Vordenker Big Data: „Digitalisieren ohne Datenstrategie? Das macht kein Sinn!”

„Maschinenraum für die Digitalisierung”

Thomas Sperrfechter und Michael Fieg kennen sich mit Daten aus. Denn als Gründer des Beratungshauses parsionate haben sie tagtäglich damit zu tun – und unterstützen Unternehmen bei ihrer Digitalisierungsstrategie.

Thomas Sperrfechter ist Gründer und Geschäftsführer der parsionate Group. Er verantwortet die Bereiche Consulting und Systemintegration, Finance und Human Resources sowie Organisation
Thomas Sperrfechter
ist Gründer und Geschäftsführer der parsionate Group. Er verantwortet die Bereiche Consulting und Systemintegration, Finance und Human Resources sowie Organisation (Foto: Philipp Möller/JDB MEDIA)

Daten sind das neue Öl. So sagen etwa die Analysten von Gartner voraus, dass bis 2023 bei 90 Prozent aller mittelgroßen und großen Unternehmen die Geschäftsmodelle von Daten getrieben werden. Allerdings gehen noch längst nicht alle Unternehmen auch entsprechend pfleglich mit diesem wertvollen Schatz um. Thomas Sperrfechter und Michael Fieg sorgen für Ordnung im Daten-Chaos. Die beiden Gründer des Beratungshauses parsionate erklären, welche wichtige Rolle Daten bei der digitalen Transformation spielen.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Sie bezeichnen parsionate als „Maschinenraum für die Digitalisierung“. Was meinen Sie damit?

Michael Fieg: Viele Unternehmen haben ihre Digitalisierungsprogramme quasi im Front-End gestartet. Die Digitalisierung wird oft vom Marketing getrieben. So entstehen Lösungen, die von außen betrachtet – also aus Sicht der Kunden und Geschäftspartner – toll aussehen, aber aufgrund ihrer ungenügenden Einbindung ins Unternehmen nicht richtig funktionieren. Beispiele kennen wir viele: Webshops, die Produktdaten fehlerhaft oder eingeschränkt darstellen, unterschiedliche Profildaten desselben Kunden in verschiedenen Verkaufskanälen oder Angebote, die nicht zum bisherigen Kaufverhalten der Kunden passen. Wir glauben deshalb, dass Digitalisierung ohne fundierte Datenstrategie keinen Sinn macht. Hochwertige Kunden-, Produkt- und Lieferanten­daten ermöglichen intelligentere Entscheidungen und bilden die Grundlage für optimierte Geschäftsprozesse. Es gilt daher, strategisch an den Stellschrauben im Back-End zu drehen, bevor Unternehmensprozesse digital transformiert werden können.

Wie helfen Sie Unternehmen, die Datenqualität zu verbessern?

Thomas Sperrfechter: Die Mitarbeiter unserer Kunden leiden jeden Tag unter fehlenden, unvollständigen oder falschen Daten. Sie verbringen oft mehr Zeit damit, die Datengrundlage für eine Aufgabe herzustellen, als mit der Auswertung der Daten selbst. Unternehmen sind deshalb gut beraten, ihre Daten bereits während der Entstehung konsistent zu halten. Wir vermitteln die Grundlagen des Datenqualitätsmanagements und entwickeln gemeinsam eine unternehmensweite Datenqualitätsstrategie.

Fieg: Zusätzlich zu den technischen Dimensionen evaluieren wir auch die Prozessqualität. Es ist wichtig, System- und Prozessfehler voneinander zu unterscheiden. Die Prozessqualität setzt sich aus den organisatorischen Rahmenbedingungen im Unternehmen und den damit verbundenen Verantwortlichkeiten für die verschiedenen Datendomänen zusammen. Die Prozessreife eines Unternehmens lässt sich an erzielten Automatisierungs­graden und an der organisatorischen Verankerung von Datenqualitätsprozessen erkennen. Darüber hinaus hat Datenqualität zunehmend auch mit Compliance zu tun. Gesetzliche Vorgaben wie die DSGVO sorgen in vielen Unternehmen dafür, dass man sich erstmals mit dem Thema Data-Governance befasst.

Teil 1: „Maschinenraum für die Digitalisierung”

Teil 2: Herausforderungen im Stammdatenmanagement

Teil 3: Querdenker und Innovatoren im Team