachlichen Fähigkeiten oder auf das fachliche Know-how. Beides in einer Person zu finden ist die Ausnahme. Brauche ich einen Ingenieur im Automotive-Bereich, der auch noch Englisch beherrscht, trifft das auf eine extrem kleine Zahl an Leuten in diesem Land zu. Die zu finden ist schwer und teuer – vor allem in einem Arbeitsmarkt, in dem Jobwechsel Ausnahmen sind.

Die lebenslange Anstellung ist immer noch normal?

Hoshino: Ja, oft ist der erste Arbeitgeber auch der letzte. In der Regel beginnt man nach der Uni mit 22 oder 23 Jahren zu arbeiten. Wer älter ist und den ersten Job sucht, hat es schwer. Im Unternehmen lernt man dann wirklich alles – auch wie man den Telefonhörer abnimmt oder Visitenkarten überreicht. Es wird kein Know-how vorausgesetzt; das Gehalt ist nicht verhandelbar. Es steigt mit zunehmendem Alter – unabhängig von der Leistung.

Was zeichnet japanische Arbeitnehmer aus?

Hoshino: Sie sind Perfektionisten und handeln regelkonform. Gemacht wird, was schon immer gemacht wurde – ohne es zu hinterfragen. Außerdem übernimmt der Einzelne keine Verantwortung. Es ist immer eine Gruppe zuständig. Das kostet Zeit, weil alles von mehreren Leuten geprüft wird. Aber die japanische Gesellschaft ist eben eine zu 100 Prozent kollektiv denkende. Einzelgänger haben es da schwer.

Es heißt: Japaner sind die fleißigsten Arbeitsbienen.

Hoshino:Als einziges Land erkennt Japan Überarbeitung als Todesursache an. Der japanische Angestellte arbeitet rund 350 Stunden im Jahr mehr als der deutsche. Die Menschen hier leben für die Arbeit; Work-Life-Balance kennen sie nicht. In vielen Firmen gehört es noch immer zum guten Ton, nicht vor dem Chef nach Hause zu gehen. Doch deswegen sind Angestellte nicht unbedingt produktiver. Oft überbrücken sie die Zeit einfach mit Zeitunglesen.

Teil 1: Demografie? Japan setzt auf Roboter, Automatisierung, KI

Teil 2: Die japanische Arbeitskultur

Teil 3: Japan: Digitalisierung, Urbanisierung, demografischer Wandel

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