Vordenker Künstliche Intelligenz: Keine Angst vorm weißen Blatt

Kreative Künstliche Intelligenz

Bisher waren Chatbots nicht gerade für ihre Kreativität bekannt. Mit Sigmund ist das anders. Der Bot unterstützt, wenn sich das Papier gerade mal nicht füllen lassen will.

Marc Süß (l.) hat Medien­design und Innovationsmanagement studiert. Michael Schmitt ist Inge­nieur und hat einen Master in Marketing und Innovation
Marc Süß (l.) hat Medien­design und Innovationsmanagement studiert. Michael Schmitt ist Inge­nieur und hat einen Master in Marketing und Innovation (Foto: Philipp Möller/JDB MEDIA)

Das weiße Blatt Papier. Fast schon provozierend liegt es auf dem Schreibtisch – und will sich einfach nicht füllen. Nicht mit Worten, erst recht nicht mit Ideen. Dabei müsste das Konzept längst abgegeben, der Text für den Kunden längst geschrieben sein. Stattdessen: Leere. Schreibblockade. Damit ist bald Schluss – wenn es nach Sigmund geht.

Sigmund ist der neue virtuelle Assistent für all jene, die in kurzer Zeit viele Inhalte für unterschiedliche Formate produzieren müssen: Blogger, Marketer, Unternehmenskommunikatoren. Sigmund ist jedoch kein Mensch. Sigmund ist ein Chatbot. Ein Worte-Versteher. Ein Inhalte-Entwickler. Ein Konzepte-Macher.

Entwickelt wurde Sigmund von Marc Süß und Michael Schmitt vom Hamburger Design- und Innovationsunternehmen Gravitales. Süß ist Kreativkopf, Schmitt Technologieprofi. Beide halten ihre Idee, Künstliche Intelligenz in Schreibprozessen einzusetzen, für so vielversprechend, dass sie 2018 das Start-up SIGMUND TALKS gegründet haben – und konzentrieren sich mit drei weiteren Mitarbeitern nur noch darauf.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Was hat der Welt gefehlt, bevor es SIGMUND TALKS gab?

Marc Süß: Ich würde es eher so formulieren: Womit hat die Welt gekämpft? Mit dem weißen Blatt Papier! In Verlagen, in der Unternehmenskommunikation oder im Marketing müssen täglich immer mehr Texte in immer mehr Formaten produziert werden. Gleichzeitig werden die Teams kleiner. Da kommt Sigmund als virtueller Partner ins Spiel und unterstützt mit Inhalten, aber auch mit ganzen Konzepten.

Sigmund nimmt also Arbeit ab?

Süß: Nein, Sigmund ist ein kreativer Sparringspartner. Er unterstützt bei Schreibprozessen und macht seine Partner somit schneller und effektiver.

Wie funktioniert das?

Michael Schmitt: Messenger-Dienste erfreuen sich großer Beliebtheit. Mittlerweile chattet fast jeder von uns regelmäßig. So ähnlich läuft das mit Sigmund: Ich chatte mit ihm. Am Anfang fragt er kurz ab: Was ist das Thema? Welches Format? Für welche Zielgruppe? Dann fängt Sigmund an zu arbeiten. Er erstellt ein Konzept, macht Vorschläge für den Einstieg, entwickelt den roten Faden, textet einzelne Passagen, gestaltet Designbausteine – was auch immer ich gerade brauche.

Sigmund ist ein sehr konkretes Beispiel für die Anwendung von Künstlicher Intelligenz im Arbeitsalltag. Wie lernt er seinen Job?

Süß: Wir arbeiten kundengetrieben. Welche Formate sind gewünscht? Aktuell steht vielfach der Blog im Fokus. Damit hat Sigmund begonnen. Seit Jahresbeginn läuft eine geschlossene Testphase. Darin lernt Sigmund von den Bloggern, die mit ihm arbeiten. Das gilt für Sprache, Stil und Tonalität genauso wie für Aufbau, Struktur und Design.

Wann startet Sigmund richtig durch?

Schmitt: Sigmund lernt derzeit in hohem Tempo dazu. Kürzlich sind wir offiziell gestartet – mit einer ersten Version für Blogger. Es folgen Formate für Teams im Marketing, in der Unternehmenskommunikation und in Verlagen.

Das Unternehmen: Das Hamburger Start-up Sigmund Talks hat einen Chatbot entwickelt, der Inhalte fürs Content-Marketing automatisiert erstellt.