Exklusiv-Interview: „Agilität ist der Schlüssel“

Dorothee Bär über Vorteile der Digitalisierung

Wird das die überzeugten Selbstfahrer umstimmen?

Bär: Davon bin ich überzeugt, die Vorteile liegen doch auf der Hand. Das digital vernetzte Auto kennt immer die schnellste Route, nie mehr im Leben muss jemand einen Parkplatz suchen und dabei unnötig Energie verbrauchen. Das befürworten auch diejenigen, denen die Bewahrung der Schöpfung und Umwelt wichtig ist. Wenn ich selbst mal eine Utopie entwerfen soll: Mein Wunsch wäre es, in einer Eins-zu-eins-Beziehung zu jedem Bürger zu stehen und aufgrund von Merkmalen wie Geschlecht, Alter, Gesundheitszustand, Wohnort und Familienstand runterdeklinieren zu können, welche Vorteile sie oder er durchs autonome Fahren und durch die Digitalisierung allgemein hätte. Ganz grundsätzlich: Diejenigen, die im Leben nicht auf der Sonnenseite stehen und etwa durch eine Behinderung eingeschränkt sind, zählen zu den größten Fans der Digitalisierung. Ebenso verhält es sich mit chronisch Kranken: Sie verfolgen weltweit jede Innovation in ihrem Bereich, können Menschen mit gleichem Schicksal viel leichter finden und sich mit ihnen austauschen. Sie lieben die Digitalisierung. Der normale gesunde Bürger hat dagegen vorrangig Angst ...

… die sich ja oft um den Datenschutz dreht. Bekommt man diesen Punkt in absehbarer Zeit in den Griff?

Bär: Meiner Meinung nach sind wir da auf einem guten Weg. Wir verfügen in Deutschland über viele innovative kleine und mittelständische Unternehmen, die sich mit dem Thema Datenverschlüsselung beschäftigen und wegen der entsprechenden Software-Entwicklung weltweit gefragt sind. Das ist vielleicht ein positiver Nebeneffekt dessen, dass wir Deutschen bei dem Thema Daten sehr skeptisch und eher misstrauisch sind. Wir müssen aber an dieser Stelle auch betonen: Zu 100 Prozent kann man nicht alles im Griff haben. Auch und gerade im analogen Bereich nicht.

Ihr Aufruf: mehr Praxis, weniger Theorie?

Bär: Ja. Für diese Dinge haben die Amerikaner ganz handfeste Sprüche. Zum Beispiel „Done is better than perfect“ – der trifft die Sache gut. Wir hatten gerade einige junge Leute für mehrere Wochen bei uns im Haus, die an Webprojekten für den Zoll und für unser digitales Bürgerportal gearbeitet haben. Darunter waren nicht nur Tekkies, sondern auch Studenten der Psychologie und Politikwissenschaften. Die waren mit Feuereifer dabei und fanden klasse, dass sie bei uns mal die deutsche Verwaltung kennenlernen konnten. Dieses gegenseitige Verständnis ist wichtig.

Was wird Ihres Erachtens für jüngere Menschen in Zukunft die größte Herausforderung sein?

Bär: Das Wichtigste ist, offen und neugierig zu bleiben. Der Mensch hat Eiszeiten, Kriege und Revolutionen überstanden. Wir in unserer Komfortzone tun immer so, als ob wir in einer wahnsinnig gefährlichen Welt leben. Dieser Kulturpessimismus behindert uns nachhaltig. Wir brauchen ein Umdenken. Dazu passt mein Lieblingszitat von Sheryl Sandberg: „What would you do if you weren’t afraid?“ Es ist genau dieser Hunger, Grenzen zu testen, sich aus der Komfortzone zu bewegen, das Unvorstellbare zu wagen, den wir brauchen. Angst entsteht meist, wenn wir uns jenseits der bekannten Grenzen bewegen, denn dort wartet das Ungewisse – dort entsteht aber auch die Zukunft, deswegen müssen wir dorthin.

Angstfreiheit als Chance?

Bär: Genau. Wir sollten den jungen Menschen das Vertrauen mitgeben, dass wir im Grunde alles schaffen können. Das Einzige, was wir dafür brauchen ist das Wollen, die Leidenschaft und Dankbarkeit, in einer spannenden Zeit zu leben, in der wir dieses Zukunfts­projekt mitentwickeln dürfen. Ich habe drei kleine Kinder. Ich weiß jetzt schon, dass keines von ihnen mal in einem Beruf arbeiten wird, den es heute schon gibt. Macht mir das Angst? Nein, ich finde das auf­regend. Ich beneide sie sogar darum.

Teil 1: Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitales

Teil 2: Flugtaxis als digitales Leuchtturmprojekt?

Teil 3: Dorothee Bär über Vorteile der Digitalisierung

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