Exklusiv: Den Mutigen gehört die Welt

Dauerthema Quoten

Als Bundeswirtschaftsministerin haben Sie das Manifest "#StarkeFrauenStarkeWirtschaft" veröffentlicht. Das Ziel: Frauen in der Wirtschaft sichtbarer machen. Was sind Ihre persönlichen Erfahrungen?

Zypries: Als ich meine Verwaltungslaufbahn begon­nen habe, war ich oft die einzige Frau. Und leider muss ich sagen: Bei den höheren Positionen ist der öffentliche Dienst heute nicht besser als die Privatwirtschaft.

Der Frauenanteil in den Führungsetagen der Dax-, MDax- und SDax-Unternehmen ist mit 8,6 Prozent immer noch extrem niedrig.

Zypries: Es ist aber gut, dass wir 30 Prozent ­Frauen in Aufsichtsräten haben. Aufsichtsräte bestimmen Vorstände. Insofern hoffe ich, dass dies Auswirkungen hat. Und sonst gilt: Frauen müssen sich trauen, Mut haben, auch mal springen. Wie es bei Bertolt Brecht heißt: „Ein Teil jeden Talents besteht in der Courage.“

Und wie sieht es in der Politik aus?

Zypries: Besser als in der öffentlichen Verwaltung. Die SPD hat bereits 1988 eine verbindliche Frauenquote eingeführt. 40 Prozent der Spitzenpositionen in der Partei müssen mit Frauen besetzt sein.

Wir müssen also immer noch über Quoten sprechen?

Zypries: Ich wünschte, es wäre nicht so. Aber mit Blick auf Führungspositionen in der Verwaltung und Privatwirtschaft können wir das Thema noch nicht ruhen lassen. Auch in der Politik sehen wir ja aktuell mit der Diskussion um ein Paritätsgesetz für den Bundestag, dass Quoten gewollt sind. Allerdings ist Diversity nicht nur eine Frage des Geschlechts. Wir brauchen überall gemischte Teams: Jung und Alt, Menschen aus unterschiedlichen Nationen sowie Menschen mit und ohne Behinderung.

In Ihre Amtszeit als Bundesjustizministerin fiel die Verabschiedung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes im Jahr 2006. Wo stehen wir heute?

Zypries: Bewusstsein darüber zu schaffen, dass alle Menschen gleich sind, und Vorurteile abzubauen ist eine Daueraufgabe. Wir sehen das im Moment beispielsweise an zahlreichen antisemitischen Ausfällen in Deutschland. Aber Vorurteile gibt es nicht nur aufgrund der Reli­gion. Das Wohnen in bestimmten Vierteln oder der Name können dazu führen, dass man nur eingeschränkt einen Kredit bekommt. Es gibt so viele Dinge, die es durch das Gesetz eigentlich nicht geben dürfte. Man muss im Alltag wachsam sein.

Der Ökonom Carl Benedikt Frey glaubt, durch Digitalisierung verlören vor allem Männer ihre Arbeit. Laut Weltwirtschaftsforum sind aber primär die Stellen von Frauen in Gefahr. Wie beurteilen Sie das?

Zypries: Keiner weiß wirklich, wie viele Arbeitsplätze durch die Digitalisierung wegfallen. Wir wissen aus der Vergangenheit nur, dass jede Technologie die Sorge begründet hat, dass Arbeitsplätze verschwinden. Hinterher gab es allerdings immer mehr Jobs als vorher. Ob das jetzt auch so sein wird? Wer weiß. Wir können aktuell nur mit Sicherheit sagen, dass sich Arbeit verändern wird – beispielsweise durch Künstliche Intelligenz. Das wird sich sowohl auf den akademischen als auch den nicht akademischen Bereich auswirken. Und ich glaube, das wird Frauen und Männer gleichermaßen betreffen.

Wie muss sich Ausbildung ändern, um fit für die digitale Zukunft zu machen?

Zypries: Wir müssen Kindern und Jugendlichen das Programmieren beibringen. In Hamburg lernen sie das zum Beispiel an der Hacker School. Dieses Modell habe ich zusammen mit der Firma RatePay auch nach Berlin geholt. Ich hoffe, dass es nicht bei diesen privaten Initiativen bleibt. Schulen müssen endlich – auch mit den 5,5 Milliarden Euro, die der Bund zur Verfügung stellt – flächendeckend Angebote zur digitalen Bildung machen. Denn das Wichtigste ist, dass wir alle Kinder erreichen. Und nicht nur die, deren Eltern sich sowieso mehr um sie kümmern als andere.

Teil 1: Möglichkeiten und Herausforderungen der Digitalisierung

Teil 2: Dauerthema Quoten

Das interessiert andere Leser

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick
Das interessiert andere Leser