„In Bewegung bleiben"

Big Data und Künstliche Intelligenz im Banking

Die Digitalisierung dringt in alle Unternehmensbereiche
vor, sagt Stefan Unterlandstättner, CEO der Deutschen Kreditbank (DKB).

Stefan Unterlandstättner: Der heute 55-Jährige ist seit 2013 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Kreditbank
Stefan Unterlandstättner:
Der heute 55-Jährige ist seit 2013 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Kreditbank (Foto: PR)

Stefan Unterlandstättner über Chancen durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz, neue Arbeitsformen und datengetriebene Innovationen.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: In Deutschland haben technologischer Wandel und Innovation in der Regel eher evolutionär und nicht revolutionär stattgefunden. Sind wir zu wenig disruptiv?

Stefan Unterlandstättner: Wir sind bei Innovationen schon immer wieder auch revolutionär unterwegs. In jüngerer Vergangenheit denke ich beispielsweise an die erneuerbaren Energien. Deutschland ist hier für viele Länder ein Vorbild. Allerdings geraten wir bei wichtigen Bausteinen der Digitalisierung ins Hintertreffen. Wir sind noch zu weit weg von der Gigabit-Gesellschaft. Und wir nutzen Big Data zu wenig, um Geschäftsmodelle auszubauen oder zu entwickeln. So könnten wir mittelfristig die Fähigkeit zur Disruption verlieren – und damit Wertschöpfung.

In den USA und Asien werden ohne viele Einschränkungen Benutzerdaten verwertet, in Europa gibt es die „Charta der digitalen Grundrechte“ für Datenschutz und Privatsphäre. Welcher ist der Königsweg?

Unterlandstättner: In Europa und speziell in Deutschland sind die Menschen viel sensibler, wenn es um Daten geht. Beide Ansätze haben ihre Vor- und Nachteile. Grundsätzlich sehe ich es so, dass die Datenhoheit auch künftig beim Kunden liegen muss. Wir dürfen Big Data aber nicht als Bedrohung sehen, sondern sollten es als Chance begreifen. Es kommt wie so oft auf ein gutes Maß an.

Welche digitale Innovation wird Ihr Unternehmen am stärksten verändern?

Unterlandstättner: Aufgrund ihrer vielfältigen Einsatzmöglichkeiten wird Künstliche Intelligenz Wirtschaft und Gesellschaft stark verändern. Die DKB beschäftigt sich deshalb auch immer intensiver mit diesem Thema. So haben wir mit dem FinTech FinReach in einer Pilotphase vor Kurzem beispielsweise einen Chatbot im Bereich Privatdarlehen gestartet. Dieser digitale Kundenassistent arbeitet auf Basis von Künstlicher Intelligenz. Er leitet anhand von spezifischen Fragen den Gesprächsverlauf, erkennt in Echtzeit ein relevantes Produktinteresse und begleitet den Kunden bei der Kreditbeantragung. Sein Einsatz soll schrittweise ausgebaut werden und kann in Zukunft bis hin zum vollständigen Kreditabschluss führen.

Neue Arbeits- und Marketingmodelle bei der DKB

Wie stehen Ihre Mitarbeiter zur Digitalisierung?

Unterlandstättner: Im Privatkundengeschäft sind wir ja eine reine Direktbank. Wir beschäftigen uns also schon sehr lange mit digitalen Prozessen und Innovationen. Doch natürlich gibt es auch bei uns Herausforderungen, denn die Digitalisierung dringt in alle Unternehmensbereiche vor und wird für alle Mitarbeiter immer wichtiger. Dass sich die DKB-Mitarbeiter engagiert mit Digitalisierung und Zukunftsthemen auseinandersetzen, haben wir zum Beispiel beim Thema flexibles Arbeiten festgestellt. Wir nehmen hier gerade am Projekt „Experimentierräume“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales teil. Begleitet vom Fraunhofer-Institut beschäftigen wir uns dabei in Pilotgruppen mit flexiblem mobilem Arbeiten auf Grundlage der neuen digitalen Möglichkeiten. Als wir gefragt haben, wer teilnehmen möchte, gab es sehr viele Teams, die sich dafür meldeten. Wir haben damit also auch auf einen Bedarf reagiert und sind überzeugt davon, dass flexibles Arbeiten die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sehr unterstützen kann.

Wie wichtig sind Wahrnehmung und Bedeutung Ihres Hauses in sozialen Netzwerken?

