Vordenker Big Data: „Digitalisieren ohne Datenstrategie? Das macht kein Sinn!”

Herausforderungen im Stammdatenmanagement

Michael Fieg leitet als Gründer und Geschäftsführer der parsionate Group die Ressorts Vertrieb, Marketing und Produktmanagement
Michael Fieg
leitet als Gründer und Geschäftsführer der parsionate Group die Ressorts Vertrieb, Marketing und Produktmanagement (Foto: Philipp Möller/JDB MEDIA)

Was sind die größten Herausforderungen, die Unternehmen beim Stammdatenmanagement bewältigen müssen?

Sperrfechter: Erstens die Tatsache, dass viele Lösungen zur Datenverwaltung historisch gewachsen sind. Oft wissen Unternehmen nicht, wo welche Daten generiert werden, wer sie nutzt oder ob sie qualitativ hochwertig und homogen sind. Bevor ein zentrales, wirtschaftlich effizientes Stammdatenmanagement implementiert werden kann, sind intensive Analysen nötig. Bei der Projektierung eines Master-Data-Managements betrachten wir die Organisation, Prozesse, Datenflüsse und Anforderungen abteilungsübergreifend. Anschließend leiten wir Handlungsempfehlungen ab. Die zweite große Herausforderung sind die Mitarbeiter. Wo Systeme historisch gewachsen sind, treffen wir auf eingespielte und fest verwachsene Prozesse. Ändern sich Geschäftsprozesse, weil man beispielsweise den Automatisierungsgrad der Datenbearbeitung erhöhen möchte, tun sich Mitarbeiter schwer, diese zu verinnerlichen. Wir arbeiten mit unseren Teams daher interdisziplinär und organisationsweit. Denn das frühe Abholen aller Beteiligten in den Fachabteilungen schafft eine höhere Akzeptanz gegenüber dem Change-Prozess.

Wie gehen Sie ein solches Projekt in der Regel an?

Sperrfechter: Wichtig sind dabei drei Dinge: die Mitarbeiter, die Daten und die Methode.

Fieg: In den vergangenen Jahren sind neue Rollen entstanden, um eine Brücke zwischen einzelnen Unternehmensbereichen, aber auch zu externen Partnern wie Lieferanten und Kunden zu schlagen. Sogenannte Data-Stewards, Business-Analysts, Data-Architects oder Data-Owner sind oft nicht einzelnen Abteilungen zuzuordnen – eben, weil sie interdisziplinäre Aufgaben haben. Der Rolle des Data-­Stewards entsprechen zum Beispiel Mitarbeiter, deren Hauptaufgabe es ist, die Informationsqualität und die Einhaltung von Informationsprozessen im Unternehmen zu überwachen und zu optimieren. Laut den Analysten von Gartner beschäftigten im vergangenen Jahr 32 Prozent der Unternehmen Data-Stewards, 2020 sollten es bereits 71 Prozent sein.

Sperrfechter: Wir werfen einen Blick auf die gesamte Organisation. Wie könnten Daten organisiert werden? Wo können Teams zentral Services bereitstellen, und wo machen lokale Einheiten Sinn? Meist geht es darum, ein umfassendes Metadaten-Modell zu entwickeln. Welche Systeme enthalten heute dieselben Informationen? Wie können diese ausgetauscht werden? Wie werden die Daten akkurat und konsistent, und wie können sie anderen verfügbar gemacht werden? Dann kommt die Methode ins Spiel. Hier orientieren wir uns an einem Sieben-Stufen-Modell, das von der Vision über Strategie, Messbarkeit, Governance, Teams, Prozesse bis hin zur IT-Infrastruktur reicht.

Teil 1: „Maschinenraum für die Digitalisierung”

Teil 2: Herausforderungen im Stammdatenmanagement

Teil 3: Querdenker und Innovatoren im Team