Spezial eHealth: Smarte Technik

KI-gestützte Roboter

Heilen uns biologische Implantante schon bald „von selbst”? Gedankenspiele mit Dr. Katrin Sternberg, Vorstandsmitglied beim Medizintechnikhersteller Aesculap.

Dr. Katrin Sternberg ist Vorstandsmitglied Forschung und Entwicklung bei der Aesculap AG. Die Chemikerin ist seit August 2018 im Firmenvorstand und war damit die erste Frau im obersten Führungsgremium.
Dr. Katrin Sternberg
ist Vorstandsmitglied Forschung und Entwicklung bei der Aesculap AG. Die Chemikerin ist seit August 2018 im Firmenvorstand und war damit die erste Frau im obersten Führungsgremium (Foto: PR)

Knapp 36.000 Einwohner zählt das Städtchen Tuttlingen an der Donau – und rühmt sich dennoch des Titels „Welthauptstadt der Medizintechnik“. Hier sitzt das Unternehmen Aesculap, das zum globalen Konzern B. Braun gehört und Medizinprodukte speziell für die Chirurgie herstellt. Über die Bedeutung von Medizin 4.0 für den Traditionskonzern und eine Vision, wie Mensch und Maschine im OP in Zukunft agieren, spricht Dr. Katrin Sternberg, Aesculap-Vorstandsmitglied Forschung & Entwicklung.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Welchen Weg wird die Digitalisierung in Ihrer Branche vorgeben?

Katrin Sternberg: Der übergreifende Begriff Digitalisierung erstreckt sich in unserer Branche der Medizin und Medizintechnik auf die Trendtechnologiefelder Robotik, Visualisierung und Künstliche Intelligenz (KI). Im Bereich der klassischen Chirurgie legen Telemanipulationssysteme wie DaVinci mit Optimierungen nach und lassen weitere Indikationsfelder zu. Das ist der Fall, wenn es auf absolute Präzision ankommt und Regionen des Körpers betroffen sind, die schlecht einsehbar sind. Durch Ausbau des 5G Netzes werden zudem neue Möglichkeiten geschaffen, via Remote zu operieren. Zukünftig wird es weltweit einige Spezialisten dafür geben, die sich dann in die jeweilige OP einwählen. KI wird aktuell bevorzugt für die Diagnose und hier meist im Zusammenhang mit der Radiologie und klassischen Bildgebung eingesetzt. Bei der Visualisierung wird zwischen Virtual Reality (VR) und Augmented oder Mixed Reality (AR/MR) unterschieden. AR/MR-Ansätze haben neben der räumlichen Darstellung von Bildgebungsdaten, zum Beispiel mit Hilfe der Hololens2, die Smart Navigation zum Ziel, an der auch Aesculap arbeitet.

Von welcher Gruppe geht der Innovationsdruck aus? Von den Patienten, den Forschern, den Wettbewerbern oder einer anderen Gruppe?

Sternberg: Auf jeden Fall stark von den Wettbewerbern. Enorme Investitionen in neue Technologiefelder und die Kooperation mit Technologie-Giganten stellen eine große Herausforderung auch für Aesculap und den gesamten B. Braun-Konzern dar. Der Innovationsdruck wird außerdem immer stärker von den Patienten ausgehen. Viel stärker als in der Vergangenheit informiert sich der Patient über die Möglichkeiten im Internet. Immer mehr kommen Patienten, zum Beispiel über die Apple Watch oder andere Smart Devices, mit der digitalen Medizintechnik in Kontakt. Durch diese Smart Devices wird es in Zukunft möglich sein, den Patienten komplett von der Einweisung in das Krankenhaus bis hin zum Abschluss der Rehabilitation zu begleiten. Deshalb werden sich die Patienten in Zukunft die Kliniken und die Produkte stärker selbst aussuchen – nämlich genau die, die ihnen diese Möglichkeiten bieten.

Teil 1: KI-gestützte Roboter

Teil 2: Smarte Assistenten

Nach oben