Unterlandstättner: Als Direktbank im Privatkundengeschäft ist die Wahrnehmung in den sozialen Netzwerken für uns enorm wichtig, aber auch unter den Gesichtspunkten des Employer Brandings. Die Kommunikation auf Facebook, YouTube, Instagram, Twitter, Xing und in unserem Blog ist ein fester Bestandteil unseres Marketingmix. Dabei verknüpfen wir die Kanäle intelligent miteinander und erzählen dort Geschichten zur Marke, zu unserem Sportengagement, unseren Produkten und zur Nachhaltigkeit. Wir stellen uns deshalb immer die Fragen: Passt der Kanal und dessen Community zur DKB, ihren Zielgruppen und Inhalten? Und wenn ja, mit welchen Content-Formaten und –Schwerpunkten positionieren wir uns in dem Kanal? So sind wir zum Beispiel schon seit Jahren bei Facebook aktiv. Es ist ein guter interaktiver Kanal für die direkte Kundenkommunikation, transportiert aber auch unseren Anspruch an Innovation, indem wir zum Beispiel einen 3D-Post zum neuen Kreditkarten-Design machen. Da Instagram sehr visuell und dadurch emotional geprägt ist, lag es nahe, diesen Kanal mit einem Sportschwerpunkt aufzubauen. In unserem Unternehmensblog auf medium.com mit dem Titel "Das kann Bank", erklären wir hingegen innovative Produkte oder wo das Geld unserer Kunden ankommt. Letzteres haben wir aktuell auch in einer Video-Serie für YouTube aufbereitet. Kurzum: Social Media ist für uns ein sehr wichtiges Instrument, um uns mit unseren Kunden, Partnern und Fans auszutauschen.

Wie beurteilen Sie steigende IT-Risiken in einer digitalisierten Gesellschaft, etwa durch Betriebsspionage, Hacker-Attacken oder Negativkampagnen?

Unterlandstättner: Mit zunehmender Digitalisierung steigen natürlich auch die IT-Risiken. Wir können jedoch die Risiken für uns und unsere Kunden minimieren. Daran arbeiten wir in der DKB jeden Tag. Selbstverständlich wollen wir innovativ sein und unseren Kunden ein innovatives und bequemes digitales Banking bieten. Bei uns geht aber kein neuer Service an den Start, bevor wir nicht davon überzeugt sind, dass alle Anforderungen an Sicherheit und Datenschutz erfüllt sind. Das hat für uns höchste Priorität.

Digitale Bildung und War for Talent

Welche Wege und Strategien sind erforderlich, um die gesamte oder zumindest das Gros der Gesellschaft an den Vorteilen der Digitalisierung partizipieren zu lassen und niemanden auszuschließen?

Unterlandstättner: Breitbandausbau und schnelles Internet für alle sind hier wichtig. Wenn man die gesamte Gesellschaft – sowohl in der Großstadt als auch im ländlichen Raum – von den Vorteilen der Digitalisierung überzeugen möchte, dann sind das die Grundvoraussetzungen. Darüber hinaus ist es wichtig, den Arbeitsmarkt und unser Bildungssystem fit für die Herausforderungen zu machen, die die Digitalisierung mit sich bringt. Da denke ich zum Beispiel auch an Aus- und Weiterbildungsprogramme für stark gefragte IT-Berufe.

Inwieweit bringen deutsche Hochschulen in ausreichendem Maß Top-Nachwuchskräfte hervor, die eine Transformation von Unternehmen vorantreiben oder über Start-ups digitale Impulse setzen können?

Unterlandstättner: Im internationalen Vergleich haben wir in Deutschland aus meiner Sicht ein sehr wettbewerbsfähiges Bildungssystem, dass viele Top-Nachwuchskräfte hervorbringt. Dennoch bekommen Wirtschaftsunternehmen in Deutschland den Fachkräftemangel immer stärker zu spüren. Das gilt besonders für bestimmte IT-Berufe. Um für die begehrten Talente aus diesem Bereich attraktiv zu sein, müssen sich die Unternehmen ganz schön ins Zeug legen. Erste Erkenntnisse zeigen, dass die Generation die gerade in den Arbeitsmarkt eintritt, wieder mehr Wert auf Sicherheit, insbesondere Arbeitsplatzsicherheit, legt. Und da haben wir mehr zu bieten, als so manches junge Start-up. Die DKB unterstützt die deutsche Hochschullandschaft zudem seit Jahren mit Stipendien und setzt Trainee- sowie Nachwuchsförderprogramme ein, um gefragte Nachwuchskräfte für sich zu begeistern.

