Wie geht es mir morgen?

Daten als Schlüssel

Sind Daten und KI der Schlüssel zur Gesundheit?

Schermeier: Für jede medizinische Entscheidung ist eine Diagnose nötig. Daher sind Daten in der Medizin schon lange der Schlüssel, auch ohne lernende Systeme und KI. Sie werden jedoch immer umfangreicher, und eine Vielzahl von Sensoren erzeugt eine zunehmende Menge an Daten. Ohne Unterstützung durch lernende Systeme und KI lassen sich Muster nur bedingt erkennen.

Wird aus dem Hype „Big Data“ wirklich eine Revolution oder verpufft er schon bald wieder?

Schermeier: Auch wenn derzeit Big Data in jeder Schlagzeile auftaucht, glaube ich nicht, dass es verpuffen wird. Es wird sich etwas normalisieren, sicher auch Enttäuschungen geben, aber definitiv haben lernende Systeme zur Analyse großer Datenmengen das Potential, die medizinische Welt nachhaltig zu verändern und zu verbessern.

Sie haben jüngst eine Kooperation mit dem Universitätsklinikum Hamburg gestartet. Welchen Erfolg versprechen Sie sich davon?

Schermeier: Am Universitätsklinikum Hamburg erforscht ein Team aus Wissenschaftlern und Ärzten die kausalen Zusammenhänge von Nierenerkrankungen. Das ist eine langfristig angelegte Zusammenarbeit. Wir erwarten uns davon neue, innovative Diagnosemöglichkeiten für verschiedene Subtypen von Nierenerkrankungen. Daraus wollen wir passgenaue Behandlungsmöglichkeiten entwickeln.

Wie sieht für Sie Medizin der Zukunft aus?

Schermeier: Da wäre die sprichwörtliche Glaskugel sehr hilfreich. Ich denke, dass eine ganze Reihe Faktoren die künftige Entwicklung bestimmen werden. Einer davon ist sicherlich die Umstellung auf eine wertorientierte Versorgung. Das bedeutet, dass die Qualität der Versorgung eine viel größere Rolle bei der Vergütung medizinischer Leistungen einnimmt. Ein weiterer Faktor ist natürlich die Digitalisierung. Und intelligente Geräte, die die Behandlung radikal vereinfachen und gleichzeitig die Qualität steigern.

Inwieweit ist e-Health mehr als ein bloßes Buzzword? Welchen echten Mehrwert bringt die Digitalisierung des Gesundheitswesens?

Schermeier: Die Digitalisierung ermöglicht Skaleneffekte. Und sie erlaubt ein hohes Maß an Individualisierung zu vertretbaren Kosten. Digitalisierung wird uns in die Lage versetzen, auch langfristig bessere Patientenversorgung in allen Regionen anzubieten.

Empfinden Sie das Silicon Valley als Angstgegner oder als Innovationstreiber?

Schermeier: Ganz klar als Innovationstreiber. Über Fresenius Medical Care Ventures haben wir bereits in mehrere Firmen in Kalifornien investiert, um deren Innovationspotential für uns zu nutzen. Allerdings wäre es töricht, zukünftige Innovationen nur aus einem kleinen Teil der Welt, dem Silikon Valley, zu erwarten. Auch an vielen anderen Orten gibt es innovative Forschung, Unternehmer und Start-ups – etwa in Europa, Israel oder Singapur. Auch hier finden wir zukünftige Innovationstreiber, und wir halten weiterhin die Augen offen.

Teil 1: Dialyse digitalisieren

Teil 2: Daten als Schlüssel

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