Spezial E-Health: Nahtlos vernetzt

Zukunft der Medientechnik

Dräger steht für Sicherheits- und Medizintechnik – seit 130 Jahren. Jens Altmann, Leiter des Segment- und Produktmanagements Hospital, über neue Standards.

Jens Altmann ist seit 22 Jahren bei Dräger tätig und leitet den Bereich Segment- und Produktmanagement Hospital.
Jens Altmann
ist seit 22 Jahren bei Dräger tätig und leitet den Bereich Segment- und Produktmanagement Hospital (Foto: PR)

Ergonomische Arbeitsplätze, intuitive Bedienkonzepte und integrierte Systeme – Dräger will die Prozesse auf allen Stationen des Krankenhauses optimieren. Über Entwicklung, Status quo und Zukunft der Medizintechnik spricht Jens Altmann, Leiter Segment- und Produktmanagement Hospital.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Die Medizintechnikbranche verändert sich mit der digitalen Transformation spürbar. Was tut sich bei Dräger?

Jens Altmann: Informationen von jedem Ort aus abrufen und verarbeiten zu können hilft, Abläufe im Krankenhaus zu optimieren und die Therapie zu verbessern. Entsprechend ändert sich die Art und Weise, wie Medizingeräte im Krankenhaus Daten austauschen. Diese Interoperabilität zwischen Geräten auch unterschiedlicher Hersteller war bisher kaum möglich, da je nach Hersteller unterschiedliche Protokolle für die Datenübertragung existierten. Mit der „Service Orien­ted Device Connectivity“ wurde Anfang 2019 ein neuer internationaler Standard ins Leben gerufen, der einen nahtlosen Austausch von Informationen im OP und auf der Intensivstation ermöglicht. Wir werden in diesem Jahr ein erstes Produkt auf den Markt bringen, welches den neu geschaffenen Standard nutzt, und so zukünftige Fähigkeiten demonstrieren.

Vernetzung ist also das zentrale Thema?

Altmann: Ja, immer mehr Informationen müssen in klinischen IT-Systemen bereitgestellt und verarbeitet werden. Der Arzt möchte im OP alle Patientendaten abrufen – von Vitaldaten über Laborbefunde bis hin zur Anamnese. Daten, die mit unterschiedlichen Systemen erfasst werden, müssen also so konsolidiert werden, dass sie am Monitor eines Geräts abgerufen werden können. Zudem geht es um Bidirektionalität, also den Datenfluss in beide Richtungen, zwischen Medizingerät und Krankenhausinformationssystem – kurz KIS – oder zwischen Geräten. Beim intelligenten Alarmmanagement beispielsweise kann der Arzt den Alarm eines entfernten anderen Geräts quittieren. Das funktioniert nur, wenn das Gerät, mit dem er arbeitet, sowohl Informationen empfangen als auch senden kann.

Im Hinblick auf steigende Kosten im Gesundheits­system und unter Qualitätsgesichtspunkten: Wie kann Digitalisierung Krankenhausprozesse verbessern?

Altmann: Digitale Lösungen helfen Krankenhäusern, Patienteninformationen schneller und an beliebigen Orten bereitstellen zu können. Daten aus dem KIS können an unterschiedlichen Geräten ausgegeben werden. Effizient werden Abläufe aber erst dann, wenn Medizingeräte untereinander kommunizieren können. So könnten Daten von verschiedenen Geräten oder Quellen genutzt werden, um Funktionen eines Therapiegeräts zu steuern. Ein weiteres mög­liches Szenario ist das Fernsteuern von Medizingeräten für den Hochrisikobereich einer Intensivstation, um das Gefahrenpotenzial für die Mitarbeiter zu senken. Solche Maßnahmen, wie auch ein intelligentes Alarmmanagement, helfen, den Therapieaufwand zu reduzieren und gleichzeitig die Versorgung der Patienten zu optimieren.