Vordenker Lichttechnik: mit Licht-Geschwindigkeit

Internet per Lichtwellen und vernetzte Beleuchtung

­Karsten Vierke, Geschäftsführer des Leuchtmittelherstellers Signify, über LiFi-Technologie und Digitalisierung.

Karsten Vierke ist seit März 2017 CEO für Deutschland, Österreich und die Schweiz bei Signify. Der Diplom-Kaufmann ist seit Ende seines Studiums im Jahr 2000 für das Unternehmen tätig

Karsten Vierke ist seit März 2017 CEO für Deutschland, Österreich und die Schweiz bei Signify. Der Diplom-Kaufmann ist seit Ende seines Studiums im Jahr 2000 für das Unternehmen tätig (Illustration: Philipp Möller/JDB MEDIA)

Datenübertragung per Licht? Wer Karsten Vierke, Geschäftsführer des Leuchtmittelherstellers Signify für Deutschland, Österreich und die Schweiz, zuhört, traut seinen Ohren kaum. Light Fidelity – kurz LiFi – heißt die Technologie, die das niederländische Unternehmen zur Marktreife gebracht hat. Vierke über Internet per Lichtwellen und vernetzte Beleuchtung.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Was leistet Ihre LiFi-Technologie?

Karsten Vierke: Wir haben 2018 als erstes globales Beleuchtungsunternehmen LiFi-fähige Büroleuchten auf den Markt gebracht, die über Lichtwellen eine High-Speed-Internet-Verbindung bieten. Diese Leuchten können Räume erhellen und gleichzeitig mehrere Videos in HD-Qualität streamen oder Videogespräche übertragen. Ideal ist LiFi für Orte, an denen Funkfrequenzen andere Geräte stören – zum Beispiel in Krankenhäusern oder Kraftwerken, aber auch in Fußballstadien oder Gebäuden mit schlechtem WLAN. LiFi wird WLAN nicht ersetzen, ist aber eine interessante Ergänzung. Die Verbreitung steckt noch in den Kinderschuhen. Unter anderem in Stavanger, Singapur, Bangalore oder Paris testen bereits 30 Unternehmen die Technologie. Der Vorteil: Licht kann nicht durch Wände dringen. So bietet LiFi eine zusätzliche Sicherheitsebene und ist gut für den Umgang mit sensiblen Infos geeignet.

Mit welchen Herausforderungen wurden Ihr Unternehmen, aber auch Sie persönlich im Zuge der Transformation konfrontiert?

Vierke: Wir sind in der Lichtindustrie Zeuge von zwei Revolutionen. Das Lichtgeschäft von früher mit zwei starken Duopolisten ist Geschichte. In sehr kurzer Zeit hat ein Wandel stattgefunden – erst von konventioneller Beleuchtung hin zu digitalen LEDs, dann zu Systemen und Services mit vernetztem Licht. Wer heute noch allein über Energieeffizienz spricht, denkt veraltet. Das wird vorausgesetzt. Bald wird Licht ein wichtiges Medium im Internet der Dinge sein. Daher fließt ein Großteil unserer jährlichen Innovationsausgaben von 334 Millionen Euro in das Internet der Dinge. Hier brauchen wir Mitarbeiter, die Altbewährtes infrage stellen und Veränderungen als Chance begreifen. Das liegt nicht jedem. Diesen Wandel als Chef zu begleiten und teilweise mit dem Führungsteam leider auch harte Entscheidungen zu treffen ist nicht immer einfach.

Welche Vorteile haben vernetzte Beleuchtungsinfrastrukturen?

Vierke: Big Data sei Dank beleuchtet Licht heute nicht nur. Es gibt auch viele Auskünfte über menschliches Verhalten und die Umgebungen – drinnen wie draußen. Im Büro hilft die Lichtvernetzung beispielsweise dabei, die Nutzung von Gebäudeflächen zu optimieren. Mitarbeiter wissen so in Echtzeit, wann Meetingräume frei sind. Dabei sind durch neue Anwendungen und LED-Technologie gleichzeitig Energieeinsparungen von bis zu 70 Prozent möglich. Oder nehmen Sie das Thema Indoor Positioning: Licht weiß, wo sich im Laden oder in der Produktion Menschen bewegen, und gibt die Informationen an Analysesysteme weiter.

Und was ist mit dem öffentlichen Raum?

Vierke: Intelligentes Licht sollte zentraler Faktor jeder Stadtplanung sein. Licht prägt die Skyline und gibt vielen Städten ein unverwechselbares Gesicht. Gleichzeitig transportiert es Informationen und hilft, Vorhersagen zu treffen. Sie können den Verkehrsfluss analysieren oder in der Nacht Straßen erhellen, wenn Menschen oder Autos kommen, und es anschließend wieder ausschalten. Kommunen können mit moderner Beleuchtung 70 Prozent der Energiekosten sparen. Das ist keine Zukunftsmusik, sondern in Schanghai, Jakarta oder Los Angeles bereits Realität.

Teil 1: Internet per Lichtwellen und vernetzte Beleuchtung

Teil 2: Digitale Innovationen vorantreiben

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