Welchen digitalen Fußabdruck möchten Sie setzen – welches Digitalprojekt schieben Sie persönlich an?

Unterlandstättner: Die Digitalisierungsprojekte in der DKB sind sehr vielfältig und werden eng von meinen Vorstandskollegen und mir begleitet. Mit ihnen werden beispielsweise Kundenmehrwerte durch neue digitale Services geschaffen, Prozesse optimiert oder die Sicherheit noch weiter erhöht. Letztlich durchdringt die Digitalisierung aber jeden Bereich eines Unternehmens und spielt inzwischen in fast allen unseren Projekten auch eine Rolle. Es handelt sich um eine umfassende Transformation, die in irgendeiner Form alle Arbeitsplätze in einem Unternehmen jetzt schon betrifft oder in Zukunft betreffen wird. Aus diesem Grund war mir persönlich auch das erwähnte Projekt „FlexWork“ so wichtig. Dabei geht es ja darum, die Chancen durch die Digitalisierung zu nutzen und dadurch Formen einer neuen und modernen Arbeitswelt zu schaffen.

Mit Start-ups kooperieren

Welches digitale Start-up hat Sie zuletzt am stärksten beeindruckt und warum?

Unterlandstättner: Da gibt es viele gute Ideen und Start-ups am Markt, auch wenn sich hier aus meiner Sicht in nächster Zeit noch einiges konsolidieren wird. Aufgrund der Vielzahl und Vielfalt möchte ich auch kein digitales Start-up hervorheben. Grundsätzlich beeindruckt es mich aber, wenn ein Start-up nicht nur bei einem ersten Produkt beziehungsweise bei einer ersten Idee stehen bleibt, sondern sein Produktangebot und sein Geschäftsmodell erfolgreich weiterentwickelt. Zwei FinTechs, die dies tun und mit denen wir kooperieren, sind FinReach und WebID Solutions. Nach der gemeinsamen Einführung eines digitalen Konto- und Depotwechselservices, setzen wir zusammen mit FinReach gerade auch den erwähnten Chatbot um. Mit WebID Solutions kooperieren wir schon lange bei der Legitimation per Videochat zur Eröffnung eines Girokontos oder Abschluss eines Privatdarlehens. Zuletzt haben wir mit diesem Partner nun auch bei den Konsumentenkrediten unserer Marke SKG BANK eine qualifizierte elektronische Signatur und damit den letzten Baustein für ein medienbruchfreies online-basiertes Kreditvergabeverfahren eingeführt.

Wissen Sie, wie Ihr Unternehmen in den sozialen Netzwerken eingeschätzt wird? Wenn ja, wie beeinflussen sie die Meinungsbildung dort?

Unterlandstättner: Ja, wir wissen, wie die DKB dort eingeschätzt wird, weil wir das aktiv beobachten und uns intensiv damit auseinandersetzen. Wir waren eine der ersten Banken in Deutschland, die ein Social Media Monitoring aufgesetzt hat. Das Feedback, das wir dort bekommen, wird von uns genutzt, um insbesondere im Kundenservice noch besser zu werden. Wir nutzen die sozialen Netzwerke aber auch, um zu erfahren, welche neuen Produkte und Services unsere Kunden sich wünschen.

Gibt es Momente im Berufs- und im Privatleben, in denen Sie sich die Abwesenheit digitaler Geräte und Services wünschen?

Unterlandstättner: Digitale Geräte und Services machen heutzutage viele Vorgänge einfacher. Ich kann mir heute zum Beispiel gar nicht mehr vorstellen, eine Überweisung nicht am Smartphone oder Computer zu erledigen. Ich sehe die Digitalisierung unseres Berufs- und Privatlebens daher positiv. Mir sind aber Auszeiten für meine Familie und meine sportliche Leidenschaft, den Reitsport, wichtig. Es gibt sowohl im Berufs- als auch im Privatleben Momente, da muss man das Smartphone oder Tablet auch mal beiseitelegen.

Wer ist Ihr Vorbild als „Transformer/Digitalisierer“?

Unterlandstättner: Das eine Vorbild habe ich nicht. Es gibt in jeder Branche jeweils mehrere Persönlichkeiten, die man als Vorbild nennen könnte. Viele davon leisten großartige Pionierarbeit.

MEIN MOTTO: In den Worten der Digitalisierung: Immer in Bewegung bleiben, um anderen ein „Bit“ voraus zu sein.

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