Spezial: E-Health - Medizin der Zukunft: „Angst vor Amazon? Nein“

E-Health: Mehr als ein Buzzword

Die Zukunft des deutschen Gesundheitswesens ist digital. Das weiß auch BARMER-Chef Christoph Straub. Im Exklusiv-Interview spricht er über Papierarbeit als Auslaufmodell, E-Health als Standortvorteil und die Tech-Giganten aus dem Silicon Valley als Mitbewerber.

Prof. Dr. Christoph Straub ist seit Sommer 2011 Vorstandsvor­sitzender der BARMER
Prof. Dr. Christoph Straub
ist seit Sommer 2011 Vorstandsvor­sitzender der BARMER
(Foto: PR)

Ein Konferenzraum im zehnten Stock eines Hamburger Büroturms, mit Blick ins Grau des norddeutschen Vorfrühlings. Professor Christoph Straub ist Vorstand der BARMER und will einiges bewegen, auch digital. Und er hat klare Vorstellungen von dieser digitalen Zukunft. Sie liegt nicht im Silicon Valley.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Der digitale Wandel ist allerorten präsent. Wie weit ist das deutsche Gesundheitswesen in Sachen E-Health?

Christoph Straub: Keine Frage, es gibt Länder, die in diesem Punkt weiter sind als Deutschland, etwa Estland oder Dänemark. Aber die Politik hierzulande gibt jetzt Gas. Gerade Gesundheitsminister Jens Spahn bewegt einiges. Ein so tiefgehender Wandel dauert seine Zeit. Immerhin muss die entsprechende Infrastruktur geschaffen werden, allen voran eine leistungsstarke Datenautobahn.

Inwieweit ist E-Health mehr als ein bloßes Buzzword? Welchen echten Mehrwert bringt die Digitalisierung des Gesundheitswesens?

Straub: Nutznießer ist der Patient, vor allem weil kein für die Behandlung relevantes Wissen mehr verloren geht. Denn E-Health sorgt dafür, dass seine Krankengeschichte dokumentiert wird und nichts abhan¬denkommen kann. Jeder behandelnde Arzt kann auf jedes Röntgenbild, jeden Laborwert zugreifen. Zudem müssen die Unterlagen nicht mühsam hin- und hergeschickt werden. Das spart die klassische „Papierarbeit“.

Kommt das so auch beim Patienten an?

Straub: Definitiv! Für die Patienten, insbesondere wenn sie schwer krank sind, bringt E-Health viele Vorteile. Schließlich wird der Austausch zwischen den ärztlichen Disziplinen leichter. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Schnittstelle zwischen Praxis und Klinik. Befunde könnten bereits komplett im Krankenhaus sein, sobald der Patient von einer Haus- oder Facharzt-Praxis überwiesen wird. Dieses bessere Informationsmanagement ist die Basis für bessere Behandlungsergebnisse.

Was bedeutet die Entwicklung für gesetzliche Krankenkassen wie die BARMER?

Straub: In den nächsten zehn Jahren wird sich mehr verändern als in den 100 Jahren davor. Das heißt, dass sich nicht nur wir, sondern alle Akteure im Gesundheitswesen schneller anpassen müssen als je zuvor. Diesen Weg gehen wir als Kasse schon seit geraumer Zeit und gestalten damit die Digitalisierung im Gesundheitswesen aktiv mit. Konkret bedeutet es, dass wir unseren Versicherten mehr digitale Angebote bieten wollen – sofern sie einen tatsächlichen Nutzen haben. Hier setzen wir vor allem auf das Thema Prävention. Dazu haben wir zum Beispiel Apps, die bei Stress, Kopf- und Rückenschmerzen helfen. Ein anderes Beispiel sind Krankmeldungen.

Teil 1: E-Health: Mehr als ein Buzzword

Teil 2: Digitales Gesundheitswesen

Teil 3: Die Cloud als entscheidener Faktor