Es fehlt an agilem Vorgehen

Teil 3: Digital Workplace und Diversity

Atos engagiert sich auch auf dem Gebiet der Quantencomputer ...

Morgenstern: Genau, wir entwickeln nicht die Hardware, das machen andere, und dies wird auch noch bis 2025 oder 2030 dauern. Aber wir entwickeln eine Simulationssoftware, mit der Forscher herausfinden können, ob und wie sie Quantencomputer einsetzen können. Es ist eine Langzeitinvestition, da wir davon ausgehen, dass die Quantentechnologie tatsächlich in absehbarer Zeit Realität werden wird. Wir wollen erreichen, dass Europa in der Quantentechnologie eine Stimme haben wird. Der Quantenrechner wird niemals den normalen Rechner ersetzen, weil er für ganz andere Zwecke eingesetzt wird. Mit ihm lassen sich sehr komplexe Prognosen erstellen, etwa chemische Prozesse, das Wetter, ein Kriegsfall oder Entwicklungen in der Landwirtschaft. Außerdem ist Cybersicherheit ein großes Problem, weil Quantencomputer in der Lage sind, hochkomplexe Sicherheitscodes innerhalb von Sekunden zu knacken. Darauf müssen sich die Unternehmen jetzt schon vorbereiten.

Welche zentralen Erfahrungen hat Ihr Unternehmen auf dem Weg der Transformation gesammelt, die sich auch auf andere Unternehmen übertragen lassen?

Morgenstern: Wir sind eines der größten IT-Unternehmen in Deutschland und unsere effektiven Ausbildungsprogramme sind herausragend. Als Dienstleister bringen wir Geschäfts- und Technologiedenken zusammen, auf diesem Gebiet stehen wir ganz weit vorn. Und wir geben Kreativität und Innovationen im Unternehmen den nötigen Freiraum. Eines der Programme, die wir gerade stark voranbringen, ist Innovation, gemeinsam mit unseren Kunden, und zwar auf den zwei großen Gebieten Industrie 4.0 und Arbeit 4.0. Atos ist einer der weltgrößten Anbieter des „Digital Workplace“. Wir unterstützen unsere Kunden dabei, digitale Arbeitsplätze einzurichten, nicht nur im Büro, sondern auch in der Fabrik oder in Wartungsunternehmen.

Inwiefern sind für Atos Start-ups interessant?

Morgenstern: Wir wollen mit einigen wenigen gut zusammenarbeiten, die unser Portfolio ergänzen, zum Beispiel kooperieren wir in Frankfurt mit einem Fintech-Start-up. Eine Tech-Industrie braucht große und kleine Unternehmen, weil die kleinen Unternehmen das Innovationsdenken mitbringen.

Welche Rolle spielt Diversity in Ihrem Unternehmen?

Morgenstern: Da ich bei Atos die Frau mit der größten Managementverantwortung bin, habe ich eine Vorbildfunktion und natürlich die Verantwortung, Frauen im Technologiesektor weiter voranzubringen. Ich finde, die Technologieindustrie ist sehr geeignet für Frauen, weil sie modern und schnelllebig ist und mit der Digitalisierung noch interessanter wird. Dass in der Technologieindustrie weltweit nur 27 bis 30 Prozent der Beschäftigten Frauen sind zeigt, dass diese Branche ein Problem mit ihrem Branding hat, also als eine Geek-Industrie gilt – obwohl der Job weit über das reine Programmieren hinausgeht. Atos hat sich zum Ziel gesetzt, den Frauenanteil weltweit auf 30 Prozent zu erhöhen. Die Mitglieder im Global Board sind bereits zu 45 Prozent Frauen. In der deutschen Wirtschaft arbeiten in gehobenen Positionen nur 20 Prozent Frauen, in Frankreich sind es 39 Prozent, in Großbritannien immerhin 30 Prozent. Ich versuche gerade herauszufinden, warum der Frauenanteil in Deutschland so niedrig ist. Aber Diversity umfasst auch die kulturelle Vielfalt. Für uns ist beispielsweise die indische Geschäftskultur extrem wichtig und wir müssen verstehen, wie die indischen Unternehmen denken und arbeiten. Und wir brauchen eine große Bandbreite von Altersstufen. Das heißt, wir müssen einerseits die Digital Natives verpflichten, aber andererseits auch diejenigen umschulen, die wie ich vor 30 oder 40 Jahren angefangen haben zu arbeiten. Sie haben noch ein paar Jahre vor sich. Bei den Young Talents probieren wir jetzt ganz neue Arbeitsverträge aus. Die jungen Leute wollen nicht mehr Vollzeit arbeiten, sondern lieber in Teilzeit.

Teil 1: „Digitalisierung muss Chef-Thema werden” 

Teil 2: Mehr Bildung für Cybersecurity und das Internet der Dinge 

Teil 3: Digital Workplace und Diversity

Teil 4: Mit Selbstbewusstsein zur Führungsposition

 

 

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