Ganz anders als gedacht

Messestandort Essen

Grüne Oase: Der Gruga­park wurde 1929 für die 1. Große Ruhrländische Gartenaus­stellung angelegt
Grüne Oase:
Der Gruga­park wurde 1929 für die 1. Große Ruhrländische Gartenaus­stellung angelegt (Foto: Peter Prengel - Stadtbildstelle Essen/ MESSE ESSEN GmbH)

Das nach außen zu tragen ist die Aufgabe des ­Koordinationskreises Stadtmarketing. Eines der Mitglieder: die Messe Essen. Sie wird noch in diesem Jahr den Umbau zu einem der modernsten Messegelände Deutschlands im geplanten Kosten- und Zeitrahmen fertigstellen. Das Glasfoyer ist Essens neue Landmarke. Die architektonische Öffnung zum benachbarten Grugapark, dem ehemaligen Gelände der Bundesgartenschau, macht Besuchern klar: Mit dem einst staubigen Image von Kohle und Stahl hat die Stadt heute wenig gemein.

Botschafter für die Stadt

„Als Messeplatz kommt uns eine entscheidende Rolle im Standortmarketing zu“, sagt Messe-Geschäftsführer Oliver P. Kuhrt. Rund 1,4 Millionen Menschen reisen pro Jahr zu einer Messe nach Essen. Hinzu kommen die internationalen Ableger wie die Schweißfachmesse „Beijing Essen Welding & Cutting“ in Schanghai. Sie sollen Teilnehmer zum Besuch der Leitmesse in Essen motivieren.

„Hier angekommen, möchten sich Aussteller und Besucher nicht nur auf dem Messegelände, sondern in der ganzen Stadt willkommen fühlen“, sagt Kuhrt. „Das betrifft Hotellerie und Gastronomie, aber auch kulturelle Angebote und Kontakte zur regionalen Wirtschaft.“ Und da kommen Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung ins Spiel.

„Unsere Stadt besitzt enormes Potenzial, muss allerdings noch lernen, aus der Summe ihrer Besonderheiten Kapital zu schlagen“, sagt Richard Röhr- hoff, Geschäftsführer der Essen Marketinggesellschaft (EMG). Das Interesse am Reiseziel Essen wächst jedenfalls stetig: Im vergangenen Jahr kamen so viele Touristen wie nie zuvor. 1,6 Millionen Übernachtungen wurden gezählt. Das waren 8,2 Prozent mehr als im Jahr 2017.

Wirtschaftlich breit aufgestellt

Neben Touristen steht eine weitere Zielgruppe im ­Fokus: die Wirtschaft. Essen ist unter anderem Sitz der Zentralen der Dax-Konzerne E.ON, RWE und Thyssenkrupp sowie der MDax-Unternehmen Evonik, Brenntag, Hochtief und Innogy. „Auch für Start-ups ist aus meiner Sicht Substanz vorhanden. Sie finden hier ein gutes Umfeld aufgrund einer Vielzahl potenzieller Kunden“, sagt Andre Boschem, Geschäftsführer der Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft (EWG).

Gemeinsam mit der EMG hat er die Kampagne „Essen begeistert“ gestartet. „Ziel ist zum einen die Steigerung der Gästezahlen“, erklärt Boschem. „Aber zum anderen wollen wir das Image der Stadt bei potenziellen Neubürgern wie Unternehmern, Fachkräften und Studenten verbessern.“ Die Stadt Essen wird auch weiterhin eng mit der Geschichte von Kohle und Stahl verknüpft sein. Doch niemand soll mehr an eine graue, triste Industriehochburg denken, wenn er den Namen Essen hört. Denn die Weichen in Richtung Zukunft sind längst gestellt.

Teil 1: Die grüne Stadt für Gründer

Teil 2: Messestandort Essen