Schlaues Stromnetz

Digitale Energiewirtschaft

Energieunternehmen können von der digitalen Transformation enorm profitieren, sagt EWE-Technikvorstand Dr. Urban Keussen. Worauf sich das Unternehmen vorbereitet.

Der Physiker ist seit März 2018 bei dem Energieunternehmen EWE tätig, wo er das Ressort Technik im Vorstand leitet (


Dr. Urban Keussen:
Der Physiker ist seit März 2018 bei dem Energieunternehmen EWE tätig, wo er das Ressort Technik im Vorstand leitet (Foto: PR)

Auswerten, analysieren, antreiben: Das Aufgabengebiet von Energieunternehmen weitet sich in Zukunft aus. EWE-Technikvorstand Dr. Urban Keussen über neue Möglichkeiten und große Wünsche.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Wodurch zeichnet sich die digitale Energiewirtschaft aus?

Dr. Urban Keussen: Durch die digitale Transformation entsteht eine Optionenvielfalt, die zwar auf der einen Seite sehr komplex ist, auf der anderen Seite aber auch deutlich mehr Transparenz bringt. Last- und Einspeiseverhalten der angeschlossenen Kunden lassen sich beispielsweise konkreter prognostizieren. Gleichzeitig steigt die Genauigkeit in der Netzplanung und -führung. Die Energiewende steht in Zukunft zwar vor einigen Herausforderungen. Die Digitalisierung fördert dennoch eine preisgünstige, verbraucherfreundliche und umweltverträgliche Versorgung.

Wind, Wasser, Sonne oder Biomasse: Welche Versorgungsvariante setzt sich durch?

Keussen: Auch in Zukunft besteht weiter ein Mix aus Ressourcen – je nach Region. Im Norden Deutschlands dominiert die Windenergie, während der Süden aufgrund von mehr Sonnenstunden attraktiv für Photovoltaik-Anlagen ist. Für Wasserkraft wiederum sind die verfügbaren Standorte nahezu ausgereizt.

Smart Cities benötigen Smart Grids. Wie intelligent muss das Stromnetz der Zukunft sein?

Keussen: Für den Großteil aller denkbaren Anwendungen einer Smart City ist die Verfügbarkeit von Daten eine zentrale Grundvoraussetzung. So auch für die Energieversorgung. Dafür braucht es jedoch leistungsfähige Datennetze, weshalb der Aus-bau der Glasfaserinfrastruktur unbedingt Prio-rität haben sollte. Flexibilität ist ein weiteres Stichwort: Konventionelle Kraftwerke haben früher immer so viel Energie produziert, wie gerade benötigt wurde. Intelligente Stromnetze haben zukünftig mehr Möglichkeiten. Ein Beispiel dafür sind Elektrofahrzeuge: Diese werden dann nicht in der Lastspitze geladen, sondern wenn die Netzauslastung gerade gering oder die Einspeisung regenerativer Anlagen hoch ist.

Energiekunden entwickeln sich immer häufiger zu Produzenten. Wie hoch dürfte der Anstieg an privaten Versorgern bis zum Jahr 2025 ausfallen?

Keussen: Die Zahl der Selbstversorger steigt weiter an. Für unser Netzgebiet gehen wir davon aus, dass sich die Zahl privater Photovoltaik-Anlagen bis zum Jahr 2030 verdoppelt. Der Wunsch, selbst ein Teil der Energiewende zu sein, ist bei vielen Kunden groß. Unternehmen wie EWE bieten auf diesem Weg die richtige Unterstützung.

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