Alles bleibt anders

Digitalisierung auf mehreren Ebenen

„Wer liefert was“ hat die Transformation vom Verlag zum Digitalunternehmen geschafft. Doch CEO Peter F. Schmid hat weitere Pläne.

Peter F. Schmid ist seit 2012 CEO des B2B-Online-Marktplatzes „Wer liefert was“
Peter F. Schmid:
ist seit 2012 CEO des B2B-Online-Marktplatzes „Wer liefert was“ (Foto:PR)

Ziemlich dick waren die Bücher, die „Wer liefert was“ bis zum Jahr 2000 herausgab. Der Inhalt: Informationen über Hersteller und deren Produkte. Zuletzt umfasste das Werk sechs Bände. So gut wie jeder gewerbliche Einkäufer nutzte sie. Heute findet sich all das online. Schon Mitte der 1990er-Jahre hat „Wer liefert was“ die Transformation eingeleitet. Mittlerweile, so CEO Peter F. Schmid, sei man eher ein Start-up als ein Verlag. Wo einst Redakteure arbeiteten, sitzen nun Programmierer und Online-Marketing-Manager.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Welche Schritte haben Sie in den letzten Jahren eingeleitet, um Ihr Unternehmen zu transformieren? Und was planen Sie in den kommenden zwei bis drei Jahren?

Peter F. Schmid: Wir sind eines der wenigen Unternehmen in Deutschland, das die digitale Transformation vom Verlag, der 1932 gegründet wurde, hin zum Internet-Unternehmen erfolgreich vollzogen hat. Zwar haben wir bereits Mitte der 1990er-Jahre den Wandel zum Digitalunternehmen mit einer Webplattform technisch eingeleitet; unser Bücher wurden 2000 das letzte Mal gedruckt. Dennoch haben wir unsere Verlags-DNA nie richtig abgelegt. Diesen Prozess habe ich mit meinem Einstieg 2012 eingeleitet. Im Zuge dessen wurden Abteilungen wie Online-Marketing und Webentwicklung geschaffen, die es vorher nicht gab. Da, wo früher Redakteure saßen, sitzen heute Programmierer und Online-Marketing-Manager.

Auch der Vertrieb wurde digitalisiert: Heute arbeiten die rund 65 Außendienstmitarbeiter mit iPad und webbasiertem CRM-System. „Wer liefert was“ und EUROPAGES bringen die B2B-Nachfrage und das -Angebot in Europa zusammen. Auf beiden Plattformen suchen jeden Monat 4,1 Millionen Einkäufer nach Anbietern und Produkten. Mittlerweile sind rund zehn Millionen Produkte auf „Wer liefert was“ verfügbar. Bei dieser Menge ist es elementar, dass unsere Nutzer mithilfe intelligenter Suchalgorithmen durch wenige Klicks und dank verschiedener Filter schnell zu einer passenden Auswahl an Anbietern und Produkten gelangen. Klingt trivial, ist es in den meisten Fällen jedoch nicht. In Zukunft wollen wir die Daten unserer Kunden nicht nur auf unsere eigenen Marktplätze verteilen, sondern der zentrale Daten-Hub sein, der die B2B-Daten des europäischen Mittelstands auch auf Drittplattformen und E-Procurement-Systeme verteilt.

Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter, die Transformation mitzugestalten?

Schmid: Auch, wenn wir den Wandel vom Verlag zur Internet-Company geschafft haben, sind wir noch lange nicht am Ziel. Bei uns gehört Veränderung zum Alltag. Wer bei uns arbeitet, weiß, dass er das Unternehmen aktiv mitgestalten kann. Und das fordern wir von unseren Mitarbeitern auch ein. Im Gegenzug beziehen wir sie in viele Entscheidungen mit ein. Transparenz ist einer der wichtigsten Werte, die wir uns selbst auferlegt haben. Alle sechs Wochen präsentiert das Management allen Mitarbeitern in einem firmenweiten Meeting den aktuellen Stand – von den Umsatzzahlen bis zur Produktentwicklung. Heute ist „Wer liefert was“ ein bunter Mix aus jungen Talenten, bewährten Kräften und internationalen Mitarbeitern. Mittlerweile sind wir eher Start-up als ehemaliges Verlagshaus und bezeichnen uns daher gern als Re-Start-up.

Welche Megatrends verändern Ihr Unternehmen derzeit besonders stark?

Schmid: Wir agieren international mit unserer französischen Tochter EUROPAGES und Entwicklerteams in Litauen. Daher sind Collaboration, New Work und agiles Arbeiten wichtig. Diese Themen sind nicht unbedingt neu, helfen uns aber im Alltag, flexibel und schnell reagieren zu können. Zudem entwickeln wir uns immer mehr zu einer Data-Driven-Company. Wir werten viele Parameter aus, auf deren Grundlage wir Entscheidungen treffen. Um diese Daten verwalten sowie verständlich und anschaulich aufbereiten zu können, gewinnt das Thema Business Intelligence enorm an Bedeutung.

Teil 1: Digitalisierung auf mehreren Ebenen

Teil 2: Marketing-Mix für ein erfolgreiches Digitalmarketing

Teil 3: Kerngeschäft: Digitaler B2B-Marktplatz für KMU

 

 

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