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Teil 2: "Wir brauchen eine gesellschaftliche Diskussion über digitale Verantwortung"

Timotheus Höttges ist seit 2014 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom (Foto: PR)

Die Politik setzt den Rahmen für die Zukunft. Glauben Sie, dass unsere Politiker die Herausforderungen der Zukunft richtig einschätzen und beispielsweise die richtigen Reformen auf den Weg bringen?

Höttges: Die Politik hat die Bedeutung von Digitalisierung verstanden. Der Begriff steht ungefähr 70 Mal im Koalitionsvertrag. Mehr und mehr Politiker setzen sich mit den gewaltigen Auswirkungen der Digitalisierung auseinander. Darauf gilt es aufzusetzen, denn zum einen braucht Innovation Freiheit. Die klassischen Industrien - Telkos, Banken, Automobilhersteller – sind über die Jahre zu regulierten Industrien geworden, um Kunden-Risiken zu minimieren und über Vorschriften den Wettbewerb zu organisieren. Zum anderen braucht Innovation Investition. Und Investition braucht Sicherheit. Eine stärkere steuerliche Absetzbarkeit von Forschung und Entwicklung wäre ein Schritt in diese Richtung. Ebenso die Ausweitung der Möglichkeiten für Verlustvorträge bei jungen Unternehmen. Wer schnell groß werden will, muss den Luxus haben dürfen, längere Zeit ohne Gewinne operieren zu können. Und, wie gesagt, wir brauchen eine breite gesellschaftliche Diskussion über digitale Verantwortung. Wir, in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, im Alltagsleben sind Teil der Digitalisierung und sollten uns nicht bevormunden lassen, sondern mitbestimmen und mitgestalten.

Auf welche Innovationen der Deutschen Telekom sind Sie besonders stolz?

Höttges: Auf die von morgen; die, die vielen Menschen zugute kommt. Rückblickend haben wir wesentliche Entwicklungen bei ISDN, GSM, Cloud-Computing mitgestaltet und vorangetrieben. Doch das ist gestern. Das Netz von morgen hat einen Namen: 5G, der kommende weltweite Kommunikationsstandard. Da sind wir maßgeblich beteiligt. Im Netz von morgen kommunizieren Menschen und Milliarden von Maschinen und Sensoren: Container auf den Weltmeeren senden ihren Standort und den Zustand der Ladung. Sensoren auf dem Feld zeigen dem Bauern, ob genug Regen fällt und wann die Ernte reif ist. Aufzüge melden, dass sie gewartet werden müssen. Und zwar bevor sie ausfallen. Das ist die digitale Zukunft. Ab 2020 starten wir damit.

Was tun Sie in Ihrem Unternehmen, um das Innovationsklima zu fördern?

Höttges: Europa ist sehr gut darin, bestehende Techniken und Prozesse zu verbessern. Gefragt ist aber jetzt die sogenannte disruptive Innovation. Also die neue Technik, die eine alte Technik ablöst und damit neue Wertschöpfungsketten erschafft. Damit tun sich gerade alte Unternehmen schwer. Versuchen sie, diesen Innovationen zu verordnen, werden Sie feststellen, dass diese Veränderungen immer wieder abgestoßen werden. Das ist wie ein Schutzmechanismus. Ich bin überzeugt, wenn Innovation nicht aus dem mittleren Management der alten Welt eingefordert wird, wird sie nie passieren. Darum müssen wir Führungskräfte auf der mittleren Ebene nicht nur danach beurteilen, wie gut sie ihr Altgeschäft beherrschen, sondern auch danach, wie grundsätzlich sie dieses Modell infrage stellen. Never stop questioning yourself, heißt ein Motto im Silicon Valley. Natürlich muss das Rad nicht neu erfunden werden. Heißt, wir setzen sehr auf Partnerschaften. Wenn jemand anderes eine gute Idee hat, ein überzeugendes Produkt, einen attraktiven Service hat, versuchen wir ihn als Partner zu gewinnen.

Teil 1: Wir haben jetzt alle Chancen
Teil 2: "Wir brauchen eine gesellschaftliche Diskussion über digitale Verantwortung"
Teil 3: "Disrupt or get disrupted"

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