Harmonie der Perfektion

Digitalisierung in Japan

Während im Westen traditionell darauf gesetzt wird, Vorreiter zu sein, zeigt der Besuch in Tokio: Wer Bestehendes beständig weiterentwickelt, kann ebenso zum Vorbild werden.

Aus der Ferne: Der Vulkan Fuji, Japans höchster Berg, thront hinter der Skyline von Tokio.

Aus der Ferne: Der Vulkan Fuji, Japans höchster Berg, thront hinter der Skyline von Tokio (Foto: Getty Images/ooyoo)

Sakura nennen die Japaner die Kirschblüte, für die das Inselreich bekannt ist. Sie steht für den Anbruch einer neuen Zeit, für Schönheit und Vergänglichkeit. Im Frühling verbreiten sich die Blüten vom Süden aus wellenartig über das ganze Land. Beinah zeitgleich beginnt im April ein neues Geschäftsjahr. Die allgegenwärtige Digitalisierung stellt auch japanische Unternehmen vor die Frage: schnell auf vergängliche Trends reagieren oder Ruhe bewahren, sich weiterhin auf die eigenen Stärken verlassen?

Für Kazuo Inamori gibt es darauf nur eine Antwort: „Tue das, was menschlich richtig ist.“ Diese Maxime machte den Kyocera-Gründer zum Millionär – obwohl sich bei ihm alles darum dreht, faire Geschäfte im Einklang mit Natur und Gesellschaft zu machen. Seine buddhistisch geprägte Denkweise ist eine ganz andere als die, die wir etwa aus dem Silicon Valley kennen.

Dort dreht sich alles um disruptive Innovationen – neu ist immer besser als alt. Das Ziel: der große Durchbruch. „Anders als westliche Staaten wollen Japaner keine Vorreiter sein. Sie sind brillant darin, Bestehendes zu verbessern“, sagt Phillip Rubel, Partner bei der Beratung KPMG in Tokio. „Kaizen“ heißt dieser unternehmerische Glaube, der darauf setzt, Bewährtes zu optimieren, nicht zu zerschlagen.

Diese Philosophie ist auch im Stadtbild von Tokio sichtbar. Es scheint, als befinde sich Japans Hauptstadt in einem eigenen Zeitalter – in seiner eigenen Mixtur von Tradition und Moderne. Tempel stehen neben riesigen Wolkenkratzern, Teezeremonien werden in den nobelsten Restaurants abgehalten, Frauen in Kimono laufen durch Akihabara, ein Einkaufsviertel voller Leuchtreklame und Elektroshops. Alt und Neu – das ist für Japaner kein Widerspruch, sondern Teil einer Entwicklung. Es gilt, die Vorteile beider Welten zu vereinen, das Beste aus dem Vergangenen und dem Neuen herauszuholen. Eine Art „Kirschblüten-Mantra“ ­quasi.

Zum Wandel gezwungen

„In Westeuropa betrachten die Menschen Künstliche Intelligenz als Konkurrenz, die sie ersetzen soll“, so Rubel. „Japaner dagegen sind Technologien gegenüber weitaus offener. Sie sehen darin einen Freund, der sie tun lässt, was sie ohnehin tun.“ Und das hat auch einen Grund: Der demografische Wandel hat das Land voll im Griff. Während die Menschen in Deutschland im Schnitt 81,1 Jahre alt werden, sind es in Japan noch einmal 2,7 Jahre mehr.

Laut World Bank ist Japan das Land mit der zweithöchsten Lebenserwartung. Gleichzeitig ist die Fertilitätsrate mit 1,44 Kindern je Frau vergleichsweise niedrig. Zum Vergleich: In Deutschland sind es immerhin 1,5 Kinder pro Frau.

„Was soll ein Land tun, das einerseits immer weniger Arbeitnehmer hat, andererseits produktiver und effizienter werden will?“, fragt der seit über zehn Jahren in Tokio lebende Fabian Hoshino von Les Mills, einem Entwickler und Vermarkter von Fitnessprogrammen. „Eine Option wären mehr Ausländer. Das aber möchten Re­gierung und weite Teile der Bevölkerung nicht. Aktuell sind gerade einmal 1,2 Prozent der 127 Millionen Menschen in diesem Land Nichtjapaner“, so Hoshino.

Teil 1: Digitalisierung in Japan

Teil 2: Olympische Spiele 2020 in Tokio

Teil 3: Japan: Nachhaltiges Wirtschaften

Das interessiert andere Leser

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis

Was Unternehmer wissen müssen

DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis

Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick

Das interessiert andere Leser