me Convention: Digitalisierung im Musikbusiness

Felix Jaehn: Der menschliche Connect zählt

Felix Jaehn ist als DJ und Musikproduzent erfolgreich. Wie er mit Social Media und der Digitalisierung im Musikgeschäft umgeht und was Roboter nicht ersetzen können, erzählt er im DUB UNTERNEHMER-Interview.

Auf der Bühne ist Felix Jaehn in seinem Element. Im Interview teilt er seine Ansichten zu Social Media und der digitalisierung in der Musikbranche.

Auf der Bühne ist Felix Jaehn in seinem Element. Im Interview teilt er seine Ansichten zu Social Media und der digitalisierung in der Musikbranche (Fotos: JDB MEDIA/Felicitas Daxner, PR)

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Unternehmer oder Marke, als was würdest du dich eher beschreiben?

Felix Jaehn: Beides tatsächlich: Ich bin Unternehmer, ich bin Marke und, was natürlich ganz wichtig ist, bin ich auch Künstler. Das ist eigentlich mein Hauptschaffen, denn damit habe ich angefangen. Doch mittlerweile hat sich um meine Kunst, um meine Musik, ein Unternehmen gebildet. Ich habe ein großes Team und einige Firmen, die meine Partner sind. Dementsprechend gibt es die unternehmerische Seite in mir. Der Name Felix Jaehn, das Logo und mein Aussehen baut sich Stück für Stück zur Marke auf.

Social Media ist wichtig für uns alle, aber vor allen Dingen für Künstler wie dich. Wie gehst du damit um? Verspürst du dahingehend Druck?

Jaehn: Ja, natürlich hat Social Media das ganz große Potential, sich selbst unter Druck zu setzen. Denn man bekommt immer nur die schönen Posts von Leuten zu sehen, die irgendetwas Tolles erleben und sich und ihr Leben bestens inszenieren. Und wenn man zuhause auf der Couch liegt und sich das den ganzen Tag anguckt, neigt man natürlich dazu, sich schlecht zu fühlen. Und ähnlich geht es mir auch, wenn ich etwas poste. Man versucht immer ein tolles Foto zu machen, etwas zu inszenieren, möglichst viele Likes zu bekommen. Aber ich glaube von diesem Druck muss man sich einfach freimachen – ich werde immer besser darin. Im Grunde existiert Social Media, um mit Menschen in Kontakt zu treten und diesen zu halten. Ich nutze die Plattformen natürlich privat mit meinen Freunden. Aber genauso auch mit meinen Fans, um sie an meinem Leben teilhaben zu lassen, um zu teilen, was mich bewegt. Dann ist Social Media eine total schöne Sache, die viele Vorteile bietet.

Glaubst du, dass du in Zukunft noch mehr aus deinem privaten Leben zeigen musst, um in der Branche weiterhin zu bestehen?

Jaehn: Ich weiß nicht, wie viel mehr ich noch zeigen könnte, ehrlich gesagt. Ich glaube schon, dass meine Fans, die mir wirklich auf allen Kanälen intensiv folgen, ein erschreckend gutes Bild von mir haben. Meine Community weiß teilweise besser über mich und mein Leben Bescheid, als meine besten Freunde. Denn sie verfolgen wirklich alles mit: wo ich aktuell bin, was ich gern esse oder wen ich treffe. Doch es gibt auch Momente, die ich nicht teile. Zum Beispiel, wenn ich nach Hause komme, Zeit mit meinen Freunden verbringe oder in der Heimat bin. Diese Momente möchte ich voll und ganz wahrnehmen und genießen. Und mich eben nicht die ganze Zeit darauf fokussieren, wie ich das jetzt möglichst schön dokumentiere.

Stichwort digitale Transformation und Roboter-DJs: Denkst du, dass dein Job automatisiert werden könnte?

Jaehn: Nein, das glaube ich nicht. Am Ende funktioniert das Ganze nur, wenn man Menschen bewegt. Klar, es gibt sicherlich auch Shows, die von Robotern gespielt werden – in Zukunft vielleicht sogar noch mehr als heute. Aber ich glaube daran, dass dieser menschliche Connect etwas ganz Besonderes ist. Und ich spiele ja nicht einfach nur stumpf Songs. Die Fans kaufen sich ein Ticket, weil sie mir folgen, weil sie mich sympathisch finden, weil sie die Musik gern hören und weil sie die Inhalte mögen, für die ich stehe. Bei diesen Events findest ein zwischenmenschlicher Austausch statt. Und ich denke, dieser wird nach wie vor wichtig sein.

Für dich gibt es also keinen Grund zur Sorge.

Jaehn: Nein. Für mich gibt es ohnehin keinen Grund zur Sorge, weil ich genau das mache, was mir Freude bereitet. Ich versuche jeden Tag einen möglichst guten Job zu machen, und dabei so viel Spaß wie möglich zu haben. Wenn das Auflegen irgendwann nicht mehr so gut läuft, fokussiere ich mich vielleicht noch mehr auf das Produzieren oder auf die wirtschaftlichen Aspekte. Ich habe gerade beispielsweise meinen eigenen Verlag gegründet, worüber ich mich bereits selbst gesigned habe. Und ich kann mir auch vorstellen, in fünf, zehn oder 20 Jahren, nicht mehr selbst als Künstler im Mittelpunkt zu stehen, sondern im Hintergrund die nächsten jungen Künstler, die neue Generation, aufzubauen. Es heißt ja, innerhalb der Musikindustrie und Entertainment-Branche sind die Möglichkeiten grenzenlos. Es gibt viele verschiedene Berufe, die mich interessieren würden. Ich bin mir fast sicher, wenn ich fit und gesund bleibe, dass ich noch eine lange Zukunft haben werde.


Teil 1: Der menschliche Connect zählt

Teil 2: Digitale Plattformen als Chance für Nachwuchskünstler

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