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Wir haben jetzt alle Chancen

Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, über die zweite Halbzeit im Wettstreit um die Zukunft und das Lächeln der Skeptiker.
Software ersetzt Denkarbeit: Künstliche Intelligenz eröffnet ungeahnte Möglichkeiten (Bild: Niklas Hughes)

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Haben Deutschlands Unternehmen den Wettstreit um die digitale Welt gegen das Silicon Valley längst verloren?

Timotheus Höttges: Zugegeben, die erste Halbzeit haben wir verloren, aber in der zweiten haben wir noch alle Chancen offen. Zum Beispiel ist Europa führend bei der Software, die für die Steuerung industrieller Maschinen eingesetzt wird. Gerade bei der Digitalisierung der Industrie haben wir große Chancen. Im Silicon Valley setzen die Unternehmen vor allem auf Lösungen für Privatkunden. Deren Entwicklung ist verhältnismäßig kostengünstig. Bei komplexeren Lösungen für Geschäftskunden haben wir in Europa noch alle Chancen vor uns.

Die Transformation wird auch die Gesellschaft verändern. Welche Umbrüche erwarten Sie?

Höttges: Erfindungen haben das Zusammenleben immer verändert. Zum Glück. In erster Linie soll und wird die Digitalisierung unser Leben besser, einfacher und kreativer machen. In der medizinischen Versorgung etwa werden wir große Fortschritte erleben. Und ja, die Arbeitswelt verändert sich. Wir sind in einer Phase angekommen, in der Software Denkarbeit ersetzt. Künstliche Intelligenz tritt an die Seite von, aber auch in den Wettbewerb mit menschlicher Intelligenz und entsprechenden Tätigkeiten. Deswegen ist es mir wichtig, digitale Verantwortung möglichst breit zu diskutieren.

Welches Unternehmen weltweit hat sein Geschäftsmodell vorbildlich auf die Zukunft ausgerichtet? Was beeindruckt Sie an dem Unternehmen am meisten?

Höttges: Ob im Silicon Valley, in Israel, in Südkorea - mich begeistert die Innovationskraft, mit der dort Dinge entstehen, die einen hohen Nutzen haben. Ich wünsche mir mehr davon für Europa. Und oft ist dabei Innovation eine gekonnte Re-Kombination. Also die neue Anordnung bereits vorhandener Elemente. Nehmen Sie Uber. Autos, Fahrer, Smartphone. War alles da, aber nur Uber hat daraus ein völlig neues Mobilitätskonzept gemacht. Um die Rekombinationsmöglichkeiten zu erweitern müssen wir die Silos in unseren Unternehmen aufbrechen. Das erfordert Rotation in den Funktionen und Segmenten. Und eine Organisationsform, die sich an Projekten orientiert.

Welche technologische Entwicklung fasziniert Sie besonders?

Höttges: Eben das Forschungs- und Entwicklungsfeld künstliche Intelligenz. Was hier erreicht ist – siehe der Sieg einer Maschine im Go-Spielen gegen einen Menschen – und was hier noch kommen wird, in kurzer Zeit, sprengt die Vorstellungskraft. Das reizt mich auch auf der ethisch-moralischen Seite: Was ist der Mensch, wie geht die Evolution weiter mit ihm um, wie stark wird er selbst als Teil dieser Evolution die menschliche Intelligenz mit der künstlichen steigern?

Was wird das Leben künftig ebenso heftig umkrempeln wie zuletzt das Smartphone?

Höttges: Es wird eine Vielzahl von Innovationen sein. Ich denke da an 3-D-Druck, Virtual-Reality-Brillen, intelligente Kleidung, Roboter, selbststeuernde Autos und so weiter. Die Basis wird aber das smarte Netz sein. Auch das Smartphone kann ja seine wunderbare Vielfalt nur auf Basis schneller, breitbandiger Netze umsetzen. Und die Netze der Zukunft müssen wesentlich mehr können. Nehmen Sie miteinander kommunizierende Autos.

Teil 1: Wir haben jetzt alle Chancen
Teil 2: "Wir brauchen eine gesellschaftliche Diskussion über digitale Verantwortung"
Teil 3: "Disrupt or get disrupted"

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