Vordenker Software: „Eine Behörde ist Kein Start-up”

E-Government und Datenschutz

Der Deutsche gilt gemeinhin als Bedenkenträger in Sachen Datenschutz. Wie offen sind die Bundesbürger gegenüber E-Government-Lösungen?

Behrens-Carlsson: Spätestens seit Inkrafttreten der DSGVO sollte sich jeder Deutsche mindestens einmal kritisch damit auseinandergesetzt haben, was personenbezogene Daten sind, mit wem er diese teilen möchte und mit wem nicht. Gerade Letzteres führte zu einer spürbaren Veränderung im Denken und es führte stellenweise auch zu einem höheren Bewusstsein beim Teilen persönlicher Informationen. Unternehmen erhalten vermehrt Datenschutzanfragen oder Löschanträge von Kunden; viele Website-Betreiber nutzen Cookies jetzt nicht mehr heimlich, sondern kündigen dies mit großen Bannern ihren Usern an. Zugleich lässt sich ein – nicht unbedingt logischen Gesetzen folgendes –Auseinanderklaffen der Daten-Awareness bei den Bürgern beobachten. Während Online-Shops oder Dienstleister stapelweise Betroffenenanfragen beantworten, teilen dieselben Personen weiterhin unbesorgt persönliche Informationen in sozialen Netzwerken. Es ist kaum verständlich, warum jemand seinem Stamm-Online-Shop mit deutschen Servern plötzlich misstraut, aber gleichzeitig auf EU-fremden Servern intime Informationen teilt. Ein ähnliches Misstrauen lässt sich gegenüber der Datenabfrage öffentlicher Behörden beobachten. Diese Differenz muss zunächst durch eine hinreichende Aufklärung der Bürger bezüglich ihrer Rechte und zu Datenschutz und Datensicherheits-Themen durch die Verwaltung behoben werden. Allein auf diese Weise kann digitalen Lösungen in der öffentlichen Verwaltung aufgeschlossen begegnet werden.

Wie lassen sich E-Government-Lösungen so sicher wie möglich gestalten? Welche Rolle kann die Blockchain dabei spielen?

Behrens-Carlsson: Die öffentliche Verwaltung in Deutschland folgt zum jetzigen Stand bereits sehr hohen Sicherheitsstandards. Zwar müssen diese in regelmäßigen Abständen angepasst und, wenn notwendig, auf den neuesten Stand der Technik gebracht werden. Hierfür stehen Bund und Ländern allerdings auch kompetente Berater zur Seite. Blockchain-Technologien sind eine mögliche Ergänzung. So eignet sich beispielsweise die Nutzung von SmartContract für die sichere Vertragsabwicklung im Datenaustausch zwischen Behörden und externen Partnern aus der Privatwirtschaft.

Für die Transformation bedarf es qualifizierter Fachkräfte. Ist die öffentliche Verwaltung als Arbeitgeber attraktiv genug?

Behrens-Carlsson: Die primären Ziele und Werte der Verwaltung sind Zuverlässigkeit und Sicherheit. Ein Arbeitgeber der öffentlichen Verwaltung ist aus diesem Selbstzweck heraus attraktiv. Er bietet einen verlässlichen Arbeitsplatz, Absicherung im Alter und klare Strukturen, die perspektivisch planbar sind. Aber eine Behörde ist eben kein Start-up. Der Vergleich mit Arbeitgebern aus der Start-up-Welt wäre falsch. Diesen wohnt oft bereits bei Gründung die Digitalisierung als Selbstzweck inne. Die öffentliche Verwaltung ist vielmehr ein zuverlässiger Arbeitgeber mit Digitalpotenzial.

Das Unternehmen: Schütze AG wurde 1999 in Berlin gegründet und realisiert seit dem IT-Pro­jekte für die öffentliche Verwaltung und für mittelständische 
Firmen.

Teil 1: Digitalisierung auf Staats- und Verwaltungsebene

Teil 2: E-Government und Datenschutz