Vordenker Software: „Die Großen müssen viel schneller werden“

innosabi: Mit Innovationsmanagement-Software die Produktentwicklung beschleunigen

­Daimler, Siemens, Bayer: Sie alle nutzen die Innovationsmanagement-Software von innosabi. Mitgründerin Catharina van Delden erklärt, was „agile innovation“ für sie bedeutet und was passieren muss, um diese Denke in der Industrie noch weiterzuverbreiten.

Catharina van Delden ist nicht nur Mitgründerin und CEO von innosabi sondern engagiert sich auch als Mitglied im Bitkom-Präsidium und anderen Gremien für die digitale Transformation.

Catharina van Delden: Die Gründerin und CEO von innosabi gestaltet die digitale Transformation aktiv mit – als Mitglied im Bitkom-Präsidium, im Beirat Süd der Deutschen Bank und im Beirat „Junge Digitale Wirtschaft“ des Bundeswirtschaftsministeriums (Illustration: JDB MEDIA/Philipp Möller)

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Mit welchen Herausforderungen kommen Ihre Kunden zu Ihnen?

Catharina van Delden: Sie fragen sich im Kern alle, ob es ihr Unternehmen in ein paar Jahren noch geben wird, wenn sie so weitermachen wie bisher. Gerade große Unternehmen tun sich schwer, in der Digitalisierung die nötige Geschwindigkeit aufzunehmen, um sich weiterzuentwickeln. Wettbewerber wie Apple, Google und viele Start-ups drängen in die klassischen Industrien. Die gehen Produktentwicklung und Innovation mit einem ganz anderen Mindset an, mit mehr Offenheit und Transparenz. ­Unsere Ingenieurkultur setzt eher auf kleine Teams, die im Verborgenen tüfteln. Wer zu uns kommt, weiß, er muss diese Kultur ändern.

Wie genau wollen Sie mit Ihren Produkten weiterhelfen?

van Delden: Bei innosabi ging es immer schon um Innovationsmanagement. Erst als Beratungsangebot mit der Crowdsourcing-Plattform UnserAller, seit einigen Jahren mit unserer Software. Im Kern sind das Kollaborationstools, mit denen Innovationsprozesse zu skalieren sind. Denn heute gilt: Jeder kann eine gute Idee haben, auch außerhalb seines Jobprofils. Um im Geschwindigkeitswettbewerb mitzumischen, muss das Innovationsökosystem Mitarbeiter, Zulieferer, Partner und Kunden einschließen. Bayer kann mit unseren Tools durch Supplier-Innovation sieben Monate früher am Markt sein. Das ist enorm. Bei Daimler partizipieren mehr als 100.000 Menschen an der Plattform. Unser neuestes Feature ist eine Künstliche Intelligenz, welche die Sprache der Innovation versteht und so hilft, Menschen im Konzern zusammenzubringen.

Agilität ist ein Buzzword. Wie definieren Sie „agile innovation“?

van Delden: Basierend auf dem agilen Manifest der Softwareentwicklung haben wir vier Prinzipien. Erstens: Offenheit über Geheimhaltung. Wie gesagt, das fällt vielen Unternehmen noch schwer. Außerdem: Prototypen über Finalität. Produkte sind ständig in der Weiterentwicklung – also „always in beta“. Kollaboration über Transaktion. Die ersten Ansätze für „open innovation“ waren Ideenwettbewerbe. Doch da gibt es immer einen Gewinner, der für seine Idee belohnt wird, und viele Verlierer, deren Ideen hinten runterfallen. Das demotiviert. Wir nehmen viele intrinsisch motivierte Menschen im Evaluationsprozess mit. Schließlich: Anpassungsfähigkeit über Widerstand. Die Umstände, etwa Kundenbedürfnisse, wandeln sich immer schneller. Wir helfen uns deshalb gegenseitig, sind flexibel und wiederholen Strategien und Vorgehensweisen. Unsere Kurzdefinition von „agile innovation“ lautet: „Simply creating epic shit faster.“

Kritiker bemängeln: Viele Ideen in Konzernen bleiben in der Schublade und kommen nicht auf den Markt. Wie reagieren Sie darauf?

van Delden: Keiner unserer Kunden hat zu wenige Ideen. Doch alle fragen sich, welche sie priorisieren sollen. Mit agilen Innovationsprozessen hat man einen großen Hebel – man kann das Wissen vieler Kunden, Mitarbeiter oder Partner anzapfen. So findet man schneller heraus, welche Ideen weiterverfolgt werden sollen und welche möglichst früh verworfen werden, da sie kein Kunden­bedürfnis befriedigen. Das löst das Geschwindigkeitsproblem.

Wie etabliert sind agile und kundenzentrierte Prozesse heute?

van Delden: Es hat sich viel verändert. Wirklich alle Groß­unternehmen beschäftigen sich mit Design-Thinking und kundenzentrierteren Prozessen. Es gibt Digital-Units und Corporate-­Accelerator-Programme. Jetzt kommt es darauf an, über das Ausprobieren am Ball zu bleiben und echten Impact zu entwickeln. Doch die ersten Chief Digital Officers sind schon frustriert: Ihnen fehlen Ressourcen, um nachhaltig etwas zu verändern.

Das Unternehmen: innosabi ­entwickelt Software für Innovationsmanagement und unterstützt Firmen bei der Einführung von „agile innovation“- und Crowdsourcing-Prozessen.

Teil 1: innosabi: Mit Innovationsmanagement-Software die Produktentwicklung beschleunigen

Teil 2: Innovationsmanagement mit agilem Crowdsourcing

Teil 3: Catharina van Delden: wie innosabi zum Agile Innovation-Profi wurde

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