Agent Provocateur

Teil 2: Ideenlabor statt Venture Capital und Inkubatoren

 

Kennzahlen Otto Group Digital Solutions

Wie groß ist die Gefahr, Ideen am Bedarf des Konzerns vorbeizuentwickeln?

Jozefak: Allein unsere personelle Aufstellung sorgt schon dafür, dass unsere Ideen treffen. Bei uns arbeiten Menschen, die bereits Berührungspunkte mit Konzernen hatten. Irgendwo in Berlin ein „Fancy Lab“ aufzubauen und von dort Impulse in eine konservative Muttergesellschaft zu senden funktioniert einfach nicht. Das mündet in ein „Wir gegen euch“. Ich glaube übrigens auch nicht an den Erfolg von Acceleratoren, Inkubatoren oder Corporate Venture Capital.

Inwieweit stehen Sie im Wettbeberb mit diesen bei der Suche nach Ideen?

Jozefak: Wir konkurrieren nicht um Ideen, aber um Entwickler. Wir brauchen Menschen, die den Typus angestellter Hardcore-Unternehmer verkörpern. Es geht um das eigene Budget. Und wir agieren dann sozusagen als Inhouse-Venture-Capital-Geber.

MEIN STATEMENT: Die überlegene Technik, die beste Idee oder das große Geld zu haben – darum geht es in diesem Rennen um Innovation. Um den „Unfair Advantage“.

Was bieten Sie Start-ups mit „unfair guten“ Ideen?

Jozefak: Jungunternehmen wollen mit Konzernen wie Otto kooperieren, weil diese über Assets verfügen: Kapazitäten und Mitarbeiter, Hard und Soft Skills, Kunden und Vertrieb. Die Lösung ist ein Ideenlabor wie Liquid Labs, das solche Unternehmen aufbaut und für sie das richtige Umfeld schafft.

Wie lange bauen Sie an diesen Unternehmen?

Jozefak: Ende 2016 hatten wir zwei unserer Kinder zur Marktreife gebracht. Die Regel lautet, sie nicht zu früh abzugeben, aber auch nicht mit Liebe zu erdrücken. Risk Ident – ein Softwareanbieter für Betrugsprävention bei E-Commerce, Telekommunikation und Finanzdienstleistungen – ist eines dieser Kinder. Trotz Abnabelung bleiben wir aber eine große Familie.

Die Otto Group hat 85 Millionen Euro in fünf Jahren für den Aufbau eigener Start-ups bereitgestellt ...

Jozefak: ... das ist Spiegel unseres Erfolgs – gerade wenn man bedenkt, dass wir einmal mit zehn Millionen Euro angefangen haben. Das war allerdings eine Größe, die bei entsprechenden Opportunitäten aufgestockt werden konnte. Wenn die mittelfristige Perspektive stimmt, können wir die Mittel abrufen. Das Gute: Unsere Unternehmen lernen – und zwar schnell. Risk Ident beispielsweise hat schon nach einem Jahr den Beweis angetreten, dass ihre Software funktioniert. Grundsätzlich sind es im Schnitt eher drei oder vier Jahre.

Werden Sie innerhalb der Gruppe als Exot belächelt oder als hausinterner Disruptor gewollt?

Jozefak: Wir sind schnell und agieren ganz sicher außerhalb der klassischen Richtlinien und Strukturen. Ganz neu ist das dem Otto-Management aber nicht. Es hatte schon bei Liquid Labs eine Beiratsfunktion inne. Und: Es zieht mit. Nach der Kennenlernphase lässt sich unser Beirat gern challengen und ist längst „up to speed“. Für uns ist die Anbindung elementar. Sie öffnet Türen, bietet Zugang zu besagten Kapazitäten.

Teil 1: Otto Digital Solutions forciert E-Commerce und FinTech

Teil 2: Ideenlabor statt Venture Capital und Inkubatoren

Teil 3: Ottos Company Builder

 

 

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