„Das perfekte Erlebnis”

Zusammenspiel von Künstlicher Intelligenz und Automatisierung

Maschinell Auslesung von Dokumenten erleichtert die tägliche Arbeit im Bereich Supply-Chain und Bewerbermanagement
Maschinell Auslesung von Dokumenten erleichtert die tägliche Arbeit im Bereich Supply-Chain und Bewerbermanagement (Foto: Getty Images/CSA-Archive)

Ein Ergebnis Ihrer Studie: In erster Linie beschäftigt sich das Management mit erhobenen Experience-Daten. Fachkräfte auf operativer Ebene werden kaum eingebunden. Geht so nicht auch Potenzial verloren?

Weißhaar: Wenn Sie Experience-Daten nur selten erheben und dann auch nur auf hoher Managementebene Schlüsse daraus ziehen, bringt das wenig. Wichtig ist es, zum Beispiel im Bereich Supply-Chain oder beim Bewerbermanagement täglich jede einzelne Interaktion zu vermessen, um den Prozess jeden Tag ein Stück besser zu machen. Eine gute Experience kommt also nur zustande, wenn Sie die Daten den Fachabteilungen zur Verfügung stellen.

Welche Verwaltungstätigkeiten in Unternehmen sind bereits heute problemlos automatisierbar?

Weißhaar: Der Rechnungseingang zum Beispiel. Mit technischer Hilfe lassen sich Inhalte von Dokumenten auslesen und die Summen automatisiert in der Buchhaltung verbuchen. Auch im Personalwesen ist viel möglich. Sie können Lebensläufe maschinell auslesen, um die Kandidaten auszusortieren, die nicht zum Job passen. Es gibt Zeugnisgeneratoren, die aus ein wenig Input ein Zeugnis erstellen. Die Österreichische Bundesbahn beispielsweise verwaltet mit uns 580.000 Personalakten und generiert 300.000 Dokumente im Jahr. Das wäre ohne Automatisierung nicht möglich.

Oder zumindest nur mit extrem großem Personalaufwand ... Wo hört Automatisierung eigentlich auf, und wo fängt Künstliche Intelligenz an?

Weißhaar: Das greift ineinander. Wenn Sie zum Beispiel Rechnungen auslesen, ist das in Deutschland sehr einfach über regelbasierte Systeme möglich, da eine deutsche Rechnung immer nach DIN geschrieben ist. Wenn Sie aber eine Rechnung aus der Türkei, den USA, England oder Russland bekommen, kommen Sie mit der DIN nicht weit. Und dann ist es mit Muster- und Rahmenerkennung auch nicht getan. In dem Fall brauchen Sie Künstliche Intelligenz, die Felder auslesen und interpretieren kann.

Sie haben kürzlich eine Stiftungsprofessur für Angewandte KI an der Hochschule Ruhr West in Mülheim vergeben. Was erhoffen Sie sich davon?

Weißhaar: Wenn der Digitalisierungsgrad in Unternehmen nicht hoch ist, braucht es Personen, die das vorantreiben. Die Stiftungsprofessur ist eine Möglichkeit, in der Nähe unseres Firmensitzes junge Menschen an das Thema heranzuführen. Zudem gewinnen wir daraus Erkenntnisse in Forschung und Entwicklung. Und die KI-Forschung sollten wir weder den Chinesen noch den Amerikanern überlassen.

Teil 1: Experience-Management: Feedback in Echtzeit

Teil 2: Zusammenspiel von Künstlicher Intelligenz und Automatisierung