Bedingt gesund

Digitalisierung der Arbeitswelt erhöht den Stress

Digitale Tools am Arbeitsplatz verbessern die Befindlichkeit, können aber auch zu Überlastung führen. Eine Studie der Universität St. Gallen zeigt Chancen und Risiken auf.

Digitale Überlastung: Gerade jüngere Arbeitnehmer sehen negative Folgen der Digitalisierung

Digitale Überlastung: Gerade jüngere Arbeitnehmer sehen negative Folgen der Digitalisierung

Smartphone, Tablet, Apps – für die meisten Berufstätigen ist die Digitalisierung am Arbeitsplatz längst Alltag. Doch welche gesundheitlichen Folgen hat das? Diese Frage greift die Studie „Digital arbeiten und gesund leben“ der Universität St. Gallen im Auftrag der BARMER auf. Die wohl wichtigste Erkenntnis: Digitale Technik kann die Zufriedenheit und Gesundheit stärken – aber nur wenn ein ­maßvoller Umgang gepflegt wird.

Flexible Arbeitszeit als Chance

Digitalisierung begünstigt die flexible Einteilung von Arbeitszeit und -ort. 46 Prozent der Befragten können ihren Job zumindest teilweise frei einteilen. Rund ein Viertel hat die Möglichkeit, im Homeoffice tätig zu sein. Das wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus: Emotionale Erschöpfung, Stress und Schlafprobleme werden reduziert, während sich das subjektive Gesundheitsempfinden und die Arbeitsfähigkeit erhöhen. Weiterer Vorteil: Beschäftigte mit flexiblen Arbeitszeitvereinbarungen kommen seltener krank zur Arbeit. Präsentismus ist bei ihnen damit ein deutlich geringeres Problem.

Stress durch Technologie

„Technik am Arbeitsplatz bringt aber nicht nur Vorteile mit sich: 15 Prozent der Arbeitnehmer fühlen sich durch die schiere Informationsmenge, den technologischen Anpassungsdruck und das stetige Kommunikationsrauschen digital überlastet“, sagt Professor Stephan Böhm von der Uni St. Gallen. Auffällig ist, dass dies besonders Jüngere beklagen (siehe Grafik). Knapp 20 Prozent der unter 40-Jährigen geben an, aufgrund von Technologie das Gefühl zu haben, schneller arbeiten zu müssen. Digitale Überlastung am Arbeitsplatz hat einen signifikanten Einfluss auf emotionale Erschöpfung – 26 Prozent der Befragten fühlen sich nervös und gestresst. Ein weiteres Risiko: Die Grenze zwischen Arbeit und Privatem verschwimmt. Noch einmal kurz zu Hause während des Feierabends die E-Mails checken? Für 44 Prozent der Beschäftigten ist das völlig normal. Konflikte zwischen Arbeit und Familie nehmen dadurch zu.

Digitaler Überlastung vorbeugen

Die Studie zeigt, wie wichtig klare Spielregeln im Umgang mit digitaler Technik sind. So können ­Vorgesetzte beispielsweise klar kommunizieren, dass der Blick in die E-Mails und eine schnelle Reaktion darauf nach Feierabend nicht erwartet wird. Des Weiteren reduzieren Faktoren wie eine hohe Entscheidungsautonomie, gezielte Stärkenorientierung und faire Aufstiegschancen den Effekt digitaler Überlastung auf die Arbeits- und damit auch die Lebenszufriedenheit.

Details zur Studie „Digital arbeiten und gesund leben“ der Universität St. Gallen im Auftrag der BARMER finden Sie hier: barmer.de/studie-digitalisierung.

Teil 1: Digitalisierung: So beugen Unternehmen Gesundheitsrisiken vor

Teil 2: Digitalisierung der Arbeitswelt erhöht den Stress

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