Vordenker Software: „Die Großen müssen viel schneller werden“

Innovationsmanagement mit agilem Crowdsourcing

4 Prinzipien agiler Innovation: Offenheit über Geheimhaltung, Prototypen über Finalität, Kollaboration über Transaktion, Anpassungsfähigkeit über Widerstand.

Arbeitsgrundlage: Das Team von innosabi hat die Prinzipien der agilen Softwareentwicklung auf das Innovationsmanagement umgemünzt (Illustration: JDB MEDIA/Philipp Möller)

Wie steht es in Sachen Innovation um den deutschen Mittelstand?

van Delden: Gerade der Mittelstand hat unsere Wirtschaft insgesamt stark gemacht. Viele Unternehmen sind durch ihre Innovationen groß geworden und das bietet weiterhin großartige Chancen. Aber viele Unternehmer sind heute, glaube ich, noch nicht bereit Bestehendes anzufassen, um es nicht kaputt zu machen. Sie sollten sich aber auf ihr früheres Innovationspotenzial besinnen und sich, auch mit der Unterstützung von digitalen Start-ups, weiterentwickeln. Gerade bei der Digitalisierung von Prozessen sehe ich viele Chancen. Umgekehrt können sich Gründer hier sehr gut positionieren, quasi als digitale Zulieferer für Industrie und Mittelstand. Das funktioniert aber nur, wenn der Mittelstand auch bereit ist, Kunde von diesen Start-ups zu werden.

Perspektivwechsel: Die agile, iterative Produktentwicklung bedeutet, dass auch Kunden anders ticken müssen. Wie funktioniert das Ihrer Erfahrung nach in B2C und B2B?

van Delden: Im B2C-Kontext war Social Media ein klarer Vorreiter. Einzelne Kunden haben eine ganz andere Stimme dem Unternehmen gegenüber, bringen sich anders ein. Unternehmen können ihre Kunden einfacher nach deren Meinung befragen. Im B2B-Bereich ist die Motivation häufig ein bisschen anders. Da nutzt ein Kunde ja meine Produkte und Dienstleistungen, um selbst mehr Umsatz generieren zu können. Wenn ich mich als B2B-Kunde einbringe, und Produkte verbessere, kann ich ultimativ selbst mein Business verbessern. Es entstehen häufig auch neue Geschäftspartnerschaften.

Gibt es auch Fälle, in denen Sie Ihren Kunden von einer Umstellung auf agile Prozesse abraten?

van Delden: Nicht wirklich. Selbst Unternehmen, die weiterhin mit dem klassischen Wasserfallprinzip arbeiten, ändern beispielsweise einzelne Komponenten in der Innovationsentwicklung, arbeiten etwa mit unseren Plattformen, um ihre Kunden besser zu verstehen oder um Prototypen zu testen. Generell denke ich, dass es für ein Unternehmen nie sinnvoll ist, sofort alles umzustellen, weil man dann auf große Widerstände stoßen wird. Am Anfang muss man schauen, wo man mit Veränderungen den größten Impact erzielen kann.

Ihre Software macht agile Innovationsprozesse skalierbar. Lohnt sich das erst ab einer bestimmten Anzahl an Stakeholdern in den Prozessen?

van Delden: Unsere Plattformen haben natürlich eine gewisse Komplexität und lohnen sich deshalb erst für Unternehmen mit einer bestimmten Größe. Allerdings muss man da auch differenzieren. Die IHK München und Oberbayern ist zum Beispiel allein betrachtet eine kleinere Organisation. Aber die haben natürlich ein riesengroßes Stakeholder-Netzwerk, was den Einsatz unserer Tools wiederum sinnvoll macht. Intern nutzen wir unsere Software mit unseren 50 Mitarbeitern auch.

Sie haben den Wandel in der Unternehmenskultur angesprochen, den es braucht, um schneller und flexibler Innovationen zu entwickeln. Dabei spielt Leadership eine wichtige Rolle. Was ist Ihre Meinung zu einer neuen Art der Führung, als Innovationsexpertin und als Chefin?

van Delden: Klassische hierarchische Führung hat definitiv ausgedient und weicht einer menschlicheren Führungskultur. Im Zentrum steht für mich das Enablement. Und das legt sehr viel Wert darauf, dass Mitarbeiter mehr Verantwortung übernehmen, sich selbst entwickeln und sich entfalten können. Dafür müssen sie in einem Arbeitsumfeld agieren können, in dem sie sich frei und sicher fühlen und auch mal Fehler machen können. Das klingt erstmal nach einer bunten, heilen Welt, hat für mich aber mit knallharter Performance zu tun. Ich bin fest überzeugt davon, dass Mitarbeiter Höchstleistungen bringen, wenn sie ihr Bestes einbringen können. Fehler sind okay, wenn du an die Grenzen deiner Leistungsfähigkeit gehst und aus diesen Fehlern dann auch etwas lernst. Führungskräfte müssen aber klar kommunizieren: Das ist unsere Vision und so kannst du dich einbringen, um diese mit voranzutreiben.

Teil 1: innosabi: Mit Innovationsmanagement-Software die Produktentwicklung beschleunigen

Teil 2: Innovationsmanagement mit agilem Crowdsourcing

Teil 3: Catharina van Delden: wie innosabi zum Agile Innovation-Profi wurde

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