Schaffung eines Standards für die Industrielle Indoor-Lokalisierung (IIL)

Google Maps für die Industrie

Das Ziel ist nichts Geringeres als die Schaffung der Grundlage eines Standards für die Industrielle Indoor-Lokalisierung (IIL). Eine Art Google Maps für die Werkshalle stellen sich Prof. Thorsten Schüppstuhl und Prof. Jochen Kreutzfeldt von der TUHH darunter vor.

Standard für Industrielle Indoor-Lokalisierung IIL

Google Maps für Werkhallen: Kooperation von Industrieunternehmen und Wissenschaft soll Standards für die Industrielle Indoor-Lokalisierung schaffen. (Foto: pixabay / falco)

Die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft birgt große Potenziale, um Innovationen auf den Weg zu bringen. Die Kooperationen werden häufig in Konsortien mehrerer Unternehmen mit einem oder mehreren Lehrstühlen durchgeführt. Dass auch ein Zusammenschluss aus Mitbewerbern erfolgreichen Technologietransfer betreiben kann, zeigt die Kooperation der Industrieunternehmen Jungheinrich AG, Still GmbH, Pepperl+Fuchs GmbH und Sick AG mit der Technischen Universität Hamburg (TUHH).

Das Ziel ist nichts Geringeres als die Schaffung der Grundlage eines Standards für die Industrielle Indoor-Lokalisierung (IIL). Eine Art Google Maps für die Werkshalle stellen sich Prof. Thorsten Schüppstuhl und Prof. Jochen Kreutzfeldt von der TUHH darunter vor. Das IT-System soll ganz andere Anforderungen erfüllen als bestehende geobasierte Anwendungen.

„Schon seit einigen Jahren arbeite ich in den Bereichen Qualitätssicherung, Fertigung, Montage und Handhabung mit dem Thema Lokalisierung. Ein Schwerpunkt ist die Programmierung von Robotern, die selbständig die Überprüfung und Reparatur von Flugzeugrümpfen durchführen“, berichtet Prof. Schüppstuhl, der das Projekt initiierte. Bevor die Roboter Schrauben einsetzen oder Risse beheben können, muss der exakte Ort in der Werkshalle ausfindig gemacht werden, an dem der Vorgang getätigt werden soll. Diese Lokalisierung spielt sich in Bereichen unter einem Millimeter ab, was eine große Herausforderung darstellt.

Da es aktuell erst wenige digitale Applikationen für die IIL gibt und von diesen keine alle Aufgaben und Rahmenbedingungen beinhaltet, hat sich Schüppstuhl an die Innovations Kontakt Stelle Hamburg gewandt. Die von Handelskammer Hamburg und der Stadt Hamburg eingerichtete Institution sollte relevante Unternehmen gewinnen für die gemeinsame Entwicklung eines allgemeingültigen Referenzsystems, das auch als Standard genutzt werden kann.

Für Prof. Kreutzfeldt hat das Projekt beste Bedingungen: „Erfolg in der anwendungsorientierten Forschung setzt heute in vielen Fällen eine Zusammenarbeit mit innovativen, industriellen Partnern voraus. Substantielle Fortschritte werden insbesondere dann möglich, wenn diese Partner – wie in unserer Kooperation – gemeinsam einen hohen Stand des technischen Wissens und der technologischen Entwicklung in die Projektarbeit einbinden.“

Nicht nur die Wissenschaftler, sondern auch die Unternehmer sind vom gemeinsamen Projekt überzeugt: „Für die STILL GmbH gilt es im Speziellen, die Erfahrungen in der mobilen Robotik und Automatisierung von Warenlägern in die Erstellung der Referenzarchitektur zur Indoor-Lokalisation (RAIL) mit einzubringen. Dabei möchten wir die Verbreitung mobiler Roboter im intralogistischen Bereich vorantreiben und zukünftig die Einrichtaufwände für automatisierte Transporte minimieren und flexibilisieren,“ so Tino Krüger-Basjmeleh über die Motivation der Teilnahme seines Unternehmens. Die RAIL ist bewusst als OpenSource-Software angelegt und bildet damit die Grundlage, um neue Dienstleistungen zu entwickeln – nicht nur in der Logistikbranche.

Dies bestätigt auch Martin von Werder für die Jungheinrich AG. Er weist darauf hin, dass die Schaffung von Standards in diesem Bereich auch und gerade unter dem Gesichtspunkt der Kosten eine grundlegende Voraussetzung zur Implementierung von Lokalisierungstechnologie in automatisierten Flurförderfahrzeugen darstellen.

