Die Denke des Masterminds

Jeff Bezos' neue Ziele: stationärer Handel und Gesundheitswesen

Doch damit nicht genug. Der Konzern lockt seine Kunden auch zu sich. Genauer gesagt in die Amazon-Go-Shops. 2016 wurde das erste stationäre Geschäft in Seattle eröffnet, bis 2021 sind 3.000 Läden in den USA geplant. Im vergangenen Weihnachtsgeschäft gab es für eine Woche einen Pop-up-Store in Berlin. Das Besondere an den Läden: Sie haben keine Kasse. Kameras und Sensoren erfassen, welche ­Produkte aus den Regalen genommen werden. Sie landen automatisch in der Kasse der Smartphone-App. Was sich wie Ladendiebstahl anfühlt, zeigt, wozu Amazon im Bereich Künstliche Intelligenz und Internet of Things inzwischen fähig ist. Und es liefert Bezos noch mehr von seinem Lieblingsrohstoff: Daten.



Was Jeff Bezos inspiriert

Bücher sind Amazons Keimzelle. Sie prägen den Ausnahmeunternehmer nachhaltig und liefern ihm Ideen für neue ­Geschäfte.
Kazuo Ishiguro: The Remains of the Day.
Obwohl Bezos-Biograf Brad Stone („The Every­thing Store“, 2014) schreibt, dass sich der Amazon-Gründer mehr von Geschichten als von Sachbüchern inspirieren lasse, ist dies der einzige Roman unter seinen Lieblingsbüchern. Das 1989 veröffentlichte Werk des Literaturnobelpreisträgers handelt von Pflichterfüllung.
Sam Walton: Made in America. In seiner 1992 erschienenen Autobiografie beschreibt der Walmart-Gründer die Prinzipien des Discount-Einzelhandels und die eigenen Werte: Einfachheit und den Drang, vieles auszuprobieren ohne Angst vor Fehlern. Diese Werte hat Bezos in seine Firmenphilosophie integriert. Das Buch ist mehrfach auf Deutsch erschienen.
Nassim Taleb: The Black Swan. Der Bestseller aus dem Jahr 2008 handelt vom zweifelhaften Wert von Vorhersagen angesichts folgenschwerer Ereignisse, für die es keinerlei Anzeichen gegeben hat – beispielsweise die weltweite Finanzkrise.


 

Amazon als Krankenkasse?

Aber auch bei der horizontalen Integration hat Bezos viele heiße Eisen im Feuer: Prime-Kunden können Musik und Videos zu Kampfpreisen streamen. Das Werbegeschäft wird auf Hochtouren ausgebaut, womit Amazon in direkte Konkurrenz zu Google und Facebook tritt. Mitte Februar schluckte der Konzern den WLAN-Spezialisten Eero und macht Ikea mit zwei eigenen Möbelmarken Konkurrenz. Und mit der Übernahme der Online-Apotheke Pillpack im Juni 2018 könnte der Startschuss zum Angriff auf den Gesundheitsmarkt gefallen sein. Wenige Monate zuvor hatte Amazon bereits mit der größten US-Bank JPMorgan Chase sowie Berkshire Hathaway, der Beteiligungsgesellschaft des Star-Investors Warren Buffett, eine Krankenkasse für Mitarbeiter gegründet. Offiziell nannte Bezos die horrenden Gesundheitskosten in den USA als Grund für die Kooperation. Wer auf die Zwischentöne achtet, kann sehr wohl die Ambitionen des Projekts erahnen. „Unser Ziel ist es, Lösungen zugunsten unserer US-Angestellten, ihrer Familien und – möglicherweise – aller Amerikaner zu finden“, deutete Partner und JPMorgan-Chef Jamie Dimon an.

Vielleicht wird es auch in Deutschland eines Tages die Amazon-Krankenkasse geben. Schließlich ist nichts ausgeschlossen. Nicht in der Welt von Jeff Bezos: ­„Viele Unternehmen haben begrenzte Märkte. Wir nicht.“ Allerdings werden auf beiden Seiten des Atlantiks momentan Verfahren wegen Wettbewerbsmissbrauchs geprüft. Ironie der Geschichte: Am Ende könnte Bezos nur der eigene Erfolg im Weg stehen.

Teil 1: Mit diesen Erfolgsregeln hat Jeff Bezos Amazon an die Weltspitze gebracht

Teil 2: Das Amazon-Geschäftsmodell passt auf eine Serviette

Teil 3: Wie Jeff Bezos aus einem Fehlschlag den Game Changer Alexa macht

Teil 4: Jeff Bezos' neue Ziele: stationärer Handel und Gesundheitswesen

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