Urbane Visionen

Smart City-Ideen bei Daimler

Marianne Reeb arbeitet bei Daimler in der Forschungsabteilung „PIONEERING NeXt“. Die Themenschwerpunkte der Professorin sind Trendforschung, strategische Marketingforschung, künftige Lebensstile und Kundenbedürf­niss, die auch hier zur Sprache kommen.

Smartes Stuttgart: So sieht Marianne Reeb die Stadt in knapp 20 Jahren – leise, emissionsfrei, digital, autonom

Smartes Stuttgart: So sieht Marianne Reeb die Stadt in knapp 20 Jahren – leise, emissionsfrei, digital, autonom (Foto: PR)

Mehr und mehr Menschen leben in Städten. Schon heute sind es weltweit über 50 Prozent. Was bedeutet das für die Lebensqualität der Einwohner? Wie wird künftig der Verkehr bewältigt? Wird das private Auto zum Luxusgut? Werden die Menschen es stehen lassen und stattdessen autonome Robo-Taxis nutzen? Schweben Gondeln über Wohnviertel und Straßenkreuzungen hinweg? Lassen sich ­wohlhabende Städter mit drohnenartigen Aircoptern zu ihrem Arbeitsplatz fliegen? Welcher Teil des Verkehrs ist unter der Erde besser aufgehoben? Mit solchen Fragen befasst sich Marianne Reeb. Die Professorin arbeitet bei Daimler in der Forschungsabteilung „PIONEERING NeXt“. Für Reeb ist – beruflich gesehen – die Gegenwart Vergangenheit, die Zukunft längst Tagesgeschäft. Die Expertin erklärt, warum es immer mehr Menschen in Städte zieht.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Alle reden von der Smart City. Gibt es irgendwo bereits eine?

Marianne Reeb: Nein, zumindest nicht der Definition nach. Eine Smart City sollte emissionsfrei und voll vernetzt sein. Sie hat auf jeden Fall andere Autos als heute, viele fahren autonom. Staus sollte es nicht mehr geben.

Ihr Unternehmen zeigte passend dazu kürzlich ein Konzept, den „Vision Urbanetic“.

Reeb: Ja, das Fahrzeug kann sowohl als People-Mover für bis zu zwölf Personen als auch als Cargo-Van eingesetzt werden. In beiden Fällen ist es leise, emissionsfrei und autonom. Um ihn vom Bus zum Transporter umzubauen, braucht es nur wenige Minu­ten. Die komplette Personenkabine wird einfach gegen einen Kastenaufbau getauscht.

Auf Ihrer bildlichen Vision, die Stuttgart im Jahr 2036 zeigt, schweben Gondeln. Welche Vorteile besitzen diese?

Reeb: Sie lassen sich relativ schnell und kostengünstig bauen. Der Aufwand ist geringer als bei einer U-Bahn. Ein weiteres Plus: Das System verbraucht wenig Verkehrsfläche. Wir hatten kürzlich eine Unterhaltung mit einem der weltgrößten Seilbahnbauer. Dort denkt man mehr und mehr über urbane Lösungen wie diese nach.

Bleiben wir in der Luft. Bevölkern Aircopter-Taxis und Transport-Drohnen eines Tages den Himmel?

Reeb: Nein, das Wort „bevölkern“ ist hierfür das falsche. Denn das würde bedeuten, dass ein erheb­licher Prozentsatz des Verkehrs über unseren Köpfen stattfände. Überlegen Sie sich, wie das wäre, wenn wir nur von 20 Prozent sprächen – für viele Menschen wäre das sicher keine wünschenswerte Vision von ihrem künftigen Leben in der Stadt.

Teil 1: Smart City-Ideen bei Daimler

Teil 2: Emissionsfrei und voll vernetzt

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