Vom Produkt zur Dienstleistung

FinancialForce-CEO Tod Nielsen zum Thema Datenschutz und den Wandel der Unternehmens-IT.


Tod Nielsen, CEO FinancialForce (Foto: PR)

Enterprise Resource Planning (ERP) – unter diesem etwas sperrigen Begriff versteht man Programme, die den Dreh- und Angelpunkt vieler moderner Unternehmen bilden. Von Kapital und Personal über Betriebsmittel bis hin zur Informationstechnik, mit ERP-Software werden heute nahezu alle Ressourcen im Unternehmen geplant und gesteuert. Das kalifornische Software-Unternehmen FinancialForce bietet solche Systeme cloudbasiert an. In der Verlagerung vom Produkt zur Dienstleistung sieht CEO Tod Nielsen die Zukunft der globalen Wirtschaft.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Seit Anfang dieses Jahres sind Sie CEO von FinancialForce. Was haben Sie in den ersten 100 Tage bewegt?
Tod Nielsen:
Ich bin gleich in medias res gegangen. In den ersten 45 Tagen hatte ich hundert Einzelgespräche mit Mitarbeitern à 30 Minuten. Danach hatte ich ungefähr 75 Meetings mit unseren Kunden, die im Schnitt eine Stunde dauerten. So habe ich ein Gespür für Kunden, Partner Mitarbeiter und deren Belange entwickelt. Was machen wir bereits gut? Was könnten wir besser machen? Wohin können wir uns entwickeln? Solchen Fragen bin ich nachgegangen.

Zuvor waren Sie jahrelang im Cloud-Infrastrukturbereich tätig. Sehen Sie große Unterschiede zu ERP?
Nielsen: Die größte Überraschung für mich war, wie entgegenkommend und geduldig ERP-Kunden sind. Bei Cloud-Infrastruktur- und Cloud-Plattformen geht es dir an den Kragen, wenn etwas nicht sofort so funktioniert, wie der Kunde sich das vorstellt. Bei ERP-Programmen haben die meisten Unternehmen über die letzten vierzig Jahre ein Martyrium hinter sich. Allein die Tatsache, dass da jemand ist, der sich um solche Angelegenheiten kümmert, bringt einem das Wohlwollen der Kunden ein.

Wer sind Ihre größten Kunden?
Nielsen: In Amerika sind das Cisco Systems, AECOM, Adobe und Amazon Web Services. In Europa das World Economic Forum, die Zurich Gruppe, PGA European Tour und das National Audit Office (NAO) in Großbritannien.

Inwiefern ist der europäische Markt für FinancialForce relevant?
Nielsen: Wir haben eine starke Präsenz in Großbritannien und Spanien. In Deutschland sind wir noch nicht so weit. Denn im Unterschied zu anderer Software muss der finanzielle Teil eines ERP-Programms, nicht nur übersetzt werden. Auch die Regularien für Buchführung, Rechnungslegung et cetera müssen je nach Land im System berücksichtigt und entsprechend integriert werden. In Deutschland sind wir gerade dabei, diese Anforderungen zu überprüfen. In jedem Fall ist es ein wichtiger europäischer Markt.

Teil 1: Vom Produkt zur Dienstleistung

Teil 2: Software frisst die Welt

 

 

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