Spezial E-Health: Medizin nach Maß

Neue Perspektive für das Gesundheitswesen

Das Unfallkrankenhaus Berlin sieht sich als Impulsgeber für medizinischen Fortschritt. Für die Zukunft hat Geschäftsführer Professor Axel Ekkernkamp klare Visionen.

Professor Dr. Axel Ekkernkamp ist der Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor des Unfallkrankenhauses Berlin
Professor Dr. Axel Ekkernkamp
ist der Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor des Unfallkrankenhauses Berlin (Foto: PR)

Dass der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) der Medizin ganz neue Perspektiven ermöglicht, davon ist Professor Axel Ekkernkamp, Geschäftsführer des BG Klinikums Unfallkrankenhaus Berlin (ukb), überzeugt. Und er muss es wissen, schließlich war das ukb weltweit die erste Klinik, die rein digital radiologisch arbeitete. Ein Gespräch über Telemedizin, Organe aus dem 3-D-Drucker und ethische Grundsätze.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Warum geht die Digitalisierung im Gesundheitswesen so schleppend voran, wenn die Radiologie schon seit Jahrzehnten von ihr profitiert?

Axel Ekkernkamp: Bei der Radiologie gab es den großen Vorteil, dass sie schon seit 20 Jahren in digitaler Form verfügbar war und dementsprechend eingesetzt wurde. Andere digitale Anwendungen können davon jetzt profitieren, nach dem die technischen Möglichkeiten, auch große Datenmengen zu verarbeiten, neue Perspektiven in der digitalen Medizin eröffnen. Den größten Nutzen erhoffe ich mir durch den Big-Data-Einsatz in der Onkologie und in der algorithmusbasierten, sogenannten sprechenden Medizin, insbesondere bei psychischen Erkrankungen.

Welchen Stand hat die Digitalisierung in der Branche allgemein erreicht? Wie steht Deutschland im internationalen Vergleich dar?

Ekkernkamp: Das deutsche Gesundheitswesen hat bei der Digitalisierung einen enormen Aufholbedarf. Von der Industrie 4.0 ist der medizinische Bereich Lichtjahre entfernt. Und solange viele Krankenhaus-Manager unter dem Begriff Digitalisierung immer noch die Versorgung einer Abteilung mit Tablets verstehen, wird sich daran auch nicht viel ändern. Wir müssen aufpassen, dass wir den Anschluss nicht verpassen – zu anderen Branchen und zu anderen Ländern. Neben den USA sind skandinavische und baltische Staaten viel weiter, auch Israel steckt viel Geld in die Forschung, gerade auch im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI). Deutschland liegt im europäischen Vergleich nur auf Rang 14, wenn es um digitale Wirtschaft und Gesellschaft geht; die wenigen KI-gestützten digitalen Projekte sind in der Regel reine Insellösungen. Wir brauchen viel mehr Vernetzung, auch um Big Data wirklich sinnvoll nutzen zu können. Die BG Kliniken bauen deshalb gerade mit Hochdruck eine interne Cloud auf, um digitale Medizin mit Leben zu erfüllen.

Aktuell warnt eine Studie der Versicherungswirtschaft davor, dass Patientendaten nicht ausreichend geschützt sind – in 60 Prozent der Kliniken werden hiernach Passwort-Kombinationen verwendet, die auch von Kriminellen im Darknet angeboten werden. Unterschätzen Ärzte und Kliniken die Cyberrisiken?

Ekkernkamp: Immer mehr Krankenhäuser werden in den nationalen Kritis-Komplex zur Sicherstellung wichtiger Versorgungs-Infrastrukturen eingebunden und müssen deshalb extrem hohe Anforderungen an Datensicherheit erfüllen. Die Zeiten, in denen das Thema Cybersicherheit möglichweise nicht von allen Beteiligten mit der nötigen Ernsthaftigkeit behandelt wurde, dürften spätestens nach den Hacker-Angriffen auf Kliniken vorbei sein. Der Schutz von Patientendaten ist ein hohes Gut, die digitalen Sicherungssysteme werden immer weiter verbessert. Allein das Unfallkrankenhaus Berlin weist monatlich rund 250.000 verdächtige E-Mails ab, neben Spam viele mit Viren und Schadsoftware. Dennoch werden immer wieder Kriminelle versuchen, medizinische Daten zu erbeuten und zu verwerten. Aber auch Patienten sind gefordert: Spätestens mit der Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) müssen sie entscheiden, wer im Gesundheitssystem welche Daten erhält. Und auch bei den zahlreichen Gesundheits-Apps sollten sich die Nutzer darüber klarwerden, wer Zugriff auf ihre Daten hat, was er mit ihnen machen darf und wie sicher sie dort sind.

Teil 1: Neue Perspektive für das Gesundheitswesen

Teil 2: Personalisierte Medizin ist die Zukunft

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