Vordenker KI und Data Science: Wissenschaft meets Wirtschaft

Vom Online-Händler zum Tech-Unternehmen

„Wir reden nicht, wir machen.” Christophe Hocquet von Brille24 und Jorge Marx Gómez von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg arbeiten gemeinsam an Projekten aus dem Bereich Künstliche Intelligenz und Data Science.

Christophe Hocquet ist seit 2015 CEO der Brille24 Group und forciert in dieser Funktion die Transformation vom Online-Händler zum Tech-Unternehmen. Jorge Marx Gómez ist Professor für Wirtschaftsinformatik an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und wissenschaftlicher Leiter im OFFIS, dem Oldenburger An-Institut für Informatik
Christophe Hocquet
ist seit 2015 CEO der Brille24 Group und forciert in dieser Funktion die Transformation vom Online-Händler zum Tech-Unternehmen. Jorge Marx Gómez ist Professor für Wirtschaftsinformatik an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und wissenschaftlicher Leiter im OFFIS, dem Oldenburger An-Institut für Informatik (Foto: Philipp Möller/JDB MEDIA)

Wenn Unternehmen und Forschungseinrichtungen zu Partnern werden, arbeiten sie sich oft an kulturellen Differenzen ab, statt voneinander zu profitieren. Zu verschieden sind die Ziele in Wirtschaft und Wissenschaft. Nicht so bei Christophe Hocquet, CEO von Brille24, und Jorge Marx Gómez, Informatikprofessor an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Seit 2017 arbeiten beide eng zusammen – einerseits um die digitale Transformation des Online-Optikers voranzutreiben, andererseits um praxisnahe Forschungsprojekte zu realisieren. Ihr gemeinsamer Schwerpunkt: angewandte Künstliche Intelligenz und Data Science. Was daraus in der Praxis wird, verraten sie im Interview.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Wie kam Ihre Zusammenarbeit zustande?

Christophe Hocquet: Brille24 wurde 2007 von einer Gruppe junger Unternehmer gegründet, die teilweise ihren Hochschulabschluss an der Universität Oldenburg gemacht haben. Daraus haben sich natürlich schon die ersten Berührungspunkte ergeben.

Jorge Marx Gómez: Zur damaligen Zeit entstand bei uns der Lehrstuhl für Entrepreneurship, der sich mit allen Themen rund ums Gründungsmanagement befasst. 2011 hat die Uni Oldenburg zudem eines von bundesweit nur drei Gründungs- und Innovationszentren zugesprochen bekommen, die vom Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie gefördert wurden. Damit bieten wir Gründern bis heute eine leistungsfähige Infrastruktur.

Hocquet: Wie andere Unternehmen auch, haben wir im Lauf der Jahre immer wieder Projekte ausgeschrieben, die von Studierenden im Rahmen ihrer Abschlussarbeiten umgesetzt wurden. Vor zwei Jahren haben wir aber noch mal ein neues Level erreicht.

Womit genau?

Hocquet: Zunächst mal hat sich unser Fokus intern verschoben. Das Thema Künstliche Intelligenz ist immer stärker in den Mittelpunkt gerückt. Wir haben das Potenzial erkannt, das die Lösungen in diesem Bereich für uns als Online-Händler mit dem sehr komplexen Produkt „Brille“ eröffnen. Unser Ziel ist seither, als technologischer und digitaler Vorreiter in der Branche voranzugehen. In der Universität – und ganz besonders im Fachbereich IT – haben wir dafür einen perfekten Partner gefunden.

Gómez: Die Universität hat seit 2018 den Status „Innovative Hochschule“ inne, mit dem deutschlandweit nur wenige Universitäten ausgezeichnet wurden. Im Verbund mit der Jade Hochschule und dem universitären An-Institut OFFIS am Institut für Informatik wollen wir den wechselseitigen Austausch mit Wirtschaft, Gesellschaft, Behörden und Kultureinrichtungen intensivieren und so die Innovationskraft der Region steigern. Insgesamt werden sieben Teilprojekte durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit etwa zwölf Millionen Euro gefördert. Hierzu zählt auch das „Innovation(s)Labor digital“, das ich wissenschaftlich begleiten darf. Gemeinsam mit den Unternehmen und OFFIS, mit denen wir in einer Transferpartnerschaft zusammenarbeiten, geben wir dem Standort Oldenburg und der Region ein digitales Profil.

Teil 1: Vom Online-Händler zum Tech-Unternehmen

Teil 2: Digitalisierung ist kein Selbstzweck

Autor

Michael Sömmer
freier Autor für das
DUB UNTERNEHMER-Magazin