Vordenker Rechtswesen: Mit Künstlicher Intelligenz zu natürlicher Empathie

Persönlicher Notfallmanager: LegalTech Jura Direkt verbessert Kundenservice

Mit seinem LegalTech Jura Direkt will Domenico Anic juristische Arbeit effektiver, transparenter und kostengünstiger machen. Zum Beispiel mit rechtssicheren Online-Vollmachten.

Domenico Anic ist geschäftsführender Gesellschafter von Jura Direkt. Der 46-Jährige war zuvor als Finanzberater tätig

Domenico Anic ist geschäftsführender Gesellschafter von Jura Direkt. Der 46-Jährige war zuvor als Finanzberater tätig (Illustration: JDB MEDIA/Philipp Möller)

Das Rechtswesen revolutionieren, ähnlich wie es FinTechs im Finanzbereich und InsurTechs im Versicherungswesen gemacht haben: Dieses Ziel verfolgen LegalTechs. Sie digitalisieren und automatisieren die juristische Arbeit, um sie effektiver, transparenter und kostengünstiger zu machen. Jura Direkt gilt in Deutschland als LegalTech der ersten Stunde. 2011 hat Dome­nico Anic zusammen mit seiner Frau Ute das Unternehmen gegründet. Online bieten sie rechtssichere Patienten- und Sorgerechtsverfügungen sowie Vorsorge- und Unternehmervollmachten an.

DUB-UNTERNEMER-Magazin: Machen Sie mit Ihrem LegalTech den Anwalt überflüssig?

Domenico Anic: Wir wollen ergänzen, nicht ersetzen. Verfügungen und Vollmachten kommen bei uns nicht aus einem Dokumentengenerator, sondern werden individuell von Anwälten gefertigt. Bei uns unterstützt IT die juristische Dienstleistung.

Mit welchen Herausforderungen wurden Sie seit der Gründung vor acht Jahren konfrontiert?

Anic: Ich hatte großes Glück, vor der Gründung von Jura Direkt schon mehrmals richtig gescheitert zu sein. Somit war ich persönlich unternehmerische Herausforderungen gewohnt. Meine Frau kam relativ früh mit an Bord. Somit konnten wir zusammen kämpfen. Und das mussten wir auch.

Wer oder was hat Ihnen den Start erschwert?

Anic: Anfangs galt es, in einem Markt, der noch kein LegalTech kannte, die IT-basierte Begleitung zur Erstellung juristischer Dokumente zu etablieren. Das mussten die Juristen erst akzeptieren. Der Widerstand gegen uns war sehr groß. Inzwischen haben wir sogar Produktlösungen für unsere „Angreifer“ entwickelt. Jeden „Angriff“ haben wir in aktive Unternehmensberatung umgewandelt. Das war ein physisch wie psychisch anspruchsvoller Weg, der meine Frau und mich – nach einer anfänglichen Schockstarre – nur noch entschlossener gemacht hat, Kundenservice im Rechtswesen zu forcieren.

Was zeichnet in Ihren Augen ein LegalTech aus?

Anic: Per se soll es dem Kunden den Zugang zu juristischen Dienstleistungen erleichtern. Allerdings glauben viele Unternehmer in diesem Sektor, eine Skalierbarkeit des Geschäftsmodells und tolle IT-Tools seien die ganze Miete. Das sehe ich nicht so. Wir gehen nicht den einfachen Weg des Legal­Techs und setzen nur viel IT ein. Bei uns gehört zur Dokumentenerstellung noch die individuelle Arbeit des Juristen – gepaart mit persönlichem Rundumservice. Denn ich bin mir sicher, dass Kunden jeder Altersgruppe ihre Fragen gern von einem echten Menschen beantwortet haben wollen.

Welcher digitale Megatrend verändert Ihr Unternehmen derzeit besonders stark?

Anic: Ganz klar Big Data. Das ist für uns elementar wichtig, um die Kundenbetreuung und den Notfallservice schnell und effizient zu gewährleisten. Es gibt uns die Möglichkeit, vor allem auch die Angehörigen immer mit im Boot zu haben. Wir haben aktuell über 40.000 Kunden, die zirka 150.000 Angehörige in Vorsorgevollmachten und/oder Patientenverfügungen bevollmächtigt haben. Gute Daten zur Familie und zur gewünschten Vorgehensweise im Notfall sind für uns als persönlicher Notfall­manager für die Familie des Kunden entscheidend, wenn dieser wegen Unfall oder Krankheit selbst keine oder nur eingeschränkt Entscheidungen treffen kann.

Welches Potenzial sehen Sie bei Künstlicher Intelligenz?

Anic: Künstliche Intelligenz, besonders der Bereich ­Dokumente lesen und auswerten, steht aktuell für uns im Fokus. Das wird das Rechtswesen stark verändern. Ich bin mir sicher, dass ­Berater Künstliche Intelligenz nutzen können, um Kunden noch ­fundierter und empathischer im jeweiligen Fachgebiet zu begleiten. Letztlich verbessert das die Beratung. Die Technik unterstützt also, doch Geschäfte werden zwischen „echten“ Menschen gemacht.

Das Unternehmen: Für mehr als 40.000 Kunden verwaltet das Nürnberger LegalTech Jura Direkt Vollmachten und Verfügungen – und unterstützt die Angehörigen im Notfall.

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