Dr. Christoph Reinke vom Sensorhersteller Sick sieht das Potenzial, eine Automatisierung von möglicherweise bis zu 25 Prozent aller Gabelstapler, d.h. 250 000 Fahrzeuge pro Jahr innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre, zu realisieren. Aus der Kooperation zieht er neue Erkenntnisse über die Anforderungen an die eigenen Systeme. Auch das bessere Wissen über die Systeme der Unternehmenspartner sowie neue Lösungen, die auf Basis des aktuellen Forschungsstandes umgesetzt werden können, sind für ihn sehr hilfreich.

Für seinen Mitbewerber Dr. Werner Neddermeyer von Pepperl+Fuchs bildet der Austausch mit den Industrie- und Wissenschaftspartner die Grundlage, um die Navigationssensorik für den Nahbereich zu entwickeln. Optimierte Schnittstellen zum System und den Fahrzeugsteuerungen sind für ihn die Voraussetzung der gemeinsamen Entwicklung eines Standards.

Für Schüppstuhl resultiert das Potenzial des Technologietransfer-Projekts nicht nur aus den Anwendungen, die direkt einen großen Nutzen entfalten, sondern auch aus der Summe von vielen kleinen Beiträgen von Services, die bisher nicht wirtschaftlich realisierbar waren: „Als Google begann bestehende Karten mit Satellitenbildern, Luftaufnahmen, 3D-Modellen, Community-Infos und weiterem anzureichern, war auch nicht absehbar welche Applikationen heute darauf gewinnbringend zugreifen. Wir hoffen mit diesem Projekt den Grundstein zur zukünftigen Freisetzung derartiger Kreativität im industriellen Indoor-Bereich zu legen“.

Die Potenziale der Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft sind groß, doch müssen auch Herausforderungen gemeistert werden: Eine besteht in der Zusammenarbeit mit den Mitbewerbern. Daher wurden klar abgegrenzte Themenbereiche formuliert. Darüber hinaus wurde mit einer Geheimhaltungserklärung gearbeitet, die eine weitere Basis der Zusammenarbeit bildet. In Kooperationen mit der Wissenschaft spielt häufig die Sorge mit, dass Wissenschaftler zu viele Informationen in Veröffentlichungen preisgeben – auch dies wurde in der Erklärung genau geregelt.
Die Ausführungen zeigen, dass ein Industrielles IIL-Systems eine Vielzahl neuer und unterschiedlicher Anwendungsmöglichkeiten bietet: Die Prozesse wandeln sich von der klassischen Produktion hin zu individualisierten Systemen, die autonom und digitalisiert arbeiten. Daher stehen Unternehmen im Zeitalter von Industrie 4.0 vor der Herausforderung, alle Werker wie Gabelstapler, Routenzüge und auch sämtliche Werkstücke und Werkzeuge zu koordinieren. Die Lokalisierung bildet die Basis für die genaue Koordination und auch alle entwickelten Funktionalitäten wie autonomes Fahren oder die Kommunikation von Maschinen mithilfe von Software untereinander.

Aktuell erstellen einige Unternehmen ein einfaches digitales Abbild der eigenen Werkshallen mithilfe von Sensoren und Kameras. Für die neuen Anforderungen autonomer und individualisierter Produktion fehlt diesen insbesondere die notwendige Verknüpfung von Informationen aus verschiedenen Quellen sowie die erforderliche Genauigkeit in der Verortung von Ressourcen. Auf dem Weg zur Digitalisierung und der zukünftigen Ausschöpfung ihres Potenzials kann das derzeit praktizierte Vorgehen also nur einen ersten Zwischenschritt darstellen.


Innovations Kontakt Stelle (IKS) Hamburg

vermittelt zwischen Wirtschaft und Wissenschaft

Das Beratungs- und Vermittlungsangebot der IKS richtet sich an Unternehmen, die Unterstützung/Kooperationspartner für die Umsetzung ihres innovativen Vorhabens suchen.

Das Innovationsnetzwerk der IKS bietet direkte Kontakte zu den wissenschaftlichen Einrichtungen in Hamburg.

