Vordenker Mobilität: Die unendliche Reisegeschichte

Lufthansa: Forschen an der Reise von morgen

Kann Virtual Rea­lity das Vor-Ort-Erlebnis ersetzen? Eine der zentralen Fragen mit Blick auf die Zukunft der Reisebranche.

Virtuelle Reise: Kann Virtual Rea­lity das Vor-Ort-Erlebnis ersetzen? Eine der zentralen Fragen mit Blick auf die Zukunft der Reisebranche (Illustration: JDB MEDIA/Philipp Möller)

Stehen Sie mit dem Travel-Operating-Ansatz am Ende nicht auch im Wettbewerb mit Giganten wie Google?

Langer: Sicher – aber wir haben den Vorteil, dass wir über den Flug als Kernelement des Systems viel mehr wissen, beispielsweise über mögliche Verspätungen. Und ganz ehrlich: Wenn Sie bei allem, was Sie tun wollen, immer darauf schielen, dass Google ein möglicher Wettbewerber sein könnte, brauchen Sie eigentlich auch gar nichts mehr anzufangen.

Zurück zur Ausgründung – funktioniert Innovation nicht hausintern?

Langer: Doch, sehr gut sogar. Aber es gibt dennoch gute Gründe für eine Ausgründung. Sie hat einen extrem beschleunigenden Effekt auf das Projekt. Eine einzige Aufgabe steht im Fokus, es muss nicht nach links und rechts geschaut werden. Zudem ist man dort bei Weitem flexibler, gute Entwickler zu rekrutieren – und die braucht es. Eine Ausgründung schafft ein Vehikel, das eine andere Form der Erfolgsbeteiligung ermöglicht als typische Konzern-Erfolgssysteme.

Sie sind jüngst auch beim kanadischen Reise-Start-up Hopper eingestiegen ...

Langer: ... und zwar als erste und einzige Airline. Es ist eine Minderheitsbeteiligung an einem der ganz spannenden Start-ups im Reise-Sektor. Bei Hopper geht es um die Vorhersage von Preisen. Als Datengrundlage wurden dafür über Jahre acht Billionen individuelle Preispunkte gesammelt und mit Predic­tive-­Analytics-Algorithmen analysiert. Wenn Sie deren App nutzen, sendet Sie Ihnen für Ihren Wunsch-Flug oder Ihr Wunsch-Hotelzimmer eine Push-Nachricht, die sagt, dass Sie jetzt buchen sollten, weil es nicht mehr günstiger wird. Der Einstieg in Hopper ist für uns hauptsächlich eine Forschungsallianz – wir profitieren von deren KI-Know-how.

Wo sehen Sie die Zukunftsmärkte für die Lufthansa?

Langer: Das ist schwer zu sagen. Auf Kurzstrecken wird sich Asset-seitig wahrscheinlich die größte Veränderung ergeben. Wenn da in Zukunft neben der Bahn auch autonome Autos oder der Hyperloop fahren, dann begrüße ich das. An autonome Flugtaxen glaube ich kurzfristig eher nicht. Technisch funktioniert das, aber im Luftraum über einer Stadt halte ich das für eher schwierig. Wenn Stabilität und Sicherheit das von uns erwartete Niveau erreicht haben, können wir uns Koopera­tionen mit anderen Unternehmen auf diesem Gebiet vorstellen. Wir konzentrieren uns aber auf das, was wir am besten können: den Linienverkehr mit größeren Flugzeugen. Dort ist genügend Wachstum und erst recht genügend Innovationspotenzial. Und das trotz der Besonderheit, dass Airlines mit ihren Flugzeugen prinzipiell eine inflexible und teure Asset-Base haben, bei gleichzeitig sehr flexibler Nachfrage.

Und wie lösen Sie dieses Dilemma?

Langer: Typischerweise mit Planungssystemen, die genau dazu da sind, beides aufeinander abzustimmen. Diese sind bislang stets für bestimmte Gruppen entwickelt, also beispielsweise Bauteiltypen oder ganze Kundensegmente, und sie arbeiten mit relativ langen Vorlaufzeiten. Das beschleunigt sich nun in Richtung Echtzeit und nimmt stärker Bezug auf Individuen, also beispielsweise auf ein spezifisches Bauteil mit der Seriennummer XY. Jeder, der Mobilität bereitstellt, benötigt Zugriff auf sichere, zuverlässige und hochverfügbare Assets mit entsprechenden Kapazitäten. Die Wartung, die man für diesen sicheren und hochverfügbaren Betrieb einer Flotte benötigt, wird daten­getrieben verfeinert, und individuelles Verhalten von Flugzeugkomponenten wird in Echtzeit prognostizierbar. Auch daran arbeiten wir, mit unserer Plattform AVIATAR. Generell passiert gerade viel Spannendes: Heute noch getrennte Industrien werden verschmelzen, und man wird Wettbewerbern begegnen, die man aktuell noch gar nicht als solche wahrnimmt. Manche Autohersteller betreiben ja heute schon Flotten, vielleicht sehen wir das auch in unserer Industrie. Gleichzeitig bieten sich damit Chancen auf Kooperationen, wie wir sie heute noch nicht kennen.

Teil 1: Wie man bei Lufthansa das Reisen neu denkt

Teil 2: Yilu: Lufthansa plant Reise-Operating-System

Teil 3: Lufthansa: Forschen an der Reise von morgen

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