„Prozesse vereinfachen"

IT-Sicherheit geht bei der Debeka vor

Disruptive Entwicklung? Die gibt es im Versicherungsbereich bislang nur bedingt, sagt Uwe Laue, Vorstandsvorsitzender der Debeka-Versicherungsgruppe.


Uwe Laue:
Der 61-Jährige ist seit Juli 2002 Vorstands-Chef der Debeka-Versicherungsgruppe. (Foto: PR)

Ein junges Unternehmen hat es Debeka-Chef Uwe Laue angetan: Ottonova, ein weitgehend digitaler privater Krankenversicherer. Die Gründung 2015 sei mutig gewesen, sagt Laue. Vor allem wenn man bedenke, dass aus der Politik immer wieder Rufe nach einer Abschaffung der privaten Krankenversicherung laut werden. Die Debeka ist finanziell an Ottonova beteiligt. Laue möchte aus den Erfahrungen des Start-ups lernen und Positives auf sein Unternehmen übertragen.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: In Deutschland findet technologischer Wandel traditionell eher evolutionär statt revolutionär statt. Sind wir zu wenig disruptiv?

Uwe Laue: Ich glaube, die von vielen beschworene disruptive Entwicklung findet gerade im Versicherungsbereich nur bedingt statt. Zwar bringt die Digitalisierung grundlegende Veränderungen für die Branche mit sich. Allerdings sind diese nicht revolutionär, sondern ergänzen das Geschäftsmodell oder vereinfachen gewohnte Prozesse. Wir entwickeln uns derzeit beispielsweise in der Krankenversicherung vom reinen Kostenerstatter zum umfassenden Gesundheitsdienstleister.

Was meinen Sie damit genau?

Laue: Es gehört dazu, digitale Leistungen anzubieten, von denen kranke, aber auch gesunde Menschen profitieren. Zudem eröffnet die Digitalisierung Chancen in der ärztlichen Behandlung, zum Beispiel durch Telemedizin, die wir als Versicherer unterstützen.

Welches Digitalprojekt schieben Sie derzeit an?

Laue: Wir erstatten unseren Mitgliedern jährlich über 60 Millionen Rechnungen. Das ist ein wichtiger Ansatzpunkt für die Digitalisierung. Wir werden den Mitgliedern in Kürze ein vollständig digitales Rechnungsmanagement zur Verfügung stellen, mit dem auch die Leistungsabrechnung über ein Portal erfolgt.

Was wird Ihr Unternehmen am stärksten verändern?

Laue: Langfristig sehe ich hier das Thema Künstliche Intelligenz. Sie wird das Zusammenleben, aber auch die Versicherungswirtschaft grundlegend verändern. Dennoch bin ich der festen Überzeugung, dass menschliche Arbeit auch künftig unerlässlich ist. Versicherungen benötigen nach wie vor Fachleute, die Entscheidungen treffen und Kunden betreuen.

Wie gehen Sie mit gestiegenen IT-Risiken um, etwa durch Betriebsspionage oder Hacker-Attacken?

Laue: Ich sehe darin eine große, ernst zu nehmende Bedrohung für die Gesellschaft. Das Thema IT-Sicherheit hat für uns sogar einen hohen Stellenwert, weshalb wir zunehmend in den Bereich investieren. Als Versicherer kann ich dem aber auch Positives abgewinnen. So sind diese Risiken Ansatzpunkte für neue Absicherungsbedarfe und Versicherungsfelder.

Ab Mai gelten die strengen Regeln der Datenschutz-Grundverordnung. Wie bereiten Sie sich darauf vor?

Laue: Gerade wir als Versicherer wissen, dass persönliche und sensible Daten vor Missbrauch geschützt werden müssen. Deshalb ist es notwendig, dass Unternehmen ihre Prozesse überprüfen und Lösungen entwickeln, um die Datenschutz-Grundverordnung und das Bundesdatenschutzgesetz umzusetzen. Ich möchte aber nicht verhehlen, dass ich bei aller Notwendigkeit gewisse Herausforderungen bei der Umsetzbarkeit der Datenschutz-Grundverordnung sehe. Bei uns sind zurzeit mehr als 100 Mitarbeiter damit beschäftigt – ein immens aufwendiges und teures Unterfangen.

Teil 1: IT-Sicherheit geht bei der Debeka vor

Teil 2: Mitarbeiter in der Digitalisierung mitnehmen

Teil 3: Social Media sind ein „Must have“

 

 

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