An die Kette gelegt

Blockchain und Diamanten: Leanne Kemp

Das ewige Kriseninvestment Diamanten und die gehypte Technologie Blockchain miteinander verknüpfen? Die Australierin Leanne Kemp hat genau das mit Everledger getan. Eine Pionierarbeit – und noch lange nicht das Ende.

 Die Blockchain belegt die Herkunft von Diamanten

Sicherheit: Die Blockchain belegt die Herkunft von Diamanten (Foto: Getty Images/AptTone und JDB MEDIA/Steffi Georgie)

Die Geschichte mit der Asche wirft ein bezeichnendes Licht darauf, wie Leanne Kemp mit Herausforderungen umgeht: offen. Die Gründerin von Everledger ist Australierin und hat in den Weiten von Queensland ein Haus. Man kann es sich lebhaft vorstellen: draußen die sonnendurchglühten Weiten von Down Under, drinnen das Surren der Klimaanlage.

Und ein Keramikgefäß, nicht unähnlich einem Tee­behältnis. Ist es aber nicht. Das musste schon so mancher ihrer Gäste erfahren – von Kemp händeringend aufgefordert, doch bitte nicht die Asche ihrer Mutter mit heißem Wasser aufzubrühen. Berichtet die „Financial Times“. Eine offene Frau eben.

Und zudem eine kreative Person. Denn mit Diamanten und Blockchain hat sie zwei Bereiche miteinander verschmolzen, die zuvor nichts miteinander zu tun hatten. Diamanten, über denen immer ein wenig die bange Frage nach der Herkunft schwebt. Blutdiamanten etwa finanzieren oft Bürgerkriege. Und Blockchain, diese gehypte Technologie, macht Daten sicher und gleichzeitig für jeden einsehbar.

Kemp arbeitete bei der Juwe­lierkette Phenix Jewellery und hat diverse FinTechs gegründet. Sie weiß daher, dass Diamanten mit zweifelhafter Herkunft Versicherungen viel Geld kosten können. Und sie weiß, dass moderne Technologie unkonventionelle Lösungen ermöglicht. Warum also nicht den Diamanten eine Art digitales Siegel aufdrücken, das dank Blockchain nicht veränderbar ist – sie also quasi an binäre Ketten legen? 2015 gründete sie Everledger.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Warum haben Sie Blockchain und Diamanten zusammengebracht?

Leanne Kemp: Die Erfahrungen aus der Diamanten­branche waren äußerst hilfreich – von den Problemen mit Konfliktdiamanten bis hin zu fehlenden Standards für verantwortungsvolle Geschäftspraktiken. Zu nennen sind etwa die Undurchsichtigkeit der Lieferkette und das mangelnde Vertrauen zwischen Interessengruppen und Versicherungsunternehmen, die mit hohen Betrugsrisiken konfrontiert waren. Das alles waren für mich klare Hinweise darauf, dass der Schlüssel zur Lösung derartiger Probleme darin besteht, Transparenz entlang der Lieferkette zu schaffen, um die Her­kunft der Steine verfolgen zu können. Die Kernmerkmale der Blockchain bieten optimale Bedingungen für diese Rückverfolgbarkeit – und damit für ein Maß an Transparenz, auf das alle Beteiligten vertrauen können.

Lockt das Wort „Blockchain“ eigentlich Kunden?

Kemp: Das Wort „Blockchain“ hat tatsächlich seinen ganz eigenen Effekt. Wir wenden jedoch auch andere neue Technologien sowie forensische Wissenschaft in unserer Lösung an. Natürlich haben wir Kunden, die keine Ahnung haben, was sie sich darunter vorstellen sollen. Und wir haben Kunden, die das alles nicht richtig einordnen können – Letztere hauptsächlich aufgrund der öffentlichen Diskussionen über die Blockchain als Handelsplattform für Krypto­währungen und damit vor allem für Bitcoin.

Teil 1: Blockchain und Diamanten: Leanne Kemp

Teil 2: Über die Zukunft und das Diversity-­Verhältnis

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