me Convention: Digitalisierung im Musikbusiness

Felix Jaehn: Digitale Plattformen als Chance für Nachwuchskünstler

Austausch: Felicitas Daxner (l.) und Vanessa Rusert vom DUB UNTERNEHMER-Magazin trafen Felix Jaehn zum Interview

Austausch: Felicitas Daxner (l.) und Vanessa Rusert vom DUB UNTERNEHMER-Magazin trafen Felix Jaehn zum Interview (Foto: JDB MEDIA/Felicitas Daxner)

Würde es dir was ausmachen, wenn du dich zurücknimmst und dann eher im Hintergrund agierst?

Jaehn: Ja, schon. Aber im Positiven. Es würde dabei helfen, ein „normaleres Leben“ zu führen. All das, was ich erleben darf, ist zwar echt schön – aber extravagant. In tollen Hotels zu wohnen, abgeholt zu werden, alles wird organisiert, du musst dich um nichts kümmern, außer um deine Kunst. Du musst dir nicht überlegen, wann du Wäsche wäschst oder was es zum Abendessen gibt. Diese ganzen alltäglichen „Probleme“ oder „Herausforderungen“ bestehen nicht. Daher ist es schon ein sehr von der Realität abgeschirmtes Leben, man wohnt in seiner kleinen Blase. Mir fehlt oft die Normalität, deswegen könnte ich mir schon vorstellen, dass ich mich irgendwann bewusst aus dem Mittelpunkt zurückziehe.

Wie gehst du mit Erfolgsdruck um? Verspürst du ihn oft?

Jaehn: Ich verspüre ihn schon oft. Der Erfolgsdruck ist allgegenwärtig. Gerade natürlich durch Social Media. Aber auch durch neue Plattformen wie Streaming-Dienste. Ich habe sozusagen täglich ein Live-Feedback meines Erfolgs auf dem Markt: Ich kann immer sehen, in welchem Land bin ich wie platziert, wie läuft der Song? Oder wie viele Likes kriegt ein Foto, wie viele Follower habe ich diese Woche gewonnen oder gar verloren. Das verleitet dazu, sich zu vergleichen, sich unter Druck zu setzen, man möchte immer weiter. Keiner möchte sich verschlechtern – doch so ist das Leben nicht. Es geht nicht immer weiter nach oben. Stattdessen gibt es Höhen und Tiefen. Und ich glaube, wenn man sich dessen bewusst ist, dann lässt man sich nicht von kleinen Misserfolgen zu sehr die Laune verderben. Weil man einfach weiß, dass es weitergeht und die nächsten Erfolge kommen.

Du hast das Thema Streaming bereits angesprochen. Welche Chancen und Risiken siehst du in der Digitalisierung für die Musikindustrie?

Jaehn: Es gibt verschiedene Ebenen. Eine riesige Chance, die für mich enorm heraussticht ist, dass viele junge Künstler, wie ich es selbst bin, ohne ein großes Team, ohne Marketingbudget oder Sponsoren starten können. Jeder, der was zu erzählen hat, etwas teilen möchte, der etwas kreiert – egal welche Art von Inhalt oder Kunst– hat eine Plattform. Und ich glaube, dass sich gute Sachen, die Menschen berühren, die andere Menschen toll finden, durchsetzen. Denn wenn man einen Song hochlädt, jemand hört ihn und wenn er ihn gut findet, schickt er ihn noch einer Freundin oder einem Freund, ist die Verbreitung organisch. Die Schwierigkeit ist jedoch, sich aus der Masse hervorzuheben. Das ist ein gesunder Wettbewerb, der seine Akteure noch mehr dazu zwingt, die Qualität zu bewahren. Eine der Problematiken ist, um zurück auf Social Media zu sprechen zu kommen, dass man vermehrt in seinen Nischen bleibt. Es gibt jede Menge Algorithmen, die dir alles herausfiltern, was du nicht sehen möchtest.

Wie empfindest du die diesjährige me Convention? Du hast die letzten zwei Tage mit einem Gig eröffnet und hast Mentor Sessions gehalten.

Jaehn: Ich finde es total spannend. Es ist das erste Mal, dass ich als Mentor Speaker aufgetreten bin. Als ich die Anfrage dafür bekommen habe, wollte ich zunächst absagen. Ich habe alle für verrückt erklärt und gesagt: „Hey, ich bin 24, da kommen wahrscheinlich Top-Manager, was soll ich denen noch erzählen?“ Dann habe ich mich aber überreden lassen und mich von diesem Druck freigemacht, den ich mir selbst gemacht habe. Das Ergebnis: Es ist total super gelaufen. Im Endeffekt geht es eben nicht darum, einen perfekt ausformulierten Vortrag zu halten, sondern viel mehr von meinem Leben, meinen Erfahrungen und meinem Umgang mit den Medien zu berichten. Ich gehe happy und stolz aus dieser Sache heraus – und bin wieder einen Schritt über mich hinausgewachsen.

Teil 1: Der menschliche Connect zählt

Teil 2: Digitale Plattformen als Chance für Nachwuchskünstler

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