  • Zielgerichtete Vermittlung und Vernetzung passender Projektpartner, Experten und weiterer Akteure im Innovationsprozess
  • Identifizierung des Potenzials von FuE-Kooperationen im Unternehmen
  • Auswahl und Vermittlung von Unterstützungsangeboten in Hamburger Netzwerken
  • Die Leistungen der IKS sind kostenfrei. Ein Partner (Unternehmen oder Hochschule) einer Kooperation sollte seinen Sitz in Hamburg haben.

    Adolphsplatz 6, 20457 Hamburg
    Telefon: 36138-368
    E-Mail: kontakt@iks-hamburg.de
    www.iks-hamburg.de

    Die IKS Hamburg wird im Rahmen der InnovationsAllianz Hamburg von der Hamburger Wirtschaft und Wissenschaft in enger Verzahnung mit den Behörden getragen.

Das interessiert andere Leser

  • Bemessung des Unternehmerlohns

    Für jede Unternehmensbewertung ist im Aufwand ein drittvergleichsfähiger Unternehmerlohn anzusetzen. Wie hoch ist er anzusetzen, welche Maßstäbe gelten dafür?

  • Gewinnspiel zum Buch "Familienexternes Management im Mittelstand"

    Wir verlosen drei Fachbücher zum Thema Unternehmensnachfolge außerhalb der Familie. Weitere Informationen zum Buch und zum Gewinnspiel gibt es hier.

  • Oasen zum Verlieben

    So langsam steigt wieder die Lust auf Wellnessurlaub. Das DUB UNTERNEHMER-Magazin und Travelcircus stellen drei der schönsten Spa-Tempel in Deutschland und Österreich vor.

  • Thomas Röhler: „Sport-Stipendiat des Jahres“

    Der Olympiasieger und Europameister im Speerwerfen ist zum „Sport-Stipendiat des Jahres 2018“ gekürt worden. Die Deutsche Bank verdoppelt nun sein Stipendium für die nächsten 18 Monate auf 800 Euro.

  • Digitale Kundenansprache meistern

    Bei der digitalen Customer Journey haben deutsche Unternehmen noch Nachholbedarf. Professor Julian Kawohl von der Hochschule für Technik und Wirtschaft erläutert, wo es hakt.

  • Franchisesystem Town & Country Haus wird Preisträger des Hausbau-Design Awards 2018

    Erster Platz in der Kategorie „Bungalows“ – so lautete das Ergebnis des diesjährigen Hausbau-Design Awards für einen Entwurf von Town & Country Haus.

  • FranchiseExpo18 – ein Rückblick auf Deutschlands größte Franchise Messe

    Die Franchise Expo 2018 war für DUB.de und die gesamte Franchise-Szene ein voller Erfolge. Ein Resümee.

  • Moderne Klassik

    Als besonders robust und zuverlässig gelten die mechanischen Zeitmesser des Frankfurter Herstellers Sinn Spezialuhren. Das liegt an eigens entwickelten technologischen Lösungen.

  • Zeit ist Qualität

    Guter Champagner braucht einen guten Wein. Und drei Zutaten: Leidenschaft, Handwerk sowie Geduld. Wir haben die Geheimnisse des Edel-Schaumweins vor Ort bei Bertrand Lhopital erkundet.

  • Volle Pulle Vintage

    2.000 Kilometer von Nordschottland nach Südengland. Ein Erlebnis auf knorrigen alten Motorrädern und neue Heritage-Bikes. Bei der „The Great Mile“ dabei: unser Autor Ralf Bielefeldt.

  • Stromern, nicht knattern

    Elektromobilität ist modern, trendig und umweltfreundlich. Doch auch E-Autos sind in überfüllten Städten ein Fehler. Die Alternative: der elektrisch angetriebene Roller Unu.

  • Schneller Deal - Franchisegeber in der mobilen Fritteusenreinigung

    Zügig und effizient läuft die Suche nach Franchisenehmern bei FiltaFry ab. Im besten Fall vergeht von der Bewerbung bis zur Vertragsunterzeichnung nur ein Monat. Wobei achtet der Franchisegeber bei der ...

  • Reite die Welle

    Die Balance halten – darum geht es beim Surfen wie in der Wirtschaft. Wie das Beispiel von Robby Naish zeigt. Seine Entwicklung vom Weltklassesurfer zum erfolgreichen Unternehmer.

  • Drei Tage Willenskraft

    Im Face-Camp von Box-Champion und Ideengeber Wladimir Klitschko arbeiten Führungskräfte an einer persönlichen Herausforderung. Ein Selbstversuch von Redakteur Arne Gottschalk.

