„Strebe nach Großem“

Digitaler Megatrend: Automatisierung

Innovation ist für jedes Unternehmen überlebenswichtig, um wettbewerbs- und zukunftsfähig zu bleiben. Wie fördern Sie das?

Bret-Stern: Innovation ist unser zentraler Wert. Deshalb wollen wir unsere Mitarbeiter nicht motivieren müssen. Wir brauchen Leute, die bereits motiviert sind. Ein anderer wichtiger Wert verbirgt sich hinter unserem Motto: „Strebe nach Großem und gehe über deine Grenzen hinaus“. Manchmal gelingt das nicht. Aber das ist okay – solange man es wirklich versucht. Wir haben außerdem zwei engagierte Teams, eins im Marketing und das andere in der Produktentwicklung. Die Mitglieder beider Teams pflegen einen regen Kontakt zu unseren Kunden.

Das Stichwort Produktentwicklung fiel bereits. Nach welchen Kriterien entwickeln Sie Pipedrive weiter?

Henk: Es gibt keinen schnellen Weg, um gute Produkte zu entwickeln. Man muss sich in erster Linie sehr intensiv mit dem Kunden und seinen Bedürfnissen befassen. Denn es geht nicht darum, Produkteigenschaften um ihrer selbst willen zu entwickeln, sondern darum, die Probleme des Kunden zu lösen. Ein Mittel dafür sind Hackathons. Dabei finden sich Mitarbeiter für einige Tage zusammen, um neue Ideen zu entwickeln. Manche sind etwas verrückt, andere Ideen sind überraschend und am Ende erfolgreich.

Welcher digitale Megatrend hat den größten Einfluss auf Ihr Unternehmen?

Henk: Die Automatisierung. Die Bereitschaft, manuell zu arbeiten, sinkt rasant. Eine Entwicklung, bei der ich gespannt bin, was sich noch tut, ist Targeting. Anders als im Marketing haben sich Targeting und Personalisierung im Vertrieb noch nicht durchgesetzt.

Daten spielen in einer durchdigitalisierten Gesellschaft eine zentrale Rolle. Neue Gesetze sich nur ein Zeichen dafür, dass das im allgemeinen Bewusstsein angekommen ist. Wie schützen Sie Ihr Unternehmen und Ihre Kunden vor Hackerangriffen und Datenmissbrauch?

Henk: Wir haben ein sehr gutes, engagiertes Sicherheits- und Datenschutzteam. Dessen Leiter ist die paranoideste Person, die ich je gesehen habe. Dieses Team hat sehr deutlich gemacht, dass jeder einzelne Mitarbeiter für die Datensicherheit verantwortlich ist – nicht nur das Sicherheits- und Datenschutzteam. Das hat unser tägliches Handeln verändert. Wir gehen zum Beispiel anders mit Datenanfragen um, denken darüber nach, auf welche Links wir klicken und was sie installieren. Das sind kleine Dinge, aber es summiert sich am Ende.

Bret-Stern: Außerdem wird für jedes kleine Datenstück festgelegt, welcher Mitarbeiter es sehen und mit wem es geteilt werden darf. Und es gibt regelmäßige Schulungen zum richtigen Umgang mit Daten.

Derzeit wird viel Lärm um die neue europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) gemacht. Könnte die neue Gesetzeslage nicht auch neue Geschäftsmodelle schaffen?

Henk: Als europäisches Unternehmen profitieren wir von der DSGVO, insbesondere durch unser Rechenzentrum in Deutschland. Es ist vorstellbar, dass durch diese Regelung Unternehmen entstehen, die Usern dabei helfen, die Daten zu managen, die Firmen über sie gesammelt haben. Oder aber Dienstleister, die Datenanfragen beantworten und automatisch Anfragen zur Datenlöschung stellen, sobald ein vom User definiertes Level überschritten ist.

Teil 1: Cloudbasierte Software

Teil 2: Digitaler Megatrend: Automatisierung

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