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Teil 2: "Deutschland steht noch am Anfang"

Volkmar Varnhagen kam im Jahr 2000 zu Capgemini Consulting

Digitalisierung und Transformation – auch der Gesellschaft: Was wird unsere größte Herausforderung für die nächsten Jahre sein? Erwarten Sie, dass auf uns soziale und politische Herausforderungen zukommen etwa in Sachen frappierend steigender Arbeitslosigkeit oder radikaler gesellschaftlicher Umbrüche?

Varnhagen: Jede der bisherigen industriellen Revolutionen hat einen gesellschaftlichen Diskurs ausgelöst. An diesem Punkt stehen wir auch heute, nur dass die Geschwindigkeit der Digitalisierung eine viel höhere ist und sich die Spielregeln fortwährend ändern. Eine Politik, die im Nachhinein technische Entwicklungen in Regeln packen will, ist von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Wir brauchen stattdessen eine gesellschaftliche Diskussion mit einem hohen Abstraktionsgrad. Wie schwer uns das fällt, zeigt allein das Thema Datenschutz. Nur auf Basis des gesellschaftlichen Konsenses können soziale und betriebswirtschaftliche Herausforderungen gelöst werden.

Die Politik setzt den Rahmen für die Zukunft. Glauben Sie, dass unsere Politiker die Herausforderungen der Zukunft richtig einschätzen und beispielsweise die richtigen Reformen auf den Weg bringen?

Varnhagen: Deutschland steht noch am Anfang: Die Macht des Faktischen überholt so manches Mal den mühsam im parlamentarischen Betrieb erarbeiteten Kompromiss. Wie schwer sich die Politik mit der Digitalisierung tut, zeigt sich beispielsweise am gekippten Safe Harbour Abkommen, bei dem alle Unternehmen monatelang in Unsicherheit gelebt haben. Das Beispiel zeigt aber auch, dass es keine geografischen Insellösungen geben kann. Eine leistungsfähige digitale Infrastruktur braucht einheitliche Standards und genauso muss es auf regulatorischer und gesetzlicher Ebene sein. Wenn eine Seite hier mit einer pragmatischen Lösung voranschreitet, wie beispielsweise das „Industrial Internet Consortium“ bei den Standards für Industrie 4.0, setzt das den Maßstab. Die Politik hat das durchaus verstanden, jedoch fehlt die entsprechende Geschwindigkeit. Gleichzeitig müssen wir die nachfolgenden Generationen konsequent auf die Anforderungen der digitalen Welt ausrichten. „Digitale Fähigkeiten fördern und ausbauen“ lautet der strategische Imperativ unseres Zeitalters, um den Wohlstand unserer Gesellschaft in einem immer stärkeren und globalen Wettbewerb zu sichern. Die sogenannte Digitale Kluft ist kein alleiniges Phänomen von Schwellen- und Entwicklungsländern. Hier müssen alle Teile unserer Gesellschaft noch stärker ihre Verantwortung wahrnehmen.

Wo war Ihr Unternehmen besonders innovativ?

Varnhagen: Wir haben uns schon 2008 dem digitalen Wandel verschrieben und ein internes Transformationsprogramm angestoßen: vom Technikeinsatz in der Beratung über digitale Zertifizierungen für die Weiterentwicklung der Berater bis hin zu neuen Geschäftsfeldern wie Big Data and Analytics, Digital Customer Experience oder Cybersecurity.

Wird aller Fortschritt intern initiiert?

Varnhagen: Mit dem MIT Center for Digital Research haben wir einen Partner, mit dem wir die Digitalisierung seit fast zehn Jahren vordenken. Die Ergebnisse dieser fruchtbaren Diskussion bringen wir zu Papier – um damit letzten Endes unsere Kunden bei ihrer Transformation zu begleiten, so wie wir uns selbst auch transformieren.

Teil 1: Sei das Beispiel
Teil 2: "Deutschland steht noch am Anfang"
Teil 3: "You can do anything you set your mind to"

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