  • „Brauchen digitalere DNA“

    Frank Thelen fordert und fördert in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ junge Start-ups. Der Bundesrepublik verordnet er ein 360-Grad-Aufputschpaket für Wagniskapital.

  • Titelthema: Märchenhafte Reise

    Ob Dax-Konzern oder Familienbetrieb, Start-up oder Traditionsunternehmen, B2B oder B2C: Kaum etwas wird in Chefetagen so heiß diskutiert wie die Customer-Journey.

  • Eigene Firma gründen: Das sind die ersten Schritte

    Frei von den Zwängen des Angestelltendaseins: das ist nur ein Motiv, ein Unternehmen zu gründen. Folgende Liste bietet Tipps für einen erfolgreichen Start.

  • Jetzt bewerben: Deutscher Exzellenz-Preis 2019

    Die top-besetzte Jury des Deutschen Exzellenz-Preises kürt Herausragendes. Entscheiderinnen und Entscheider können sich in allen Award-Kategorien noch bis zum 1. Oktober 2018 bewerben.

  • Mit Franchise um die ganze Welt

    Viele Geschäftsideen, die in Deutschland großen Erfolg haben, stammen ursprünglich aus dem Ausland. Nach Deutschland kamen sie via Franchise und bieten für Gründer viele Möglichkeiten.

  • Unternehmensnachfolge - die richtigen Werte zählen

    Unternehmensnachfolge Beratung braucht Empathie - nicht nur Branchenexpertise und Unternehmertum werden gesucht, sondern auch die richtige Vision fürs Unternehmen.

  • Wie intelligent ist mein Unternehmen?

    Gratis: DUB startet Deutschlands größte Unternehmer-Umfrage – zusammen mit KPMG und den Hochschulen in Paderborn und Regensburg. Am Schnelltest teilnehmen und sofort Auswertung erhalten!

  • Unternehmensnachfolge per Management-Buy-Out

    Ein Management-Buy-Out bietet für alle Parteien eine Chance, ihre Ziele zu erreichen - ob Unternehmer, Führungskraft oder Vermögensinhaber

  • Entdeckt euch!

    Pascal Finette sucht und findet die Antworten auf die Frage „What’s next?“. Der Dozent der Singularity University stellt sich dem redaktionellen Kreuzfeuer in Hamburg. Das Ergebnis: ein Weckruf.

  • Angriff aufs Irrationale

    Welche Mechanismen machen Google, Amazon und Co. so erfolgreich? In seinem Buch „The Four“ wagt Marketingprofessor Scott Galloway einen Erklärungsversuch.

  • „Unser Gründerspirit lockt Firmen an“

    Vor Kurzem stieg Daimler beim Uber-Konkurrenten Taxify ein. Riina Leminsky, von der Wirtschaftsförderung Enterprise Estonia, erklärt, weshalb deutsche Unternehmen in Estlands Start-ups investieren sollten.

  • “Refugien der Mechanik”

    Viele Freunde edler mechanischer Uhren lieben auch historische Fahrzeuge. Wilhelm Schmid fördert mit seiner Uhrenmanufaktur A. Lange & Söhne den legendären Oldtimer-Wettbewerb „Concorso d’Eleganza Villa ...

  • Nachfolgeberater Pro und Kontra

    Der Verkauf der eigenen Firma ist einer der sensibelsten und komplexesten Geschäftsprozesse, die es gibt. Die Auswahl eines seriösen Beraters kann dem Verkäufer Zeit, Geld und Ärger ersparen.

  • Standortanalyse für Franchisebetriebe
    Standortanalyse für Franchisebetriebe

    Es liegt in der Verantwortung des Franchisenehmers, sich über die Chancen und Risiken eines in die engere Wahl gezogenen Standortes eingehend zu informieren und sie zu bewerten.

  • Gelungene Firmenübernahme

    Praxis-Beispiel: Nach dreieinhalb Jahren geduldiger Suche konnte Loes Fröhlich sein Maschinenbau-Unternehmen erfolgreich an einen Nachfolger übergeben. Was waren die Erfolgsfaktoren?

  • Neue TV-Show - Unternehmen sucht Nachfolger

    Gemeinsam mit Pro TV Produktion sucht DUB Unternehmenskäufer für mehrere Betriebe in NRW. Die Sendung wird im Herbst ausgestrahlt. Jetzt bewerben!

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick
Das interessiert andere Leser