Knowhow von KMU Unternehmen sehr begehrt

Dauerbrenner Digitalisierung: Viel Potential für M&A-Deals in der IKT-Branche

Geschäftsübernahmen und Firmenverkäufe, kurz M&A, in der IKT-Branche sind noch ausbaufähig. Begehrt sind KMU Unternehmen, die Digitalisierungsprofis sind. Überdurchschnittlich häufig kommen die Käufer aus dieser Branche.

Begehrte Geschäftsübernahme: Immer mehr KMU Unternehmen stehen wegen ihrer Digital-Expertise im Fokus von M&A Übernahmen

Mittelständische Firmen aus der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT), für die die Digitalisierung kein Fremdwort ist, rücken immer mehr in den Fokus von Aufkäufern. Das zeigt eine Untersuchung der KfW-Bank. Die meisten Übernahmen, die auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zielen, werden jedoch nicht von Finanzinvestoren durchgeführt, sondern von IKT-Wettbewerbern, so ein weiteres Ergebnis der Studie.

Dass Deutschland in Sachen Digitalisierung noch nicht gut aufgestellt ist, belegt in diesem Zusammenhang eine aussagekräftige Zahl. Zwischen 2014 und 2016 hat nur jedes vierte KMU Unternehmen ein Digitalisierungsprojekt erfolgreich abgeschlossen. Rund 13,9 Milliarden Euro wurden 2016 für diese Art von Vorhaben ausgegeben. Zum Vergleich: Für Investitionen in Maschinen, Gebäude und Einrichtungen wurden im gleichen Zeitraum 169 Milliarden Euro ausgegeben.

Digitales Knowhow von KMU Unternehmen begehrt

Bei der Digitalisierung hapert es vor allem an den IT-Kompetenzen der Beschäftigten, zeigt eine gemeinsame Studie der KfW-Bank und dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Die Studienautoren weisen auf die Möglichkeit hin, sich durch die Geschäftsübernahme in diesem Bereich nicht nur neue Technologielösungen, sondern auch digitales Knowhow ins Haus holen zu können.

Dabei schwankt die Zahl der Firmenkäufe in der IKT-Branche in dem untersuchten Zeitraum 2005 bis 2017 stark. So fanden die wenigsten Deals 2010 statt, damals waren es 150. Die meisten Übernahmen gab es 2008 mit 250. In 2017 waren es 170 Deals in der IKT-Branche. Ein nachhaltig steigender Trend ist damit seit Mitte der 2000er-Jahre nicht festzustellen.

Angebote für eine Geschäftsübernahme

Auch der Anteil der auf IKT beschränkten M&A-Deals an allen M&A-Deals im deutschen Mittelstand folgt seit 2005 eher einer Seitwärtsbewegung als einem Aufwärtstrend. Im Durchschnitt betrug der Anteil 19 Prozent, er variierte zwischen 16 und 21 Prozent. Zum Vergleich: Im verarbeitenden Gewerbe fanden mit 34 Prozent die meisten M&A-Deals statt.

Bei der Betrachtung des Themas ist es allerdings zwingend, zu differenzieren. So hat sich die Zusammensetzung der M&A-Deals in der IKT-Branche seit 2005 entscheidend geändert. In 51 Prozent aller IKT-Deals waren im Zeitraum 2005 bis 2008 IT-Dienstleister das Objekt der Begierde. Seit 2013 stieg dieser Anteil auf 63 Prozent an. Auch der Anteil an IKT-M&A-Transaktionen, die einen Informationsdienstleister zum Ziel hatten, ist deutlich gestiegen – von sechs Prozent im Zeitraum 2005 bis 2009 auf rund 16 Prozent seit 2009. Ihre jährliche Zahl hat sich im betrachteten Zeitraum mehr als verdoppelt – von durchschnittlich 13 in den Jahren 2008 auf 32 zwischen 2013 bis 2017.

Geschäftsübernahmen von KMU Unternehmen meist aus dem IT-Sektor

Wie die Untersuchung überdies zeigt, sind die Käufer in der Regel ebenfalls IT-Dienstleister, die durch die Übernahme auf anorganisches Wachstum ihrer Firma setzen. In der Folge konsolidiert sich der Markt in dieser Branche. Aber auch andere Branchen liebäugeln mit dem Erwerb von IKT-Firmen. Beispiel Finanz- und Versicherungsdienstleister: seit 2013 ging es bei rund 7 Prozent der M&A-Transaktionen um einen IT-Dienstleister als Übernahmeobjekt. Bei den übernehmenden Firmen handelt es sich aber um Beteiligungsunternehmen oder Fondsgesellschaften, die weniger ein strategisches Interesse haben. Im Gegensatz dazu setzt das verarbeitende Gewerbe bei seiner digitalen Transformation offenbar nur in gewissem Maße auf Beteiligungen an mittelständischen IKT-Firmen. Der Anteil der IT-Dienstleister im Zielgruppenmix des verarbeitenden Gewerbes stiegt im betrachteten Zeitraum nur moderat von drei auf gut vier Prozent.

Wenn die Aufkäufer aus dem Ausland kommen, so ein weiteres Ergebnis der Studie, dann handelt es sich häufig um die USA. Der Anteil inländischer Investoren lag zwischen 2005 und 2008 bei durchschnittlich 76 Prozent. Seitdem hat das Interesse ausländischer Käufer deutlich zugelegt. Seit 2013 liegt der Anteil europäischer Käufer bei rund 24 Prozent, der Anteil US-Käufer bei 13 Prozent.

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