Spezial: E-Health - Medizin der Zukunft

Telematik-Infrastruktur für die Arztpraxis

Die Telematik-infrastruktur ist das fehlende Bindeglied in der Kommunikation zwischen Ärzten, Apotheken und Krankenkassen, mahnt T-Systems-CEO Adel Al-Saleh.

Adel al-Saleh ist seit Januar 2018 im Vorstand der Deutschen Telekom verantwortlich für die Großkunden­sparte des Konzerns und CEO von T-Systems

Adel al-Saleh ist seit Januar 2018 im Vorstand der Deutschen Telekom verantwortlich für die Großkunden­sparte des Konzerns und CEO von T-Systems (Foto: PR)

Patientendaten sind hochsensibel – und müssen hochsicher sein. Um das zu gewährleisten, sollen bis Ende Juni rund 170.000 Arztpraxen an die Telematik-Infrastruktur angeschlossen sein, über die alle Beteiligten im Gesundheitswesen miteinander vernetzt werden. Die T-Systems-Tochter Telekom Healthcare Solutions ist einer von vier Anbietern, die Praxen mit den dafür nötigen Konnektoren versorgen. Eine fünfstellige Zahl an Praxen habe man bislang ausgerüstet, sagt Adel Al-Saleh. Der T-Systems-CEO über Fortschritte und Versäumnisse im Gesundheitswesen.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Der deutsche Gesundheitssektor gilt als überreguliert und wenig beweglich. Was bedeutet das für die digitale Transformation des Bereichs?

Adel Al-Saleh: Es gibt viele Faktoren, die die Digitalisierung des Gesundheitssystems hemmen. Wir haben auf allen Ebenen einen stark fragmentierten Markt: Versicherer nutzen unterschiedliche Datenplattformen. Ähnlich sieht es bei Krankenhäusern, Ärzten und Apothekern aus. Auch die Gesetzgebung spielt eine Rolle. Ein Beispiel: Die Nutzung der Cloud – also die Nutzung von Daten und Diensten außerhalb des eigenen Rechners im Gesundheitswesen – ist erst vor Kurzem erlaubt worden.

Auf welchen Feldern wurden bislang die größten Fortschritte erzielt?

Al-Saleh: Aus unserer Sicht hätte man auf allen Feldern schneller sein können. Deutschland hinkt bei der Digitalisierung des Gesundheitssystems im Gegensatz zu anderen Ländern hinterher. In Skandinavien, Großbritannien, den Niederlanden oder den USA ist man deutlich weiter. Wir haben zum Beispiel deutlich zu lange darauf warten müssen, bis Telemedizin Teil der Versorgung wird. Genauso wie darauf, dass die Cloudnutzung im Gesundheitswesen erlaubt ist. Warum soll ein Server in einem Krankenhauskeller oder einer Arztpraxis sicherer als beispielsweise in einem unserer Hochsicherheits-Rechenzentren sein? Und wir haben immer noch keine digitale Patientenakte, die allen Beteiligten das Leben leichter machen würde – Patienten, Ärzten, Pflegekräften und Krankenhäusern. Gleiches gilt für das elektronische Rezept.

Ein Eckpfeiler der Entwicklung ist die Schaffung eines sicheren Gesundheitsdatennetzes, in dem beispielsweise Ärzte Patientendaten austauschen können. Wie weit ist dessen Aufbau fortgeschritten?

Al-Saleh: Der Aufbau der Datenautobahn, also der Telematik-Infrastruktur, ist für mich ganz entscheidend für die Digitalisierung des Gesundheitssystems in Deutschland. Die Telematik-Infrastruktur ist das fehlende Bindeglied in der Kommunikation zwischen Ärzten, Apotheken, Krankenhäusern und auch Krankenkassen. Wir wollen mit der Digitalisierung erreichen, dass Befunde und Behandlungsdaten, die ein Arzt erhoben hat, mit anderen, die am Behandlungsprozess beteiligt sind, geteilt werden. Im ersten Schritt sollen bis Ende Juni alle Arztpraxen angeschlossen sein. Allerdings spüren wir bei den Ärzten immer noch eine gewisse Zurückhaltung.

Wie viele Apparate haben Sie bislang an Praxen liefern können?

Al-Saleh: Wir haben Praxen im fünfstelligen Bereich angeschlossen. Insgesamt müssen rund 170.000 Arztpraxen in Deutschland versorgt werden.

Welcher Anteil der Praxen ist mittlerweile mit Konnektoren versorgt? Den Ärzten wurde unter Androhung von Sanktionen für die Installation eine Frist bis Mitte des Jahres gesetzt ...

Al-Saleh: Dies kann kein Hersteller allein beantworten. Es gibt vier Anbieter, wir sind als zweiter in den Markt gestartet.

Welche Bedeutung hat der Bereich Telekom Healthcare Solutions für T-Systems?

Al-Saleh: Der Gesundheitsmarkt ist ein absoluter Wachstumsmarkt und deshalb für uns von strategischer Bedeutung. Laut einer Studie des Bundesgesundheitsministeriums lag die Wertschöpfung im Kernbereich der Gesundheitswirtschaft 2017 bei rund 350 Milliarden Euro in Deutschland. Auch wenn wir mit unseren Angeboten nur einen kleinen Teil abdecken, sind die Aussichten gut.

Teil 1: Telematik-Infrastruktur für die Arztpraxis

Teil 2: Apps und vernetzte Geräte fürs Krankenhaus

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