Vordenker digitale Infrastruktur: Home, sweet Data-Home

Mit einem Innovation Lab zur digitalen Infrastruktur

Illustration von einem Rechenzentrum

Colocation-Anbieter: Die großen Profiteure der digitalen Transformation (Illustration: Philipp Möller/JDB MEDIA)

Neben der unterbrechungsfreien Stromversorgung: Welche weiteren ­Vorteile bieten Rechenzen­tren im Vergleich zum ­Serverraum?

Nguyen: Location und Connectivity sind von zentraler Bedeutung. Unsere Kunden profitieren von der Nähe zu Internetaustauschknoten und dem Zugang zu Cloud-Providern. Lassen Sie mich das anhand der Logistikgruppe Trans-o-flex verdeutlichen. Werden morgens alle Fahrzeuge beladen, greifen bis zu 7.000 Nutzer auf die Anwendungen zu. Bis Ende 2018 gab es ein Rechenzentrum auf dem ­Firmengelände in Weinheim in Baden-Württemberg. Allerdings: Um die geschäftskritischen Anwendungen ausfallsicher im eigenen Rechenzentrum betreiben zu können, wären hohe Investitionen in die Modernisierung, zum Beispiel in Brandabschnitte, notwendig geworden. Auch eine Cloud-Strategie ließ sich von Weinheim aus nicht realisieren, da die adäquate Netzwerkanbindung fehlte beziehungsweise zu teuer gewesen wäre. Mittlerweile wird die IT von Trans-o-flex bei uns in Frankfurt gehostet. Und für den Notfall gibt es eine Anbindung an die Oracle-Cloud.

Trans-o-flex setzt also auf eine hybride Cloud-Lösung. Wie sieht diese genau aus?

Nguyen: Alle Systeme werden im Stand-by-Betrieb in der Oracle-Cloud gehostet. Im Ernstfall werden die Verbindungen automatisch aktiviert und zusätzliche Ressourcen in Betrieb genommen. Die Cloud-Architektur hat Trans-o-flex zunächst in unserem Innovation Lab getestet. Das Unternehmen bekam Real-Application-Testing-Lizenzen von Oracle und konnte so alle Produktionsdatenbanken in der Cloud auf­bauen. Nach dem Proof of Concept im Sommer 2018 folgte im Dezember der Umzug der gesamten IT. Der dauerte zweieinhalb Wochen. In der Zeit sorgte die Cloud dafür, dass der Geschäftsbetrieb weitergehen konnte.

Ihr Innovation Lab betreiben Sie seit zwei Jahren an Ihrem Hauptsitz in Frankfurt. Welches Ziel verfolgen Sie damit?

Nguyen: Fangen wir damit an, was wir nicht machen: neue Geschäftsmodelle entwickeln. Stattdessen helfen wir Firmen, ihre ­neuen digitalen Geschäftsmodelle mit modernster digita­ler Infrastruktur umzusetzen. Firmen können ihre IT-Architektur neu gestalten – beispielsweise indem sie existierende Anwendungen in Hybrid- und Private-Cloud-Szenarien testen ­können. Dafür stellen 150 Partnerunternehmen und 60 Start-ups ihre Technologien zur Verfügung.

Sie haben auch ein Innovation Lab in Berlin. Schwerpunkte dort sind Smart City, Start-ups und E-Government. In Wien liegt der Fokus auf der Hybrid-Cloud. Planen Sie weitere Labs?

Nguyen: Unser Ziel ist es, in jedem Land, in dem wir Rechenzentren betreiben, mindestens ein Innovation Lab aufzubauen. Deshalb ist auch in Zürich eines in Planung. Als Nächstes eröffnen wir allerdings im August in München einen Future-Mobility-Hub. Dort soll sich alles um Connected Cars, autonomes Fahren und Shared-Driving-Modelle drehen.

Ende 2018 hat das BSI, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, seine Empfehlungen für die Distanz zwischen Rechenzen­tren geändert. Statt fünf sollten nun 200 Kilometer zwischen Hauptserver und Back-up liegen. Was soll das bringen?

Nguyen: Dass IT-System und Back-up nicht im selben Raum lagern sollten, leuchtet ein. Denn wenn es brennt, wäre beides verloren. Ein ge­wisser Abstand sollte also immer ­gegeben sein. Als Grund für seine Empfehlung führte das BSI unter anderem den Schutz vor Naturgewalten an, die oft regional begrenzt sind. Falls dadurch ein Rechenzentrum nicht mehr funktionsfähig ist, muss das andere sofort übernehmen können. Auch das können kostengünstig nur Colocation-Anbieter gewährleisten, die meist ohnehin mehrere Standorte haben.

Das Unternehmen: Das 2000 gegründete Unternehmen e-shelter baut und betreibt Rechen­zentren – ­aktuell an elf Stand­orten in Europa. Seit 2015 gehört es zum japanischen Konzern NTT.

Teil 1: Rechenzentrum: Das sichere Zuhause für die IT

Teil 2: Mit einem Innovation Lab zur digitalen Infrastruktur

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