Das neue Print

Die Eversfrank Gruppe setzt auf Big Data in der Drucktechnik

Frank Kohrs, Chef der Eversfrank Gruppe, blickt optimistisch in die Zukunft. Überraschend? Nein. Insbesondere Big Data biete Chancen.

Auf Masse: Digitaldruck erlaubt Auflagen im groß­industriellen Ausmaß.

Auf Masse: Digitaldruck erlaubt Auflagen im groß­industriellen Ausmaß (Foto: Getty Images/narvikk)

Print ist tot? Mitnichten. Drucktechnik ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass Print fast genauso individuell sein kann, wie es die Menschen von den digitalen Medien kennen. Den Beweis will die Eversfrank Gruppe antreten, die massiv in den Aufbau ihrer Digitaldruck-Kapazitäten investiert hat. Im ­Dezember 2017 nahm sie als erstes deutsches Unternehmen eine hochmoderne Druckmaschine des Modells „Océ ProStream 1000“ von Canon in Betrieb. Per Digitaldruck, verrät Eversfrank-Chef Frank Kohrs, lassen sich großindustrielle Mengen herstellen.

DUB-UNTERNEMER-Magazin: Wie müssen tradierte Branchen agieren, um den Wandel voranzutreiben?

Frank Kohrs: Wir haben in Deutschland das Problem, dass wir uns von der Digitalisierung bedroht fühlen. Die Druckbranche ist dafür das perfekte Beispiel: Wie häufig höre ich, dass das Printmedium von den digitalen Medien verdrängt wird. Diese negativen Ansichten resultieren aus Angst vor Veränderung, aber davon dürfen wir uns nicht den Mut nehmen lassen. Wenn man richtig reagiert, entwickeln sich Chancen daraus. China ist uns diesbezüglich in einem entscheidenden Schritt voraus: Dort gibt es viele Unternehmen und Menschen, die mutig sind und eine starke Vorstellungskraft haben. Wir haben in Deutschland eine hohe Industriekompetenz, die geprägt ist von starken Marken. Aber wir nutzen das Potenzial, diese Industriekompetenz auch mit Datenkompetenz zu verbinden, noch nicht komplett. Mit den neuen Möglichkeiten, die uns zum Beispiel der Digitaldruck eröffnet, arbeiten wir in der Eversfrank Gruppe genau an diesem Thema.

Welcher digitale Megatrend wird Ihr Umfeld am stärksten verändern und warum?

Kohrs: Eindeutig Big Data. Das ist bei uns keine Zukunftsvision mehr, sondern bereits in das alltägliche Geschäft integriert. Tausende von Daten aus dem Web ermöglichen uns, Print intelligent weiterzuentwickeln. Dank Big Data können wir Druckprodukte wie Kataloge, Magazine oder Mailings auf die individuellen Interessen des Rezipienten zuschneiden. Dabei geht es nicht nur das Einfügen des Namens auf dem Titelblatt, sondern um die Inhalte. Beruhend auf dem Prinzip des Empfehlungsmarketings werden genau die Produkte, Themen oder Anzeigen eingesteuert, die den Rezipienten interessieren. Das steigert die Relevanz des Printprodukts und somit dessen Effizienz.

Welche Chancen birgt die Transformation?

Kohrs: Wie viele andere Industriezweige hat sich die Druckbranche in den letzten Jahren sehr stark verändert – vielleicht sogar so stark wie kein anderer. Sie wird von einigen ja schon tot geglaubt. Das stimmt so nicht. Kundenanforderungen sterben nicht, sie verändern sich nur. Altbewährtes wie große Auflagen wurden im Zuge der Digitalisierung infrage gestellt. Ein einst 200-seitiger Jahreskatalog kann jetzt in einer öfter erscheinenden Auflage mit personalisierten Inhalten gezielter Konsumenten erreichen. Und würde ein individualisiertes Mailing ein breit gefächertes Streuprodukt nicht ideal ergänzen? Kataloge oder Mailings, die mich zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit der richtigen Botschaft erreichen, landen nicht so schnell im Müll. Print ist zudem zum Aushängeschild geworden. Die Produkte werden hochwertiger und ergänzen andere Kanäle, die dann breiter und tiefer informieren.

Wo und wie setzen Sie bereits auf Künstliche Intelligenz beziehungsweise wo sehen Sie Potenziale?

Kohrs: Wenn ich durch unsere Hallen laufe, sehe ich in erster Linie Menschen, welche die Maschinen führen. Ohne menschliche Intelligenz geht es bei uns noch nicht. Aber: Durch die stetige Professionalisierung und die Weiterentwicklung der Druckmaschinen muss sich der Mensch heutzutage schnell an die neuen technologischen Fortschritte und Möglichkeiten anpassen. Das wird sich in Zukunft noch weiter verstärken und lässt Mensch und Maschine immer weiter zusammenwachsen.

Teil 1: Die Eversfrank Gruppe setzt auf Big Data in der Drucktechnik

Teil 2: Echter Mehrwert für Kunden dank smarter Lösungen

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