Vordenker Big Data: „Digitalisieren ohne Datenstrategie? Das macht kein Sinn!”

Querdenker und Innovatoren im Team

Sie haben eine Akademie für die Weiterbildung Ihrer Mitarbeiter gegründet. Was war der Grund dafür?

Sperrfechter: Ein Markt für qualifizierte Fachkräfte im Bereich Data und Analytics existiert praktisch nicht mehr. Die Nachfrage übersteigt die Verfügbarkeit von Spezialisten um ein Vielfaches. Um gute Fachkräfte zu gewinnen und zu halten, legen wir ein strategisches Augenmerk auf die Ausbildung. Wir versprechen uns von der parsionate Academy eine nachhaltige Perspektive für unsere Mitarbeiter. Der Schwerpunkt liegt also auf der Entwicklung hoch qualifizierter und innovativ-kreativer Experten.

Fieg: Darüber hinaus ermöglichen wir aber auch Kunden den Zugang zu diesen Trainings. Agile Projektmethoden verstärken die Notwendigkeit zur intensiven Zusammenarbeit mit Kunden über das in der klassischen Projektarbeit übliche Maß hinaus. Was läge deshalb näher, als alle Kollegen in unserer Academy auf Augenhöhe gemeinsam auszubilden?

Aus unflexiblen Strukturen und Teams sollen agile Organisationen werden. Welche Hemmnisse bestehen auf dem Weg dorthin?

Fieg: In etablierten Unternehmen wird oft eine absurde Haltung vertreten: Man möchte zwar neue Wege beschreiten, aber alles soll sofort und prozesssicher funktionieren. Unternehmerisch sind Erwartungshaltung und Druck enorm hoch, kurzfristige Erfolge zu schaffen. Dieser Perfektionsanspruch ist oft Gift für die Innovationen, die man sich von agilen Projekten und einer agilen Organisation erwartet. Manche Unternehmenskulturen ersticken die Innovationskraft. Wenn man Mitarbeiter immer wieder darauf konditioniert, keine Fehler zu machen, woher sollen dann Experimentierfreude und die damit verbundene Agilität kommen?

Sperrfechter: Wir glauben, dass es Querdenker und Innovatoren im Team braucht. Da man für den Umgang mit komplexen Fragen ein heterogenes Team benötigt, beschäftigen wir nicht nur Berater für E-Commerce, Omnichannel und Master-Data-Management, sondern auch Systemarchitekten und technische Consultants. So können wir besser mit Veränderungen und Unerwartetem in Kundenprojekten umgehen.

Wie fördern Sie Innovationen in Ihrem Unternehmen?

Sperrfechter: Jeder Mitarbeiter wird durchschnittlich zehn Tage im Jahr freigestellt, um Neues mitzuentwickeln und Prozesse zu optimieren. Coworking-Spaces für den raschen Austausch, Frühstückstreffen mit Präsentationen und eine offene Kommunikation sorgen ebenfalls für ein gutes Innovationsklima.

Wo steht Deutschland im internationalen Vergleich bei der digitalen Transformation?

Fieg: Deutsche Unternehmen sind weiter, als wir meinen. So arbeiten wir mit Festo zusammen, einem Marktführer im Bereich Automatisierung. Das ist eines der bestdigitalisierten Unternehmen, die wir kennen. Man darf Digitalisierung eben nicht nur in Bezug auf die Zusammenarbeit mit den Endkunden betrachten. Man muss auch sehen, wie im Betrieb gearbeitet wird, wie Mitarbeiter informiert, Prozesse dokumentiert werden. In Großunter­nehmen ist die Herausforderung sicher höher, wenn es sieben oder acht Ebenen vom Vorstand bis zum normalen Mitarbeiter gibt. Da dauert es manchmal Jahre, bis sich Strukturen ändern. Der Mittelstand hat da große Vorteile.

Sperrfechter:Vermutlich sind wir Deutschen besser in kontinuierlicher Optimierung als in radikaler Innovation. Aber darin liegt eine Stärke. Wir sind in der Lage, höchste Qualität zu liefern, die uns am Weltmarkt eine starke Position ermöglicht.

Das Unternehmen: Parsionate, gegründet 2013, ist auf die Entwicklung und Umsetzung von Datenstrategien spezialisiert. Hauptsitz des unabhängigen Beratungs­hauses ist Stuttgart. Niederlassungen gibt es in Amsterdam und Hamburg.

Teil 1: „Maschinenraum für die Digitalisierung”

Teil 2: Herausforderungen im Stammdatenmanagement

Teil 3: Querdenker und Innovatoren im Team