Ganz anders als gedacht

Die grüne Stadt für Gründer

Grau und trist ist die einstige Bergbaustadt Essen nicht. Im Gegenteil: Essen ist laut Statistischem Bundesamt die grünste Stadt Nordrhein-Westfalens. Und inzwischen ein Hotspot für Gründer und Touristen. Den Wandel der Stadt treiben engagierte Akteure wie die Messe Essen.

Andre Boschem (EWG), Oliver P. Kuhrt (Messe Essen), Oberbürgermeister Thomas Kufen und Richard Röhrhoff (EMG)
Treiben den Wandel in Essen (v. l.):
Andre Boschem (EWG), Oliver P. Kuhrt (Messe Essen), Oberbürgermeister Thomas Kufen und Richard Röhrhoff (EMG) (Foto: Michael Luebke)

Bunt, jung, modern: So präsentiert sich die Metropolregion Rhein-Ruhr. Wären da nicht die Zechen und Fördertürme, könnte man meinen, die Montanindustrie hätte das tägliche Leben im Ruhrgebiet nicht 200 Jahre lang maßgeblich mitbestimmt. Denn inzwischen geben andere den Ton an: Fast unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit hat sich die Region zum zweitwichtigsten Standort für Gründer gemausert. Laut „Deutschem Startup Monitor 2018“ haben dort 11,2 Prozent aller Jungunternehmen ihren Sitz. Zum Vergleich: In Berlin sind es 15,8, in Hamburg nur 7,2 Prozent.

Besonders im Fokus: Essen, gemessen an der Einwohnerzahl nach Dortmund die zweitgrößte Stadt des Ruhrgebiets. Die Zeche Zollverein, die bis 1986 Kohle förderte, ist heute Unesco-Weltkulturerbe und das bekannteste Wahrzeichen der Stadt. Und die Zeche ist zur zentralen Anlaufstelle für Gründer geworden. 100 Unternehmen sitzen im ZukunftsZentrumZollverein – darunter Woodcessories, ein Anbieter von nachhaltigem Smartphone-Zubehör aus Holz, und Rheingarnelen, ein Züchter von Garnelen für Aquarien. Damit steht das Gelände der Zeche sinnbildlich für den wirtschaftlichen und kulturellen Wandel im drittgrößten Ballungsraum Europas.

Mehr als ein Buzzword

Strukturwandel – das ist in Essen kein leeres Schlagwort. „Ich habe den Eindruck, dass sich das Bild der Stadt langsam verändert“, sagt Oberbürgermeister Thomas Kufen. „Im Jahr der Grünen Hauptstadt Europas 2017 bin ich vielen Menschen aus ganz Deutschland begegnet, die positiv überrascht waren, wie grün Essen ist.“

Und auch in Europa hat sich das schon herumgesprochen, nicht zuletzt aufgrund des Emscher-Umbaus. Seit 1992 wird der Fluss, in den die Abwässer aus den Bergwerken geleitet wurden, renaturiert. 2020 soll der Prozess abgeschlossen sein.

„Mir ist besonders wichtig, dass auch die Essener stolz auf den Wandlungsprozess und die Wandlungsfähigkeit ihrer Stadt sind“, sagt Kufen. Tatsächlich ist die Entwicklung der Ruhrmetropole nachhaltig. „Wir sind die ­grünste Stadt in Nordrhein-Westfalen, Gesundheitsstandort Nummer eins, Kulturhauptstadt, Wirtschafts-, Universitäts- und Messestandort“, zählt Kufen auf.

Teil 1: Die grüne Stadt für Gründer

Teil 2: Messestandort Essen