Daten verstehen

Automatisierung versus Künstliche Intelligenz

Michael Butz: Der Diplom-Ingenieur und MBA ist Inhaber und CEO der Unternehmensberatung für den Mittelstand MB Consulting
Michael Butz:
Der Diplom-Ingenieur und MBA ist Inhaber und CEO der Unternehmensberatung für den Mittelstand MB Consulting (Foto: PR)

Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen MB Consulting und Pat Adams konkret aus?

Butz: Neben autarken Projekten in Einzelbereichen gibt es Aufgabenstellungen, in denen das Know-how beider Unternehmen eingesetzt wird. Nehmen wir das Thema Big Data und KI-Anwendungen. Hier gibt es festgelegte Rollen, wie zum Beispiel die des System- und Data-Engineers von Pat Adams und die des Data-Analysten und des Data-Scientisten von MB-Consulting. Wichtig ist, dass wir die gleiche Sprache sprechen und Know-how-übergreifende Schulungen durchführen.

Welche Daten in Unternehmen, deren Analyse interessante Schlüsse zulässt, werden noch unterschätzt?

Butz: Zunächst einmal klaffen beim Thema Big Data Definition und Kenntnis noch weit auseinander. Deshalb werden oftmals die fantastischen Möglichkeiten nicht gesehen, die sich Unternehmen bieten, die offen sind für kreative Veränderungen. Bei kleineren Unternehmen zum Beispiel setzen wir im ersten Schritt mit einem Analysetool auf die vorhandene EDV-­Architektur auf. Dabei analysieren wir Prozess- und Leistungsdaten, die in den meisten Fällen in dieser Form vorher nicht existierten. Wir würden dies nicht unbedingt Big Data nennen, aber es ist der Anfang eines Prozesses, der recht schnell Verbesserungspotenziale im Unternehmen aufdeckt. Die Daten kommen in diesen Fällen zu 80 Prozent aus dem Unternehmen und werden dann mit externen Daten – ­beispielsweise Markt-, Sozial- oder Finanzdaten – verglichen.

Sie setzen auch bei der Sanierung von Unternehmen auf Big Data. Welche Daten sind im Sanierungsfall besonders interessant?

Butz: In einer Sanierungsphase geht es kurzfristig immer um eine transparente Darstellung sämtlicher Finanzdaten. Und um eine Verbesserung der Leistungsdaten im Unternehmen, die die Finanzdaten unmittelbar beeinflussen. Die Daten werden mit speziellen Analysetools aufbereitet. Die monetären Ressourcen in einem Sanierungsfall sind naturgemäß sehr eingeschränkt und die meisten Unternehmer haben alles, was sich um das Unternehmen herum entwickelt, ausgeblendet. Dies ist verständlich. Andererseits ist es aber notwendig, sich mit veränderten Geschäftsmodellen, neuen Produkten und neuen Märkten sowie Kooperationsmodellen auseinanderzusetzen. Wir nennen dies die Ambidextrie in der Sanierung. Das bedeutet, sich intensiv mit der Effizienzsteigerung zu befassen, ohne jedoch die disruptive Entwicklung von der Agenda zu streichen.

Wo hört Automatisierung auf und wo fängt KI an?

Butz: Automaten können uns Handgriffe abnehmen und Prozesse erleichtern. Das bedeutet, dass alles, was gedankenlos, aber präzise wiederholt werden muss, zur klassischen Automatisierung gehört. Bei KI handelt es sich um einen Begriff aus der Informatik und Neuro­wissenschaft. Hier geht es darum, Selbstlernprozesse zu entwickeln und Maschinen zu ermöglichen, selbstständig Entscheidungen zu treffen und Prozesse zu verbessern. Dabei versucht man nachzuempfinden, wie ein Mensch denkt und sich intel­ligent verhält. Wichtig dabei: die Menschen nicht vergessen und auch die Unternehmenskultur immer im Fokus behalten.

Wo sehen Sie die Einsatzfelder KI-basierter Lösungen?

Butz: Künstliche Intelligenz ist nicht mehr wegzudenken. Im Gesundheitswesen, in der Steuerung von klimabelastenden Aggregaten, in Unternehmensprozessen, in der Ausbildung, zu Hause, in der Freizeit, in der Umwelt, in volkswirtschaftlichen und politischen Beziehungen, in der Friedenspolitik und, und, und ... Überall kann und wird KI zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen führen. Natürlich werden wir auch vor neue Herausforderungen gestellt. Und nicht jede Idee sollte umgesetzt werden. Hier geht es vor allem um das Wohl, den Schutz und die Autonomie jeder einzelnen Persönlichkeit. Vielleicht werden wir ja von der Regierung einmal beauftragt, mithilfe von KI eine ethische Governance-Architektur für KI-Projekte aufzubauen. Das wäre spannend.

Teil 1: Datenschätze im Mittelstand

Teil 2: Automatisierung versus Künstliche Intelligenz