Es fehlt an agilem Vorgehen

Teil 2: Mehr Bildung für Cybersecurity und das Internet der Dinge 

Wie gut haben sich deutsche Unternehmen auf die kürzlich in Kraft getretene DSGVO eingestellt?

Morgenstern: Offenbar glauben nur 15 Prozent der europäischen Unternehmen, dass sie gut gerüstet sind für die neuen Anforderungen. Da wird es vor allem im Mittelstand noch einen großen Investitionsbedarf geben. Meine Beobachtung ist allerdings, dass die Deutschen den Datenschutz viel ernster nehmen als dies bei den Bürgern in den meisten anderen Ländern dieser Welt der Fall ist. Ich denke, das ist eine Grundvorsichtigkeit der Deutschen, die den Unternehmen jetzt in diesem Punkt zugutekommt. Im Vergleich dazu sind Amerikaner weniger auf Datenschutz eingestellt, weder bei Mitarbeiter- noch bei Kundendaten.

Bringen die Hochschulen genug Nachwuchskräfte hervor, die digitale Impulse setzen können?

Morgenstern: Deutschland hat das gleiche Problem wie viele andere Länder, dass zu wenige technische Fächer studieren. Hier ist genauso die Verbindung von Wirtschaft und technischem Wissen gefragt, also Wirtschaftsinformatik mit Betonung auf Wirtschaft. Da wird der Bedarf bei allen Unternehmen unheimlich wachsen. Der zweite Punkt ist die Praxisnähe, denn Digitalisierungsprojekte sind ja oft agile Projekte, die man schnell in die Praxis umsetzen muss. In puncto Praxisnähe könnten deutsche Hochschulen mehr tun.

Wie streben Sie in Ihrem Unternehmen die Zusammenführung der beiden Wissensgebiete Wirtschaft und Technik an?

Morgenstern: Atos bietet weltweit ein großes Aus- und Weiterbildungsprogramm an, das wir intensiv verfolgen. Es geht darum, die neuen Technologien zu beherrschen und sich etwa mit Cybersecurity und dem Internet der Dinge zu befassen. Der Bedarf ist groß und wir müssen als Unternehmen sicherstellen, dass wir alle unsere Mitarbeiter in diesen neuen Technologien schulen. Der zweite Punkt ist zu gewährleisten, dass unsere Mitarbeiter mehr über unsere Kunden und das Kundengeschäft wissen. Dafür gibt es bei uns zwei Wege: Wir stellen Mitarbeiter ein, die diese Praxisnähe bereits haben. Und wir sorgen dafür, dass unsere Mitarbeiter vor Ort bei unseren Kunden arbeiten und deren Geschäft kennenlernen. Ich schließe mich da nicht aus: Ich habe mir beispielsweise gerade die Produktionsanlage eines Kunden zeigen lassen. Und drittens führen wir gemeinsam mit Kunden Investitions- und Innovationsprojekte durch. Davon profitieren beide, unsere Kunden und unsere Mitarbeiter.

Um welche Projekte handelt es sich dabei?

Morgenstern: Mit Siemens haben wir ein großes Forschungs- und Entwicklungs-Rahmenprogramm, für das beide Firmen gemeinsam Investitionen von 300 Millionen Euro vorgesehen haben. Darüber hinaus diskutieren wir mit unseren Kunden Innovationsprojekte, bei denen wir das Technologiewissen einbringen und mit den Kunden untersuchen, wie sich neue Technologien integrieren lassen. Uns geht es darum herauszufinden: Wie arbeitet der Kunde, welche Herangehensweise ist für ihn die richtige? Diese sogenannten Proofs of Concept dauern höchstens sechs bis acht Wochen und sind im Rahmen der Digitalisierung überall gang und gäbe.

Teil 1: „Digitalisierung muss Chef-Thema werden” 

Teil 2: Mehr Bildung für Cybersecurity und das Internet der Dinge 

Teil 3: Digital Workplace und Diversity

Teil 4: Mit Selbstbewusstsein zur Führungsposition

 

 

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