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Teil 3: "Disrupt or get disrupted"

Kursentwicklung der Telekom-Aktie seit Höttges Amtsantritt

Was muss sich in Ihrem Unternehmen ändern, um dem Wandel begegnen zu können? Braucht es eine neue Fehlerkultur?

Höttges: Ich habe es vor zweieinhalb Jahren zu meinem Amtsantritt gesagt: Ich will an der Kultur der Offenheit, der Zusammenarbeit und des Teilens arbeiten. Daran möchte ich mich messen lassen. Dazu gehört auch eine positive Fehlerkultur. Ich fordere meine Mitarbeiter ausdrücklich auf, Fehler zu machen. Nach dem Grundsatz: Traut Euch - geht etwas schief, sollten wir uns das eingestehen, aufstehen und eine andere Lösung versuchen. Ohne Angst vor Versagen ist der Ansporn viel größer, neue Ideen zu entwickeln.

Ausblick 2020: Welche Chancen und Risiken erwarten Sie für Ihre Branche? Glauben Sie, dass ein Angreifer mit einem disruptiven Geschäftsmodell Ihre Branche durcheinander wirbeln wird? 

Höttges: Zumindest macht es Sinn, sich mit solchen Szenarien zu beschäftigen. Disrupt or get disrupted, lautet ein weiter Spruch aus dem Silicon Valley: Profitable Geschäftsmodelle können quasi über Nacht wegbrechen und durch neue ersetzt werden. Das zwingt zu Offenheit und  Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen, auch branchenfremden. Neue Technologien wie etwa lernende und sich selbst steuernde Maschinen stellen uns vor große Herausforderungen. Diese sind nicht unüberwindbar, aber anspruchsvoll in der Umsetzung – und der Kommerzialisierung.

War for (digital) talents: Was tun Sie, um die besten Mitarbeiter für Ihr Unternehmen zu rekrutieren?

Höttges: Bei meinen Gesprächen mit Start up-Gründern, Studenten und Berufsanfängern stelle ich überraschend oft fest, dass viele gar nicht wissen, was die Telekom alles macht. Deshalb geht ein Großteil unserer Kommunikation dahin, diese Lücke zu schließen, Interesse und Nachfragen zu wecken. Und wir heben hervor, dass es ok ist, wenn jemand zwei, drei Jahre bei uns reinschauen und dann weiterziehen möchte. Ziel ist es, eine möglichst vielseitige Mannschaft zu haben: Wir brauchen junge, technik-affine Menschen, also die Digital Natives, die mit Laptop und Spielkonsole aufgewachsen sind, aber auch ältere Mitarbeiter mit hohem Wissens- und Erfahrungskapital, das sich die Jungen erst erarbeiten müssen.

Bücher, Reisen, Gespräche: Was tun Sie, um persönlich fit zu bleiben in Sachen „Herausforderungen der Zukunft?“

Höttges: Ich versuche, möglichst viele interessante Unternehmer zu treffen. Nur ein Beispiel: Ich habe eine sechswöchige Lernreise ins Silicon Valley gemacht, weil ich verstehen wollte, warum die Firmen dort so einzigartig erfolgreich, dynamisch und groß sind. Austausch ist immens wichtig. Das kann auch über Bücher erfolgen. Ich lese sehr viel. Und für mich ist Sport ein Weg den Kopf frei zu bekommen sowie gesund zu bleiben, für meine Aufgaben als CEO

Welche Eigenschaft ist die wichtigste, um sich Herausforderungen stellen zu können?

Höttges: Neugier.

Wie gehen Sie ganz persönlich mit dem raschen Wandel um?

Höttges: Die Digitalisierung verläuft exponentiell. Unser Gehirn ist aber nur für das Denken in linearen Schritten gemacht. Dadurch hinkt eine technische Entwicklung zu Beginn unseren Erwartungen hinterher. Und nimmt dann rasant Fahrt auf, wenn wir nicht damit rechnen. Ein Beispiel: Die Idee des selbststeuernden Autos gibt es seit Langem. So lange, dass sie viele nicht ernst genommen haben. Und plötzlich steht es auf dem Parkplatz vor der Tür. So vorauszudenken, dass fordert sehr, und man wird schnell belächelt. Wenn ich Ihnen jetzt von Hirn-Computer-Schnittstellen erzählen würde, von Intelligenz-Implantaten, sehen Sie in den Spiegel, da kommt das Lächeln …

Gibt es eine besondere Lebensmaxime, nach der Sie handeln?

Höttges: Ich versuche, neugierig zu bleiben, ich versuche, mir trotz der Arbeit für einen Großkonzern eine gewisse Agilität zu bewahren und Menschen zu ermutigen, Dinge anders zu machen. Wenn Sie das Lebensmotto in Form eines Sinnspruchs meinen? Den hab ich nicht. Aber es gibt ein paar Leitsätze, die für mich von übergeordneter Bedeutung sind, zum Beispiel: Die Würde des Menschen ist unantastbar – und auch die digitale Würde.

Teil 1: Wir haben jetzt alle Chancen
Teil 2: "Wir brauchen eine gesellschaftliche Diskussion über digitale Verantwortung"
Teil 3: "Disrupt or get disrupted"

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