Vordenker: Spezialchemie

Digitalisierung dient Menschen und Unternehmen

Evonik ist ein positives Beispiel für die Digitalisierung und wird in einem Atemzug mit Tesla-Gründer Elon Musk genannt.

Digitalisierung dient Menschen und Unternehmen
Bettina Uhlich: Die Diplom-Wirtschaftsingenieurin leitet seit 2009 Transformationsprogramme von Evonik, um über Wertgrößen und Harmonisierung von Geschäftsprozessen wertorientierte Geschäftssteuerung nachhaltig zu etablieren. Seit 2014 ist sie bei Evonik CIO für IT zuständig (Foto: PR)

Hersteller im Bereich Spezialchemie und nun auch Enabler der Digitalisierung auf Kundenseite: Diesen Weg schlägt ­Evonik Industries gerade ein. Maßgeblich dafür verantwortlich ist Bettina Uhlich, seit fünf Jahren CIO des Essener Unternehmens. Ihre Aufgabe: Technologie für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle entlang der Wertschöpfungskette nutzbar machen.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Wie verstehen Sie Ihre Mission bei Evonik?

Bettina Uhlich Digitalisierung ist für mich kein Selbstzweck. Digitalisierung dient den Menschen im Unter­nehmen. Und sie dient Evonik dabei, unsere Zukunft als globales Industrieunternehmen zu festigen. Der IT-Bereich liefert dafür die Technologien, Prozesse, Daten­modelle und Plattformen. Unsere Mission in der IT ist es aber auch, unseren Kollegen zu helfen, mit diesen neuen Technologien in ihrem täglichen Arbeitsablauf umzugehen.

Die „Computerwoche“ hebt Sie – neben Tesla – als Positivbeispiel in Sachen Digitalisierung hervor und begründet das mit Ihrer Konsequenz in der IT. Was zeichnet diese Konsequenz aus, um in einem Atemzug mit Tesla-Chef Elon Musk genannt zu ­werden?

Uhlich: Wir waren im Team alle überrascht und stolz. Wir sind gut vorbereitet auf die Transformation und haben unsere Hausaufgaben gemacht. Wir haben eine globale SAP-Plattform und ein globales Warehouse-System aufgebaut sowie unsere Datenbanken auf HANA-Technologie umgestellt. Auf die neue Generation – wir nennen das „NexGen IT“ – sind wir gut vorbereitet. Neben der technologischen Transformation haben wir die Daten­haltung ­aufgeräumt, Customizing zurückgefahren und Tausende Transaktionen, also Programmschritte, abgeschnitten, die nicht mehr gebraucht werden. Denn neben dem Neubau braucht es den Mut zum Wegwerfen.

Die digitale Transformation in der Spezialchemie findet also durch Ausmisten in der IT statt?

Uhlich: Ja, so schaffen wir Platz für IT-Technologien, die uns neue Geschäftsmodelle eröffnen. Im Zentrum stehen die Daten als digitalisiertes Wissen. Wir werten aus, reichern an und teilen sie auf offenen Eco-Plattformen mit Partnern und Kunden. Daraus entstehen ganz neue Wertschöpfungsströme. Nehmen Sie zum Beispiel Data Analytics in der Nutztierhaltung. Im Bereich Precision Livestock Farming erweitern wir unser bestehen­des Serviceportfolio mit digitalen Lösungen. Mit cloudbasierter Spezialsoftware für Geflügelproduzenten können diese ihre Leistungs- sowie Umgebungsparameter kontrollieren und steuern. Darüber hinaus werden die Produzenten in Zukunft mathematische Modelle von Evonik nutzen können, um nicht nur die Leistung, sondern auch die Tiergesundheit und das Tierwohl zu verbessern.

Teil 1: Digitalisierung dient Menschen und Unternehmen

Teil 2: Digitalisierung: Mensch gegen Maschine?